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Regierung will definitiven Entwässerungsstollen in Brienz

Der Brienzer Sondierstollen hat Erkenntnisse geliefert. Und diese veranlassen die Regierung, dem Grossen Rat einen 40-Millionen-Franken-Kredit für einen definitiven Entwässerungsstollen zu beantragen.

Südostschweiz
22.09.22 - 17:31 Uhr
Ereignisse
Sondierstollen: Die vorläufigen Ergebnisse geben Anlass zur Hoffnung.
Sondierstollen: Die vorläufigen Ergebnisse geben Anlass zur Hoffnung.
Pressebild

von Mara Schlumpf und Manuela Meuli

Die Rutschung Brienz hat sich in den vergangenen knapp 15 Jahren ausserordentlich stark beschleunigt. Aktuell werden im Dorf Bewegungsraten von rund 135 Zentimetern pro Jahr gemessen. Entsprechend steigen die Schäden an den Gebäuden und der Infrastruktur im Dorf. «Die Rutschung wird rund um die Uhr überwacht. Die Bewegungen bleiben aktuell auf einem hohen Niveau», sagt Kantonsförster Urban Maissen. Wie der Kanton am Donnerstag mitteilte, haben sich die Hinweise im Laufe der Untersuchungen verdichtet, dass erhöhte Wasserdrücke für diese grossen Bewegungen verantwortlich sind. Erhöhte Wasserdrücke im Untergrund wurden weltweit bei verschiedenen Rutschungen ähnlicher Grösse und Disposition als Ursache für die Bewegungen identifiziert. Eine Reduktion dieser Wasserdrücke hatte dort durchwegs eine Abnahme der Bewegungen zur Folge.

Sondierstollen zeigt Wirkung

Die gute Nachricht sei, dass sich die Rutschung im Bereich des Sondierstollens verlangsamt habe, sagt Maissen. Erste Erkenntnisse im Sondierstollen unter dem westlichen Teil der Rutschung Brienz zeigten, dass die Wasserdrücke tatsächlich reduziert werden könnten und sich die Rutschung so verlangsame. Der Sondierstollen sei allerdings erst seit Kurzem in Betrieb, weshalb diese ersten Erkenntnisse noch überprüft werden müssten, so Maissen. Was allerdings bereits bestätigt ist: Ein Entwässerungsstollen bietet Chancen, die Rutschung Brienz nachhaltig zu sanieren. Damit wurden die Erwartungen von 2021 noch übertroffen. Damals rechnete Projektleiter Josef Kurath vom Tiefbauamt Graubünden im Frühjahr 2023 mit ersten Erkenntnissen.

Die Regierung beantragt dem Grossen Rat deswegen einen Kredit in Höhe von 40 Millionen Franken. «Damit kann nach einem positiven Entscheid des Parlaments schnell gestartet werden», sagt Maissen. Von einem Entwässerungsstollen erhofft sich Maissen, dass die Bewohnung des Dorfs auch in Zukunft möglich sein kann. Die Regierung ihrerseits teilt mit, dass mithilfe eines definitiven Entwässerungsstollens weitere grössere Schäden an Infrastruktur und eine allfällig nötig werdende Umsiedlung der Dorfgemeinschaft von Brienz/Brinzauls vermieden werden soll. Ob der definitive Entwässerungsstollen den Brienzer Rutsch auch komplett stoppen könne, sei aber zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht beurteilbar, wendet der Kantonsförster ein.

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