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Beim Beverin-Rudel kehrt Ruhe ein - vorerst zumindest

Zwei weitere Jungwölfe des Beverinrudels sind tot - einer wurde erschossen und einer nach einem Verkehrsunfall erlegt. Damit sind alle vier Wölfe, die im Rahmen einer Bestandsregulierung in Graubünden geschossen werden sollten, nicht mehr am Leben. Die Aktion habe Signalwirkung, meint Wildbiologe Hannes Jenny vom Amt für Jagd und Fischerei.

Südostschweiz
Montag, 25. November 2019, 17:09 Uhr Insgesamt vier tote Jungwölfe
Wie Hannes Jenny sagt, werden die Beverin-Wölfe ständig beobachtet.
ARCHIVBILD

Herr Jenny, Ihr Amt hat heute über den Stand der Bestandesregulierung des Beverinrudels informiert. Wie steht es denn um die Umsetzung?

Wir konnten Anfang Oktober zwei Jungwölfe schiessen. Im Verlauf der letzten Woche schossen wir dann den dritten. Und am Montagmorgen ist ein Jungwolf bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen.

Das heisst, vier Jungwölfe sind jetzt tot. Ist damit die Aktion abgeschlossen?

Ja. Damit ist die Aktion abgeschlossen. Das Kontingent für die Regulierung des Wolfsrudels Beverin sehen wir als erfüllt an. Wir haben das auch so mit dem Bundesamt für Umwelt abgesprochen.

Sie haben es angesprochen: Ein Wolf wurde am Montagmorgen bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt und musste erlöst werden. Wie muss man sich das vorstellen? Drei Jungwölfe wurden geschossen, wie ist man hier vorgegangen?

Wir sind mit einem sehr intensiven Monitoring immer up-to-date gewesen. Wir haben immer geschaut, wo sich die Wölfe aufhalten. So wollten wir eine Situation erzeugen, bei der möglichst viele Rudelmitglieder den Abschuss mitkriegen. Das ist uns auch gelungen, und wir konnten die Jungwölfe in einem sozialen Kontext schiessen. Im Fall von letzter Woche wurde der Wolf in der Nähe eines Siedlungsgebietes geschossen, es war also ein sehr zweckmässiger Abschuss. Das hat Signalwirkung.

Damit die Wölfe nicht mehr so nahe an Siedlungsgebiete gehen?

Ja, und damit sie Respekt vor dem Mensch lernen.

Was passiert jetzt mit diesen getöteten Tieren?

Die Tiere werden nach Bern überführt. Dort werden sie untersucht. Die genetischen Untersuchungen folgen dann an der Universität Lausanne.

Um etwas vorzugreifen: In den Räten wird zurzeit eine Revision des Jagdgesetzes diskutiert. Damit wäre es künftig erlaubt, Wölfe zu schiessen. Würde das dem Kanton Graubünden einiges erleichtern?

Das ist schwer zu beantworten. Auch nach einer Revision wird es viele Regelungen haben. Diese sind zurzeit noch nicht alle bekannt. Die Idee der Jagdgesetz-Revision ist es, dass man einfacher eine Bestandesregulierung durchführen kann. Wie das dann aber konkret aussehen wird und ob es einfacher oder komplizierter sein wird als heute, kann ich nicht sagen. (mma)

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Ich bin traurig und wütend über dieses unnötige und brutale Vorgehen. Mit der Rückeroberung des ursprünglichen Lebensraumes könnte der Wolf einen wichtigen Beitrag für den Erhalt der Biodiversität und der natürlichen Regulierung des Wildtierbestandes leisten.
Doch die Haltung von Ausnutztieren scheint uns wichtiger zu sein.
Wir sperren diese überzüchteten und wehrlosen Kreaturen ein, und legen sie damit dem Wolf buchstäblich auf den Präsentierteller. Und wenn er dann seinen Instinkten folgt, knallen wir ihn ab.
Das ist einfach nur zynisch!
Unser Tierproduktekonsum steht in direkter Konkurrenz mit den Bestrebungen, unsere Umwelt naturnah und vielfältig zu gestalten, und auch diesen faszinierenden Tieren eine Daseinsberechtigung zu schenken.
Somit bestimmen wir auch mit unserem Einkaufsverhalten ein klein wenig mit, ob Wolf, Bär und Luchs bei uns leben dürfen oder nicht.
Kein Mensch braucht Tierprodukte zu leben, das beweisen immer mehr vegan lebende Sportlerinnen und Sportler!