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Der Popstar der Coronarebellen

Der Popstar der Coronarebellen

An der Coronademo vom Donnerstag in Glarus ist der Luzerner Nicolas Rimoldi von der Bewegung «Mass-Voll» aufgetreten.

Südostschweiz
vor 1 Woche in
Ereignisse
«Miteinander holen wir uns die Schweiz zurück»: Nicolas Rimoldi appelliert an den Kampfgeist der Glarnerinnen und Glarner.
Sasi Subramaniam

Daniel Fischli und Denise Aepli

Nicolas Rimoldi weiss, wie er die Menge für sich gewinnen kann. Er steht mit einer Zigarre in der Hand und einem selbstbewussten Lächeln auf dem Rathausplatz in Glarus. Der 25-jährige Luzerner hat die Bewegung «Mass-Voll» gegründet, die behauptet, die Behörden würden mit ihrer Coronapolitik «unsere Zukunft, unsere Familien, unsere Gesundheit und unsere Gesellschaft» zerstören. 4 800 Leute haben Rimoldis Telegram-Kanal abonniert, der von sich sagt, die leidende Jugend zu repräsentieren.

Es ist Donnerstagabend. Gegen 300 Menschen haben sich auf dem Rathausplatz versammelt, um wie jede Woche gegen die Coronamassnahmen zu demonstrieren. Es sind mehr Menschen als gewöhnlich da, sie wollen Nicolas Rimoldi hören.

«Kampfeswille von 1291»

Die Abstimmung über das Covid-19-Gesetz vom 13. Juni sei «die wichtigste Abstimmung in der Geschichte unseres Landes», behauptet Nicolas Rimoldi in seiner Ansprache kurz nach 20 Uhr. Das Gesetz beraube die Bevölkerung ihrer Freiheit, es sei eine «Selbstentmachtung des Parlaments», eine «Totalentmachtung von euch allen». Die Schweiz bewege sich geradewegs in Richtung Apartheid – «man kann es nicht anders nennen» – , warnt Rimoldi.

Was die Massnahmenkritiker umtreibt, ist die Angst davor, dass sie als Ungeimpfte von der Gesellschaft ausgeschlossen werden könnten. «Es soll aber der Entscheid von jedem einzelnen sein, ob er sich impfen lässt», sagt Rimoldi. Die Menge quittiert das mit Applaus und Jubel. Er gibt sich überzeugt, dass die Abstimmung vom 13. Juni zu gewinnen ist: «Ich sehe in euren Augen den Kampfeswillen von 1291.»

Bitte nicht schmusen

Gabriela Elmer organisiert seit Dezember die Kundgebungen auf dem Rathausplatz. «Wir sind keine Rechtsextremen, ich bin eine Bauerntochter aus Glarus», sagt Elmer. Zu Beginn der Kundgebung ruft sie die Teilnehmenden dazu auf, die Auflagen der Behörden einzuhalten, eine Maske zu tragen, Abstand zu halten und «nicht mit Fremden zu schmusen». Selber zieht sie aber keine Maske an und das Publikum folgt ihrem Beispiel. Manche tragen grosse Buttons an der Brust mit dem Aufdruck «Umarmbar».

Elmer wünscht sich eine friedliche Kundgebung, wer «provokativ drauf» sei, könne gleich wieder gehen. Sie trägt ein T-Shirt, auf dem eine grosse geballte Faust zu sehen ist und der Slogan «Glarner stünd uf». Auch die Medien, die nicht neutral berichten wollen, sind nicht erwünscht. «Ich will morgen nicht in der Zeitung lesen, wir seien Kriminelle, weil wir keine Maske tragen», so die Durchsage von Elmer.

«Daniel aus Buchs» ist mit seinem «Coronamobil» gekommen. Ein kleiner Lieferwagen, der nicht zum ersten Mal als Bühne für die Reden von Nicolas Rimoldi dient. Es handelt sich um Daniel Trappitsch, der als Impfgegner auftritt und auf dem Platz Buttons, T-Shirts und Banner verkauft. Er macht Werbung für die unbewilligte Demonstration von heute Samstag in Rapperswil. Die Kundgebung sei offiziell abgesagt worden, so Trappitsch. «Aber überlasst es eurem Gefühl, eurer Intuition, eurem Herz, ob ihr hingeht oder nicht.» Von den Menschen auf dem Platz kann man immer wieder hören, dass sie von einer Demo zur nächsten ziehen. Eine 40-jährige Frau aus Zürich mit einem aufgeklebten Schweizerkreuz auf dem Oberarm sagt: «Ich gehe dort an Coronademos, wo welche stattfinden.» Seit der Demo vom vergangenen Oktober auf dem Helvetiaplatz in Zürich sei sie an jeder grösseren gewesen.

Eine 63-jährige Glarnerin findet es toll, dass so viele junge Menschen mit ihren violetten «Mass-Voll»-Fahnen da sind. Es stört sie nicht, dass sie nicht aus dem Kanton sind, das Problem betreffe ja die ganze Schweiz. Ein 34-Jähriger ist aus St. Gallen angereist. Er trägt aus «gesundheitlichen, moralischen und religiösen Gründen» keine Maske. Angesprochen auf die fehlende Mund- und Nasenbedeckung, geben auffallend viele gesundheitliche Probleme an.

Nächster Halt Rapperswil

Nach einer guten halben Stunde ist die Kundgebung schon vorbei. Gabriela Elmer dankt dem Kanton Glarus für die Bewilligung und erklärt den Auswärtigen, dass man sich in einer Woche wieder auf dem Rathausplatz treffen werde. Sie werde am Samstag nach Rapperswil gehen, um dort zu machen, «was man halt so macht in Rapperswil: einen Kaffee trinken, shoppen, im See baden». Elmer bittet die Anwesenden, keine Gruppen zu bilden und friedlich nach Hause zu gehen, was aber nur wenige machen. Manche haben Bier mitgebracht und stossen damit an. Die Polizei ist nirgends zu sehen.

«Ich bin nächste Woche wieder hier», sagt ein 30-Jähriger aus Uster, der auch schon in Liestal war, wo Mitte März 5000 Menschen demonstriert haben. Auf dem Telegram-Kanal von «Mass-Voll» schreibt einer am Freitag: «Komme vielleicht nächste Woche auch nach Glarus.»

Von den Menschen auf dem Platz kann man immer wieder hören, dass sie von einer Demo zur nächsten ziehen.

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