Personalknappheit verschärft Covidsituation im Spital Linth
Im Spital Linth bereiten nicht nur die Covidpatienten Sorgen. Derzeit ist das Spitalpersonal stark von Ausfällen betroffen. Dies liege vor allem an den zu spät zugelassenen Auffrischungsimpfungen.
Im Spital Linth bereiten nicht nur die Covidpatienten Sorgen. Derzeit ist das Spitalpersonal stark von Ausfällen betroffen. Dies liege vor allem an den zu spät zugelassenen Auffrischungsimpfungen.
Reichen die von Bund und Kantonen verhängten Massnahmen, um einen Kollaps des Gesundheitswesens zu verhindern? Die Frage umtreibt derzeit die Bevölkerung. Diverse Schweizer Spitäler meldeten in den letzten Tagen, dass die Intensivplätze voll belegt sind. Dazu kommen die gegenwärtig vielen Neuinfizierten, von denen ein Teil zusätzlich die Spitäler belasten wird.
Dies beschäftigt auch Peter Werder, den Direktor des Spitals Linth. Er, der nicht bekannt ist für alarmistische Töne, bezeichnet die Situation als «sehr angespannt». Sie ändere sich täglich. Auf einer separaten Bettenstation werden in Uznach täglich zwischen acht und elf Covidpatienten gepflegt. Gegenüber dem Höchststand der zweiten Welle mit 25 Patienten scheint das verkraftbar. Doch der Schein trügt.
Dafür gibt es vor allem zwei Gründe: Einerseits gibt es im Spital seit dem fertiggestellten Um- und Neubau generell mehr Patienten und Arbeit. «Was positiv ist und uns sehr freut», fügt Werder an. Andererseits hat das Spital aufgrund von Ansteckungen mit dem Coronavirus viele Personalausfälle zu beklagen. «Das beschäftigt uns am meisten.»
Zu späte Auffrischungsimpfung
Unter den angesteckten Mitarbeitenden seien vermehrt Impfdurchbrüche zu verzeichnen. «Viele Angestellte haben ab Februar ihre Impfung erhalten. Sie hätten viel früher die Auffrischungsimpfung erhalten müssen», erläutert Werder. Gemäss den aktuellen Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) ist eine Auffrischungsimpfung sechs Monate nach der vollständigen Covid-19-Impfung vorgesehen. Viele Angestellte im Gesundheitswesen mussten aber rund neun Monate warten.
«Mich hat es wirklich gestört, dass der Bund so lange zuwartete», sagt der Spitaldirektor. «Die vielen Impfdurchbrüche hätten wir dann nicht gehabt.» Kommt hinzu, dass auch positivgetestetes Personal ohne Symptome länger ausfällt. Aufgrund der Quarantäne mindestens fünf bis zehn Tage, sagt Werder. «In der Personalplanung rechnen wir aber vorsorglich mit Absenzen von zwei Wochen.»
Aufgrund der Situation musste die Spitalleitung «schweren Herzens» Weihnachtsessen und sämtliche internen wie externen Anlässe «mit sozialem Charakter» absagen. «Das tut mir einerseits leid gegenüber dem hart arbeitenden Team und andererseits wegen der gebeutelten Gastrobranche, die darunter leidet», sagt Werder. Aber Ausfälle von ganzen Teams – sei es wegen Ansteckungen oder Kontaktquarantäne – könne sich das Spital schlicht nicht leisten. Nur Informationsabende für werdende Eltern finden noch statt. Besuche sind stark eingeschränkt.
58 Tage auf der Intensivstation
Um auf das stark belastete Gesundheitswesen aufmerksam zu machen, greifen die Institutionen zuweilen zu kreativen Mitteln. Die St. Galler Spitalregion Rheintal, Werdenberg, Sarganserland hat kürzlich auf den sozialen Medien ein Video veröffentlicht, das Einblicke in die Intensivpflegestation (IPS) im Spital Grabs gewährt. Darin ist ein Covidpatient zu sehen, der seinen 58. Tag auf der IPS verbringt. Die lange und intensive Pflege dieser Patienten bringt zusehends Personal und System an den Anschlag.
In Uznach gibt es keine solche IPS. Die Patienten im Spital Linth, die eine Intensivbehandlung benötigen, werden mehrheitlich nach St. Gallen verlegt. «Bis jetzt hat das geklappt. Es bleibt abzuwarten, wie lange das noch möglich ist», sagt Spitaldirektor Werder. Gemäss Kanton verschieben nun die Spitäler vereinzelt Wahleingriffe, um die IPS zu entlasten.
Dadurch ist derzeit ein Viertel der insgesamt 40 Intensivplätze im Kanton St. Gallen wieder frei. Letzte Woche betrug die Auslastung zeitweise 95 Prozent. Sprich: Noch zwei Plätze waren verfügbar. Aktuell machen Covidpatienten zwei Drittel der belegten IPS-Plätze aus. «Falls die Zahl der Covidpatientinnen und -patienten weiter zunimmt, müssen die Wahleingriffe strukturiert heruntergefahren werden», heisst es seitens des St. Galler Gesundheitsdepartements. Das führt nicht nur zu noch mehr wirtschaftlichen Einbussen, sondern auch zu unangenehmen Folgen für die Patienten, die vertröstet werden müssen.
Ungeimpfte belasten das System
Der Löwenanteil der Covidpatienten ist ungeimpft. Auf der Intensivstation des Kantonsspitals St. Gallen sind zwischen Juli und Mitte November 64 Patientinnen behandelt worden. Über 80 Prozent waren ungeimpft, nur knapp 10 Prozent doppelt geimpft. Das BAG veröffentlichte überdies gestern Montag Daten aus der ganzen Schweiz. Die 20 Spitäler, die an der Studie mitmachten, berichteten insgesamt von 495 Todesfällen im Zusammenhang mit Covid-19 zwischen Impfbeginn im Dezember und Ende August. Darunter waren 88 Prozent nicht geimpft und knapp 9 Prozent einmal geimpft.
Ob die letzte Woche ausgedehnte Maskenpflicht und ausgeweitete Anwendung des Zertifikats am Impfstatus der Bevölkerung viel ändern, darf bezweifelt werden. Klar ist für Werder: «Die verhängten Massnahmen greifen erst verzögert. Bei den aktuellen Infektionszahlen bedeutet das, dass uns mindestens zwei bis drei herausfordernde Wochen bevorstehen.»
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Erstens, es wurden 4…
Erstens, es wurden 4 Spitäler im Kanton mit voll ausgerüsteten IMC Einheiten geschlossen. Eine Rückverlegung von der ICU ist hiermit erschwert worden. Das sich dies auf die Liegezeiten auswirkt ist vorhersehbar.
Zweitens, habe ich richtig verstanden... die Ausfälle entstehen durch geimpftes Personal...
Ist ja mal interessant!