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Wolf reisst Ziegen - Bauern werden erstmals per SMS gewarnt

In Safien Neukirch hat ein Wolf vier Ziegen gerissen. Zum ersten Mal wurden die Landwirte in der Region daraufhin über die Attacke informiert und gewarnt – per SMS.

Corinne
Raguth Tscharner
Dienstag, 16. Juli 2019, 14:37 Uhr Vom Test in die Praxis

Vier eingezäunte Hausziegen wurden dieses Wochenende in der Surselva Opfer eines Wolfangriffs. Eine Ziege wird laut Leserreporter noch vermisst, zwei Kitze wurden lebend gefunden. Dass der Leserreporter überhaupt von diesem Riss weiss, hat er einer SMS-Nachricht vom kantonalen Amt für Jagd und Fischerei und dem Plantahof zu verdanken. Zum ersten Mal überhaupt hat das Amt am Sonntag mit einem neuen SMS-Warnsystem unter anderem Landwirte und Imker über den Angriff eines Grossraubtiers informiert.

«Das Projekt wurde jetzt scharf gestellt. Es war der erste Fall, bei dem wir es nun testen konnten», sagt Marc Hosig, Leiter Zentrale Dienste beim Amt für Jagd und Fischerei Graubünden (AJF).

Zuvor seien im vergangenen Jahr erste Tests im Unterengadin gemacht worden, bei denen Berater des Plantahofs die Landwirte per WhatsApp informierten. Die Erfahrungen daraus habe man in das neue Informationssystem Grossraubtiere einfliessen lassen, so Hosig weiter.

Die SMS-Nachricht des AJF:
«Samstag in Safien-Neukirch 4 eingezäunte Hausziegen von Wolf gerissen.
1 Ziege noch vermisst, 2 Kitze lebend gefunden.
AJF

«Grundsätzlich geht eine Meldung raus, wenn ein Nutztier von einem Grossraubtier wie Luchs, Bär, Wolf oder Goldschakal gerissen wird», erklärt Hosig. Sobald ein Nutztier angegriffen wurde, wird der regionale Wildhüter aktiv. Am Ort des Geschehens trifft er Abklärungen und gibt diese Informationen anschliessend weiter. Unter anderem an den Plantahof, der schliesslich seine Berater und die betroffenen Landwirte, Imker und Alpmeister per SMS informiert. Sie alle sind auf einer Liste festgehalten, die laufend ergänzt wird.

Sind beispielsweise die Landwirte erst mal über eine Attacke und potenzielle Gefahr informiert, können sie laut Hosig zusätzliche Vorkehrungen treffen. «Sie können zum Beispiel den Zaun erweitern.»

Noch nicht perfekt

Ungewöhnlich ist, dass in den Kurznachrichten des AJF und des Plantahofs bereits ein möglicher Verantwortlicher für die Risse genannt wird. «Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nur mit einem Augenschein natürlich nie», sagt Hosig, «Die Wildhüter sind aber Experten, die meistens aus Erfahrung schon vor Ort sagen können, welches Tier für die Risse verantwortlich ist.»

Beim ersten Ernstfall vom Sonntag habe alles relativ gut funktioniert. «Wir sind zufrieden», sagt Hosig und ergänzt, dass einige Kleinigkeiten aber doch noch verbessert werden könnten. «Es geht über mehrere Stellen, die alle rasch reagieren müssen. Sie sind noch nicht perfekt eingespielt und die Reaktionszeit könnte noch besser werden.» Ausserdem würden noch Feinabstimmungen gemacht werden, die unter anderem die Fragen beantworten: Welche Ortsangaben braucht es tatsächlich? Wer genau muss informiert werden?

Einige Anpassungen wurden wohl bereits vorgenommen. Das zeigt eine erneute Nachricht an die Landwirte in Safien, nur einige Stunden nach der ersten:

Sonntag, 14.07.19 in Saifen-Neukirch
Schafriss aus ungeschützter Herde
wahrscheinlich durch Luchs. Nicht durch Wolf.
AJF/Plantahof

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