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Giacomettis grosser Auftritt in Genf

Am Mittwoch tritt Anna Giacometti an der UNO in Genf auf. An der sechsten Konferenz zur Minderung von Katastrophenrisiken spricht Giacometti über den Bergsturz im Bergell. Die Anreise bot Zeit für die letzten Vorbereitungen.

Simone
Zwinggi
Mittwoch, 15. Mai 2019, 04:30 Uhr UNO-Konferenz
Anna Giacometti fühlt sich geehrt, dass sie in Genf auftreten darf.
ARCHIV

Anna Giacometti ist schon lange wach an diesem Dienstag. «Ich bin um 5 Uhr aufgestanden und komme um 13 Uhr in Genf an», erklärt die Bergeller Gemeindepräsidentin kurz vor Mittag. Sie reist im Zug und hat Zeit für ein Telefongespräch. Am Mittwochnachmittag um 14.30 Uhr wird sie auf einer Bühne im UNO-Gebäude in Genf auftreten.

Auf ins Abenteuer

Über die Einladung nach Genf freute sich Giacometti «riesig». «Es war eine grosse Überraschung für mich, dass ich zu diesem Meeting eingeladen wurde.» Ihren Auftritt und die Teilnahme an der Konferenz bezeichnet sie als Abenteuer. «Ich lasse mich überraschen, was alles auf mich zukommt», sagt Giacometti, und ihre Stimme klingt aufgeregt.

Seit 2010 ist Giacometti Präsidentin der Gemeinde Bregaglia. In dieser Funktion hat Giacometti schon grosse Krisen durchlebt. Nach dem Bergsturz von 2011 – «bei dem wir noch völlig unvorbereitet waren» – seien ein Auffangbecken und eine Frühwarnanlage gebaut worden, um die Bevölkerung zu schützen. 2017 ging ein weiterer Bergsturz nieder, der riesige Mengen Geröll ins Tal stürzen liess. Und als wärs nicht genug, brachten ein paar Tage später zwei Murgänge viel Geröll und Schlamm ins Tal. Noch heute ist der Zustieg zur SAC-Hütte Sciora geschlossen, ebenso bleiben alle Wanderwege in der Val Bondasca vorläufig gesperrt.

Seriöse Vorbereitung

Giacometti wird am Mittwochnachmittag zusammen mit vier weiteren Personen auftreten. «Jemand von der UNO wird das Gespräch moderieren, die anderen Personen kommen aus Mauretanien, der Karibik und Japan.» Sie alle werden von grossen Naturereignissen und den nachfolgenden Interventionen in ihrem Land erzählen. Und darüber, wie man Naturkatastrophen verhindern könnte. Anschliessend werden sie Fragen aus dem Plenum beantworten. «Und um entsprechende Antworten geben zu können, muss man natürlich gut vorbereitet sein», sagt Giacometti.

Die Konferenz bietet gemäss Giacometti einen Vergleich mit anderen Ländern in Sachen Katastrophenschutz. «Die Schweiz als Gastgeber hat eine grosse Delegation. Ich bin eine von vielen, die hier auftritt», so Giacometti bescheiden. Ihre Delegationskollegen werden in anderen Sälen auftreten und von ihren Erkenntnissen erzählen.

Profi mit viel Herz

Giacometti ist der Öffentlichkeit nach dem Bergsturz im Bergell als sehr beherzte und engagierte Gemeindepräsidentin in Erinnerung geblieben. Doch ist sie auch ganz Profi. Zwei Jahre nach der grossen Naturkatastrophe in ihrer Heimat hat sie eine gewisse Distanz zu diesem einschneidenden Ereignis entwickelt. Diese ermöglicht es ihr, in Genf einen guten Auftritt zu absolvieren. «An der Konferenz in Genf geht es um die Sache. Persönliche Eindrücke und Gefühle haben hier keinen Platz», sagt sie.

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