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Von der Liebesgöttin bis zu den Blumenkindern

Die Beizen in Glarus sind geschmückt, der Fädeli Friitig kann kommen – und mit ihm all die Guggen und Masken, die am kommenden Freitag für Stimmung sorgen werden.

Martin
Meier
Montag, 17. Februar 2020, 04:30 Uhr Beizen-Fasnacht

Keiner weiss, warum der Fädäli Friitig, die Beizenfasnacht von Glarus, so heisst. Achselzucken dominiert den Stammtisch. «Vielleicht, weil es an diesem Tag erlaubt ist, andere am Seil, am Fädeli, hinunterzulassen», meint im «Glarnerstübli» Gast Peter. «Altmodisch» heisst dort das Motto. Über dem Buffet – verbeulte Pfannen und Kannen. Von der Decke erhellen das Lokal 42-jährige Leuchten. Die Vorhänge sind rot-weiss kariert. In Schweizerfarben gewürfelt sind auch die Tischtücher. Die Wand ziert eine urchige Tracht.

Das Wenige, das in der urchigen Beiz nicht altmodisch ist, ist Anna Maria Bucatau, die Wirtin. Eine 27-jährige Frau, welche die fünfte Jahreszeit aus ihrem Heimatland nicht kennt. Bekannt gemacht hat man sie mit der Fasnacht im Glarnerland. «Natürlich werde ich mich auch verkleiden», sagt die Rumänin, die von sich behauptet, jetzt auch mit «Liib und Seel» eine Glarnerin zu sein.

Dem Flower Power die Krone aufgesetzt

Weiter gehts in die «Krone» – zu Astrid Bader. Die steht auf Flower Power. Auf das Lebensgefühl der wilden 60er- und 70er-Jahre, mit all den Hippies, die für eine bessere Welt eintraten. Auf die Zeit mit den «Days of Peace und Music» – «dem legendären Woodstock-Festival, das vor 50 Jahren über die Bühne gegangen ist», beginnt Astrid sogleich zu schwärmen. Vor 400 000 Besuchern.

Gross auf die Wand gemalt ist da unter anderem auch ein Käfer, Marke VW, mit einem der langhaarigen Blumenkinder auf der Haube. Die Gäste wissen, wer die farbenfrohe Dekoration auf Papier gebracht hat: «Der Stumpen-Ruedi, der ehemalige Schreinermeister.» Aber keiner weiss, warum der Fädeli Friitig so heisst. Immerhin weiss man, wer in erfunden hat. «Kaspar (Chäpp) Gallati.» Der sei dann ausgerechnet an einem Fädeli Friitig verstorben.»

In der «Bierhalle» leuchtet die Venus

Beizenwechsel in die «Bierhalle», wobei dieser Name doch ein bisschen übertrieben, wenn nicht gar grössenwahnsinnig ist. Das Restaurant gilt als das Kleinste in Glarus. In der gemütlichen Stube wirtet Janine Wild. Wild sei sie auch, so die Gastgeberin. «Wild auf die Fasnacht.»

Rechts und links der Tür imponieren zwei antike Säulen. Von der Diele strahlt ein Nachthimmel, leuchten Sterne. Darunter sei auch die Venus, meint Janine. «Die von Bümpliz.»

Von der Wand grüsst der altägyptische König Tutanchamun neben der altgriechischen Liebesgöttin Aphrodite, «und wie sie sonst noch so alle heissen», meint Janine.

«Oje», seufzt die Wirtin. «Wie heisst jetzt schon wieder unsere Lieblingsgugge? Die, in welcher der Andy Luchsinger mitspielt.» Die hätten keinen Namen, beantwortet Gast Irene Dreier. ihre Frage «Die sind doch nur zusammengewürfelt.»

Warum der Fädeli Friitig so heisst, glaubt hier immerhin einer zu wissen. «Weil die Durchführung der Beizen-Fasnacht vor Jahren einmal auf der Kippe, also an einem seidenen Faden gehangen hat», meint Gast Hans Schneider.

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