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«Sehr seltenes Ereignis»

Die Untersuchungen zum Felssturz am Davoser Seehorn sind abgeschlossen.

Béla
Zier
Montag, 16. November 2020, 04:30 Uhr Felssturz am Davoser Seehorn
Eine Lücke im Wald: Die Gerölllawine am Seehorn entwurzelte eine Menge Bäume. Pressebild

Die Schneise an der Südflanke des 2238 Meter hohen Davoser Seehorns ist nicht zu übersehen. Bis zu diesem Frühjahr standen dort noch eine Menge Bäume. Diese wurden Ende März in einer Nacht von zwei Felsstürzen mitgerissen. Insgesamt hatten sich durch die Niedergänge um die 10'000 Kubikmeter Geröll und Erdmaterial gelöst, was einem Gewicht von rund 25'000 Tonnen entspricht. Menschen waren nicht zu Schaden gekommen, abgesehen von einer verschütteten Waldstrasse gab es keine Infrastrukturschäden.

Dass es in dieser Region in der Vergangenheit schon zu ähnlichen Niedergängen gekommen sein muss, darauf deutet der Flurname «Steinschlagwald» hin. Andreas Huwiler, Geologe beim Bündner Amt für Wald und Naturgefahren, hatte den Felssturz am Seehorn im März gegenüber dieser Zeitung als «sehr seltenes Ereignis» bezeichnet und betreffend der Ursache auf weitere Abklärungen verwiesen. Diese sind laut Huwiler unterdessen abgeschlossen.

Ein langer geologischer Prozess

Man habe das Gebiet detailliert untersucht und sei dabei auch der Frage nachgegangen, wie dieses Ereignis in der Häufigkeit einzuordnen sei, führte Huwiler auf Anfrage aus. «Dazu liegt ein Ergebnis vor, es passiert seltener als alle 300 Jahre, es ist also wirklich ein sehr seltenes Ereignis an diesem Ort.»

Zur Ursache des Felssturzes habe man direkt aus den vorgenommenen Untersuchungen keine neuen Erkenntnisse erheben können, sagte der Geologe. «Was wir aber sicher wissen ist, so ein Felssturz ist ein geologischer Entfestigungsprozess, der über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende stattfindet. Was dann letztlich der Auslöser war, können wir nicht sagen», so Huwiler. Unter Entfestigungsprozess sei im weitesten Sinn Verwitterung zu verstehen, erklärte der Geologe weiter.

Gefahrenpotenzial nicht grösser

Zur Sicherheit in der betreffenden Region hielt Huwiler fest: «Im Grundsatz ist die Gegend gleich sicher wie vor diesem Ereignis, man könnte auch sagen, sie ist gleich gefährlich wie vorher, das Gefahrenpotenzial ist nicht grösser als zuvor.» Gemäss Markus Hubert, Leiter des Davoser Forstbetriebs, waren seit März keine grösseren Niedergänge mehr zu verzeichnen. Die vom Geröll verschüttete Waldstrasse werde man im nächsten Frühling räumen.

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