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Flüsse in ganz Graubünden stossen an und über die Ufer

Die kräftigen Niederschläge der letzten Tage lassen die Wasserpegel der Region stark steigen. Das führt auch im Verkehr zu einigen Einschränkungen. Gesperrt ist zurzeit unter anderem die San-Berndardino-Strecke. Wir halten Euch auf dem Laufenden.

Südostschweiz
Mittwoch, 12. Juni 2019, 16:19 Uhr Der Regen setzt den Strassen zu

Die Autobahn A13 zwischen Thusis und dem San-Bernhardino-Tunnel sowie zwischen Roveredo und dem San-Bernardino-Tunnel ist zurzeit gesperrt. Grund dafür sind laut «strassen.gr.ch» Rückhaltemassnahmen. Auch geschlossen ist die Splügenstrasse zwischen Splügen und der Landesgrenze. Durch den starken Regen ist auf der Splügenstrasse eine Rüfe niedergegangen.

Wie aktuelle Bilder von der Kantonspolizei Graubünden zeigen, wurde bei Splügen ein Kleinbus vom Hüscherabach erfasst. Mehrere Personen, die im Bus waren, mussten von Einsatzkräften mit einem Kran gerettet werden. In Cama wurden zwei Familien und in Medels Bewohner eines Hauses sowie deren Tiere aus dem Stall vorsorglich evakuiert.

Von Dienstagabend 22 Uhr bis Mittwochmorgen 9 Uhr gingen bei der Einsatzleitzentrale der Kantonspolizei Graubünden über 15 Meldungen zu Ereignissen mit Starkniederschlägen ein. In diversen Teilen des Kantons standen Feuerwehren, das Tiefbauamt Graubünden und weitere Organisationen im Einsatz, um den Folgen der Starkniederschläge vorzubeugen oder diese aufzuräumen. Besonders betroffen waren die Regionen Mesolcina und Rheinwald.

Die Autostrasse A13 sowie die Italienische Strasse H13 wurden bei Medels und bei Cabbiolo von Murgängen erfasst oder von den Wassermassen bedroht. Sowohl die A13 als auch die Italienische Strasse H13 und der Splügenpass mussten gesperrt werden. Die Einsatzkräfte haben mit Hochdruck die Aufräum- und Sicherungsarbeiten am Mittwochmorgen aufgenommen.

Auch Autofahrer mit dem Ziel Bergell müssen sich gedulden. Wegen eines Erdrutsches ist die Hauptstrasse zwischen Stampa und Promontogno gesperrt.

So sieht es auf der San-Bernardino-Strecke aktuell aus. LESERREPORTER
SCREENSHOT STRASSEN.GR

Rückstauungen und Wasser in Kellern

An verschiedenen Orten im Kanton staue aufgrund des Hochwassers das Wasser zurück und es gebe bereits erste Meldungen von Wasser, das in Keller einfliesse, sagt Christian Wilhelm vom Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden. «Gestern haben wir aus dem Engadin gehört, dass in einzelnen Gemeinden die Feuerwehr im Einsatz ist aber auch die Gemeinden und Bauämter versuchen, mit Backer die Durchlässe frei zu halten und die Bäche dort, wo sie abfliessen, einzudämmen.» Bisher seien die Meldungen hauptsächlich aus dem Hinterrhein Gebiet eingegangen, aber auch in Splügen, im Misox und im Engadin gebe es Probleme.

Zurzeit zieht der Niederschlagsstreifen von Süden über das Domleschg und Thusis via Chur nach Norden. Gemäss den aktuellen Prognosen sollte der Niederschlag etwa bis zum Mittag durch sein. Bis dahin könne es aber noch zu weiteren Problemen kommen, sagt Wilhelm. Die Niederschläge hätten klar stärker eingehängt als man erwartet hatte.

Flüelabach wird umgeleitet

Im Raum Davos hat es in den vergangenen Tagen in 48 Stunden nur 17 Millimeter geregnet, dennoch sei der Landwasserpegel sehr hoch. Die Schneeschmelze trage wohl einen grossen Teil dazu bei, wie Meteorologe Gaudenz Flury auf Twitter schreibt. Normalerweise werde zur «Hauptschneeschmelzzeit» der Flüelabach in den See geleitet. Nun sei dieser aber voll, was heisst, dass das ganze Wasser aus dem Flüelatal nun in die Landwasser fliesst.

Entscheid war richtig

Der Pegelstand des Flusses war schliesslich so hoch, dass die Brücke beim Parkplatz der Jakobshorn-Bahn am Dienstagabend abgebaut wurde, wie Markus Hubert von den Forstbetrieben Davos gegenüber Radio Südostschweiz bestätigt: «Heute morgen hat sich dann gezeigt, dass dieser Entschluss richtig war. Denn an andere, höher gelegene Brücken, schlug das Wasser auch schon wieder an. Es darf nicht noch mehr Wasser kommen, sonst haben wir hier dann ein Problem». Im Flüeletal sei zudem ein grosser Geschiebesammler voll. Im Sertigtal führe der Bach sehr viel Geschiebe mit, das sich dann bei flacherem Bachlauf aufhäufe, führt Hubert weiter aus. Die Temperaturen würden aufs Wochenende wieder steigen, was die Lage in Davos sicherlich nicht gross entschärfe, denn dann kommt wiederum mehr Schmelzwasser in die sowieso schon hohen Pegelstände.

Die Landwasser erreicht in Davos Brückenniveau. LESERREPORTER
Sertigtal bei Davos. LESERREPORTER
Sertigtal bei Davos. LESERREPORTER

In der Nacht auf Mittwoch sind noch so einige Regentropfen dazugekommen. Kurz nach Mitternacht gab Meteocentrale eine Unwetterwarnung der Stufe Rot für das Gebiet heraus und warnte vor heftigen Gewittern. Auch andere Gemeinden wie Bivio, Filisur oder Bergün dürften das Gewitter gespürt haben.

Leservideos zeigen zudem wie stark der Pegel des Rheins angestiegen ist und die reissenden Wassermassen nah am Ufer stehen.

Der Rhein bei Haldenstein. LESERREPORTER
Sertigtal bei Davos. LESERREPORTER
Sertigtal bei Davos. LESERREPORTER
Sertigtal bei Davos. LESERREPORTER

Und auch der Inn im Engadin stösst mit seinen aktuellen Wassermassen an und über seine Grenzen. Unten ein Video aus La Punt.

Auch im Unterengadin bei Scuol sind die Wassermassen im Inn ganz beträchtlich. So mussten etwa im EKW-Becken in Pradella alle Schleusen geöffnet werden.

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