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«Ein zweites Mal würde ich so einen Übergriff nicht verkraften»

Letze Woche wurde im Sömmerungsgebiet von Präz eine 15-köpfige Geissenherde angegriffen. Für den Tierhalter Marco Pfanner war es ein äusserst schwieriger Moment, wie er gegenüber Radio Südostschweiz sagt.

Südostschweiz
Dienstag, 18. Juni 2019, 17:20 Uhr Besitzer der gerissenen Geissen
Der Hirt erzählt über den Angriff auf seine Herde.
BÜNDNER BAUERNVERBAND

Der Anblick seiner zehn leblosen Geissen war für den Besitzer der Tiere äussert emotional. Letzte Woche hatte Marco Pfanner auf der Präzeralp 12 seiner 15 Geissen durch wahrscheinlich einen Wolf verloren. Zehn Tiere fand er reglos auf der Weide. Ein Tier musste noch vor Ort von seinen Schmerzen befreit werden. Zwei Geissen wurden vermisst und zwei weitere überlebten den Angriff.

Gegenüber Radio Südostschweiz schildert Pfanner, wie es seiner Vermutung nach zu dem Angriff auf der Präzeralp kam.

Herr Pfanner, können Sie nachvollziehen, was in dieser Nacht passiert ist?

«Wir sind uns ziemlich sicher, dass es ein Wolf war. Die Bissspuren deuten darauf hin. Wir warten noch auf eine DNA-Analyse. Wie es aussieht, ist der Wolf durch den Zaun eingedrungen. Der Zaun war an mehreren Stellen am Boden. Wir glauben, dass die Tiere massiv gekämpft haben und es sehr hektisch zu und her ging.»

«Ich vermute, dass die Tiere neugierig waren, schliesslich wussten sie nicht, was ein Wolf ist. Sie wagten sich wohl sehr nahe an den Zaun.»

«Wir haben immer gewusst, dass so etwas passieren konnte, aber wir waren nicht darauf eingestellt, dass es gerade jetzt geschieht. Wir haben uns mit dem Herdenschutz intensiv befasst. Die Zäune waren auch konform und wir können uns das nicht erklären.

Gegenüber Simon Lechmann schildert Marco Pfanner seine Situation:

Wie gross ist der Verlust?

«Wenn man den Anblick der Geissen gesehen hat, dann ist das ein sehr emotionaler Moment. Es ist nicht einfach. Auf der einen Seite bin ich Landwirt und muss ein Einkommen erzielen und für mich die schwierigere Seite sind die Tiere, welche wir jetzt zwei Jahre auf dem Betrieb hatten.»

«Dieser Jahrgang war vor ein paar Jahren schon einmal krank. Dadurch haben wir uns stark mit den Tieren befasst und man hat auch eine Bindung zu ihnen. Ich kannte die Tiere fast alle einzeln. Die Tiere hätten nächsten Herbst Milch gegeben und das summiert sich wahrscheinlich fast auf ein Monatseinkommen.»

Ist Ihnen so etwas schon einmal passiert in den letzten 20 Jahren?

«Nein, so etwas haben wir noch nie erlebt. Wir hatten bereits Übergriffe von Hunden, aber dann ist ein Tier betroffen gewesen. Das wird mich fürs Leben prägen. Ein zweites oder drittes Mal würde ich so einen Übergriff nicht verkraften, dass meinen Tieren so etwas passiert.» 

Beim Anblick der leblosen Tiere kam Pfanner ins Zweifeln. Er war emotional aufgewühlt und fragte sich dann, ob er alles richtiggemacht hat, obwohl er den Herdenschutz eingehalten hat. Aber man könne die Geissen auch nicht hinter eine drei Meter hohe Mauer stellen. (nua)

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