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Wenn dich Marc Gini zum Schwitzen bringt

Der Bündner Marc Gini hat erst diesen Frühling nach 17 Jahren seinen Rücktritt vom Spitzensport gegeben. Der 32-Jährigen aus Bivio hat aber unlängst ein neues Leben gestartet. Wir haben ihn besucht.

Nadia
Kohler
Freitag, 06. Oktober 2017, 04:30 Uhr Ski alpin
Eine Trainingseinheit mit Marc Gini - keine leichte Sache.

Abends um 17.30 Uhr; Marc Gini öffnet in der Biathlon Arena in Lantsch/Lenz die Türe zum Fitnessraum. Der ehemalige Slalomfahrer bereitet sich für das erste von zwei Trainings an diesem Abend vor und begrüsst mich und Kameramann Romano Thomann mit einem strahlenden Lächeln. Bereits im Vorfeld drohte mir Gini Muskelkater an. Ich tat dies - vorläufig - ebenfalls mit einem Lächeln ab.

Nun stehe ich jedoch im Fitnessraum und beobachte ihn bei den Vorbereitungen für das heutige Training. Noch gut 30 Minuten, dann darf ich für 75 Minuten mit fünf anderen Teilnehmern das Marc-Gini-Programm absolvieren. Zwischenzeitlich lächelt mich Gini erneut an und fragte, ob ich denn Erfahrung mit Crossfit-ähnlichem Training hätte. Kurzerhand will ich die Beleidigte spielen, aber diese Frage stachelt mich nur noch mehr an – dieses Training musste doch zu schaffen sein.

Nach Luft schnappen und schwitzen

Punkt 18 Uhr stehen wir also alle im Kreis und wärmen uns kurz ein. Danach geht es Schlag auf Schlag. Kraft und Koordinationsübungen folgen ohne Pause. Gini erklärt jede einzelne Übung und nimmt sich dann auch Zeit für die individuelle Beratung. Bereits nach einigen Minuten merke ich, dass ich ganz bestimmt mit Muskelkater aufwachen dürfte, aber ich versuche mir die Anstrengung nicht all zu arg ansehen zu lassen. Das nachfolgende Video beweist aber wohl das Gegenteil…

Wenigstens Lachen kann ich noch...

Wehmut, aber nichts bereut

Der ehemalige Skicrack hat bis zu seinem Rücktritt über 100 Slalomrennen absolviert. So viele wie kein anderer Schweizer zuvor. In seiner Karriere feierte er einen Weltcupsieg auf der Reiteralm und auch wenn Gini alles für eine Wiederholung tat, sollte es nicht mehr klappen. In seiner letzten Saison reichte es dann auch nicht mehr für die Qualifikation für die Heim-WM in St. Moritz. Da ein Comeback an der Spitze (zu) weit entfernt schien, entschied sich der Bivianer im Frühling zum Rücktritt und arbeitet seither unter anderem als Fitnesstrainer und hat sein Studium als Physiotherapeut wieder aufgenommen. Zudem lässt er sich auch noch zum Skitrainer ausbilden.

Perfekte Voraussetzungen also für eine Karriere als Trainer bei Swiss Ski - nicht?! Ausschliessen tut es Gini nicht, aber ein Ja klingt auch anders. Im Interview vor dem Training - da habe ich nämlich noch ausreichend Sauerstoff erhalten - erklärte mir der 32-Jährige, dass ein guter Trainer künftig wohl dieses Gesamtpaket mitbringen sollte. Ein ganz deutliches Ja klingt aber auch anders. Aber nun zurück zum Training.

Dieses vielfältige Wissen, welches sich Gini aneignet und angeeignet hat, setzt er nun beim Training ein und dies schätzen seine Teilnehmer. Der ehemalige Skicrack habe eine ausgezeichnete Expertise – sein Starstatus scheint den Anwesenden egal zu sein. «Er motiviert einem sehr gut und es macht Spass», erklären Simona und Silvio im nachfolgenden Interview.

Simona und Silvio erzählen von ihren Erfahrungen.

Während ich etwas mit meiner Atmung kämpfe, will ich natürlich vom ehemaligen Rennfahrer wissen, ob er das Skifahren nicht vermisst. «Als ich die Videos und Fotos meiner ehemaligen Teamkollegen aus Neuseeland gesehen habe, habe ich es ziemlich vermisst», gibt der 32-Jährige mit Wehmut in der Stimme zu. Vor allem die Zeit in der Natur, die schönen Sonnenaufgänge und das Slalomfahren. Den Rücktritt bereue er bisher aber nicht, betont er weiter. Er habe aber von Anfang an gewusst, dass er die Zeit auf dem Schnee vermissen werde.

In der Zwischenzeit schiele ich auf die Uhr – erst 40 Minuten…oje. Das dürfte noch heiter werden. Kameramann Romano Thomann amüsiert sich in der Zwischenzeit köstlich. Dafür spornt uns Gini weiter an. Und tatsächlich – nach 75 Minuten klatschen wir uns gegenseitig ab und ich kann noch lachen, auch wenn ich weiss, dass dieses Training noch Folgen - in Form von Muskelkater - haben wird.

PS: Nächsten April gibt Marc Gini übrigens seine Erfahrungen und Tipps an Nachwuchsfahrer weiter. Diesen Selbstversuch lasse ich aber wohl besser aus.

Das ganze Interview mit Marc Gini zu seinem neuen Leben:

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