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Bündner Kantonspolizeiverband findet deutliche Worte

Was, wenn sich ein Flimser Gemeindepolizist mit dem Lieblingsgeneral von Adolf Hitler identifiziern würde? Der Bündner Kantonspolizeiverband wird der Sache nachgehen. Er hat eine klare Haltung.

Südostschweiz
Donnerstag, 18. April 2019, 04:30 Uhr Fall Erwin Rommel
Remo Cavegn, Präsident des Bündner Kantonspolizeiverbands, toleriert keine Form von Rassismus.
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«Die Verherrlichung eines Nazi-Generals hat keinen Platz bei uns.» Remo Cavegn, der Präsident des Bündner Kantonspolizeiverbands, findet deutliche Worte. Es ist eine Reaktion auf die mutmasslichen Aktivitäten des Chefs der Flimser Gemeindepolizei und Mitglieds des Zentralvorstandes des Schweizerischen Polizeibeamtenverbandes Erwin Rommel. Dieser soll in seiner Funktion alles andere als Zurückhaltung geübt haben, sondern ganz öffentlich auf Facebook mit seinem berühmt-berüchtigten Namensvetter, dem ehemaligen deutschen Generalfeldmarschall Erwin Rommel, kokettiert haben. Als Wohnort gab er «Blaustein» an. Im baden-württembergischen Blaustein steht ein Rommel-Museum. Heidenheim an der Brenz sei sein Heimatort, hiess es auf dem Facebook-Profil weiter. Der deutsche Namensvetter wurde exakt dort geboren. Das fragliche Facebook-Profil ist mittlerweile nicht mehr zu finden und der Gemeindepolizist bestreitet, dass es sich dabei um sein Profil gehandelt habe.

Ist eine Verlängerung des Mandats noch möglich?

«Wenn ein Auftritt wie jener auf Facebook im Fall Rommel auf uns zurückfällt, ist dies nicht zu tolerieren.», so Cavegn. Der Kantonspolizeiverband werde mit dem Angeschuldigten das Gespräch suchen und die Motivation ausfindig machen, wie es zu diesem Auftreten kam. 

Der Bündner Rommel ist Mitglied des Zentralvorstandes des Schweizerischen Polizeibeamtenverbandes. «Wir können Rommel also nicht direkt zurückziehen, sondern müssen allfällige Schritte in Koordination mit dem schweizerischen Verband anschauen», sagt Cavegn. Man werde auf den nationalen Verband, der sich in Schweigen hüllt, zugehen. Die Amtszeit von Rommel ende im nächsten Jahr. In diesem Zusammenhang werde ohnehin die Frage sein, welche Rolle Rommel im Verband einnehmen könne respektive ob eine Verlängerung des Mandats noch möglich sei.

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Die vorauseilende Hysterie diverser Journalisten und Verbandsvertreter erinnert an "das Leben des Bryan" von Monty Python. Entscheidend dürfte dabei eigentlich nur sein, ob dem hier (wie im Mittelalter) vorverurteilten Namensvetter wirklich (!) eine staatsfeindliche oder nationalsozialistische Gesinnung nachgewiesen werden kann. Ich vermute das Gegenteil. Wenn wir in der Schweiz beginnen, öffentlich-mediale Standgerichte und Exikutionenen wie in Deutschland durchzuführen, schaffen wir noch vor dem EU-Beitritt unseren Rechtstaat und unsere Meinungsfreiheit ab. Nebenbei verhelfen wir der deutsch-österreichischen Politmumie Adolf Hitler dazu, 75 Jahre postmortem in der Schweiz personalpolitischen Einfluss zu nehmen. Rommel? Blaustein? Versuchen Sie es mal mit Humor, meine sehr verehrten Damen und Herren!

Bravo Bündner Kantonspolizeiverband! Immer davon ausgegangen, dass alles wie geschrieben korrekt dargestellt wurde, lässt sich diese Haltung eines Mitgliedes des Zentralvorstandes (ZV) des Schweizerischen Polizeibeamtenverbandes (VSPB) schlichtweg mit dieser Funktion nicht vereinbaren. Ein Polizist mit einer solchen Haltung ist meiner Meinung nach schon als Polizist fragwürdig, geschweige denn als Mitglied des ZV VSPB. Als ehemaliges ZV Mitglied des VSPB irritiert mich insbesondere, dass der VSPB (Dachverband) dazu nicht klar Stellung bezieht. Ich kann nur den Kopf schütteln.

Rommel war Generalfeldmarschall einer Armee, die ganz Europa aus dem Gleichgewicht brachte und den ganzen Kontinent verwüstete. Wie vorberichtet, verehrte ihn sogar sein Gegner Monti. Rommel war nicht in Greueltaten verwickelt, zumindest ist das nirgends nachgewiesen. Folgendes aus Quelle Wikipedia:

"Die Frage nach der Einstellung Rommels zur nationalsozialistischen Ideologie ist schwer zu beantworten und droht von der Darstellung seiner militärischen Karriere und des mit ihm verbundenen Mythos verdeckt zu werden. Zwar war Rommel nie Mitglied der NSDAP, er akzeptierte aber widerspruchslos die Etablierung des nationalsozialistischen Systems und machte in der Wehrmacht Karriere."

Rommel war an der Operation Walkyre beteiligt, welche unter der leider gescheiterten Ausführung von Carl Schenk Graf von Stauffenberg Hitler mittels Anschlag in der Wolfsschanze in Rastenburg hätte ausschalten sollen. Rommel wurde aus diesem Grund auch gezwungen, Suizid zu begehen und nur durch seine Erfolge im Feld wurde seine Familie nicht verfolgt.

Es ist sicher falsch, wenn ein Polizist sich auf diese Art brüstet, aber Rommel war kein Nazi.

Soweit mir bekannt war, ist General-Feldmarschall Rommel ein Wehrmachtsgeneral und nicht ein SS-General gewesen. Selbst sein grösster Gegenspieler Generalfeldmarschall Montegommery hatte grossen Respekt vor Erwin Rommel. Aber heute wird ja jeder verteufelt, wenn man ihn irgendwie und möglicherweise mit jemand anderem in Verbindung gebracht werden kann ...

«Wenn ein Auftritt wie jener auf Facebook im Fall Rommel auf uns zurückfällt, ist dies nicht zu tolerieren.», so Cavegn. Erst, wenn der Auftritt Nachteile für den Verband zeitigt? Oder eine solch offensichtliche Nähe zu einem Verbrecher eventuell auch grundsätzlich ein Problem, Herr Cavegn?

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