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«Adieu Markus»

Zahlreiche Trauergäste verabschiedeten in der Pfarrkirche Kaltbrunn Markus Schwizer, den plötzlich verstorbenen Gemeindepräsidenten. Die Anteilnahme war riesig, so sehr, dass die Kirche aus allen Nähten platzte und die Abdankungsfeier nach draussen übertragen wurde.

Linth-Zeitung
Montag, 02. September 2019, 09:02 Uhr Abschied von Markus Schwizer
Abschied: weggefährten verabschieden sich in der Pfarrkirche Kaltbrunn.
BILD MANUELA MATT

Von Barbara Schirmer

Das grosse Porträt neben dem Altar in der Kaltbrunner Pfarrkirche zeigte Markus Schwizer so, wie ihn die Meisten gekannt hatten: seriös, freundlich und kollegial, mit dem für ihn typischen Lächeln im Gesicht. Auf der anderen Altarseite brannte die Osterkerze. Nur hin und wieder flackerte ihre Flamme, als würde sie etwas mitteilen wollen.

Zuvorderst befand sich die Urne. Jener traurige Beweis, der belegte, dass sämtliche Medienmitteilungen der vergangenen Woche real waren. Der Lebenskreis des Gemeindepräsidenten Markus Schwizer hat sich geschlossen.

«Markus Schwizer hielt sich gerne in der Natur auf. Vor allem in der Altwies, bei der Bruder Klaus-Kapelle, schöpfte er Kraft», wusste Lukas Hidber, der ehemalige Pfarrer von Kaltbrunn. Er war eigens für die Beerdigung nach Kaltbrunn gereist.

An erfolgreiches Wirken erinnert

Den Blick von dort oben über das Linthgebiet schweifen zu lassen, ermögliche ihm mehr Weitblick, habe der Verstorbene dem Pfarrer einmal verraten. Die Lesung aus dem Markusevangelium, welche vom Sämann handelte, passe zum Leben von Markus Schwizer. Sie erinnere an sein Schaffen. Hidber spannte den Faden weiter und erinnerte, dass es Saaten gebe, welche der Gemeindepräsident und Regionalpolitiker zwar noch säte, die er nun aber nicht mehr selber ernten könne. Er sprach von Pflanzen, die im Wachstum verdorrten, andere, die nie Wurzeln bekamen. Vor allem aber erinnerte er an Markus Schwizers erfolgreiches Wirken.

Markus Schwizers Wirken war rund um Kaltbrunn spürbar. Entsprechend gross und gemischt zeigte sich die Trauergemeinde. Politiker von kantonaler und regionaler Ebene, Unternehmer – sie sassen zwischen Vereinskameraden und Freunden des Verstorbenen. Denn sie alle waren Weggefährten. Dass die Kirche aus allen Nähten platzen würde, war voraussehbar, eine Übertragung des Gottesdienstes auf den Friedhof organisiert.

Doch nicht nur die Öffentlichkeit verliert einen engagierten und beliebten Mitmenschen. Markus Schwizer hinterlässt seine Familie. Seine Kinder verfassten einen Abschiedsbrief. Dazu zeigten sie Bilder, die ihr Vater in seiner Freizeit mit seiner Kamera gemacht hatte. Und während sich auf der Leinwand herrliche Bergkulissen, Seen und ein Stück weite Welt abwechselten, spiegelten die Stimmen im Hintergrund einen Vater wieder, der seiner Familie, trotz all der Verpflichtungen, viel Zeit und Liebe schenkte.

Diese persönlichen Worte waren für einige Anwesende besonders ergreifend. Bis in die hinteren Reihen deuteten Handbewegungen an, dass Tränen aus den Augen gewischt wurden, und da und dort legten sich tröstend Arme um die Schultern des Banknachbars.

Begeistert und mitgerissen

Immer wieder versagten Stimmen, die eigentlich sprechen wollten. Selbst bei routinierten Rednern. Diese Momente zeigten, welche Lücke Markus Schwizer hinterlässt. Es oblag Gemeinderat Ruedi Gmür, zusammenzufassen, was Markus Schwizer für die Kaltbrunner bedeutete: «Mit seiner Leidenschaft konnte er uns begeistern, mitreissen und überzeugen. Wirksamkeit und Nachhaltigkeit waren seine grossen Anliegen», sagte Gmür.

Der Verstorbene sei die Nachhaltigkeit in Person gewesen. «Seine Arbeit, sein Fleiss, sein Pflichtbewusstsein und sein Elan ist sicht- und spürbar. Sie werden in Kaltbrunn und der Region über Generationen Bestand haben.» Fast schien es, als ob Markus Schwizer vom grossen Porträtbild aus, den Menschen zuzwinkere. Die grosse Osterkerze flackerte. Erst als Ruedi Gmür seine Worte mit «Adieu Markus» beendete – dann brannte die Flamme der Osterkerze wieder still vor sich hin.

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