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Diese Bilder sorgen für rote Köpfe in Tamins

Tiefe Reifenspuren, viel herumliegendes Holz: Nach einem Holzschlag nahe des Benis Boden in Tamins gleiche der Wald einem Bild der Zerstörung, findet die Dorfbevölkerung. Es sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar, ob tatsächlich Schäden entstanden seien, hält der Gemeindepräsident fest. Der Waldabschnitt ist Teil des Sonderwaldreservats.

Simone
Zwinggi
Mittwoch, 13. März 2019, 04:30 Uhr Holzschlag im Sonderwaldreservat

In der Nähe des Grillplatzes beim Benis Boden oberhalb von Tamins treffe man derzeit auf tiefe, mit Wasser gefüllte Reifenspuren, berichtet ein Leserreporter. «Wie eine Panzerteststrecke», sehe das Gelände aus, nicht mehr wie intakter Wald. Die Ursache: ein kürzlich durchgeführter Holzschlag in einem Waldteil, der dem Sonderwaldreservat angehört. Dazu gehöre eine kleine idyllische Lichtung, deren Trockenwiese zweimal jährlich vom örtlichen Jägerverein gemäht werde, so der Reporter. «Die Jäger werden dafür mit Kantonsbeiträgen unterstützt.»

Vorgaben eingehalten?

In einem Sonderwaldreservat gilt es, die Holzschläge möglichst schonend durchzuführen, wie der Leserreporter erzählt. «Dazu gibt es genaue Reglemente und Vorgaben.» Werden diese Vorgaben nicht eingehalten, sei es Aufgabe des lokalen Försters oder des mit dem Holzschlag beauftragten Unternehmens, die Arbeiten zu stoppen. In Tamins herrscht Unmut über den Zeitpunkt der Waldbewirtschaftung: Man frage sich, warum der Holzschlag unbedingt bei nassem Boden durchgeführt werden musste, so der Reporter. Und dies in einer Zeit, in der die Bündner Holzlager voll seien und der Holzpreis am Boden.

Dass man jetzt ein Bild der Zerstörung antreffe, schockiere und ärgere die Dorfbevölkerung. Vor allem, da es nicht das erste Mal sei, dass der Wald nach einem Holzschlag nicht gut aussehe. Dass der jüngste Holzschlag vom Amt für Wald und Naturgefahren begleitet und mit Biodiversitätsbeiträgen unterstützt worden sei, verstärke diesen Eindruck noch. Ihren Unmut kundgetan hat die Taminser Bürgergemeinde mit einem Brief an den Gemeindevorstand und einer Meldung an die Naturschutzorganisation Pro Natura. Eine Reaktion des Gemeindevorstandes sei noch ausstehend und werde nach der nächsten Gemeindevorstandssitzung erwartet. Diese findet in der kommenden Woche statt.

Kranke Bäume mussten weg

«Die vom kleinen Holzbock befallenen Bäume mussten weg», benennt der Taminser Gemeindepräsident Martin Wieland die Gründe für den Holzschlag. Die Arbeiten seien im Auftrag der Gemeinde durchgeführt worden. «Mehrere Bäume waren im oberen Teil verdorrt und mussten aus gesundheitlichen Gründen gefällt werden», so Wieland. Weiter habe man den Wald auch zwecks Verjüngung bewirtschaften müssen.

Als man mit dem Holzschlag begann, waren die Witterungsbedingungen gut, wie Wieland erklärt. «Als ich am 20. Februar mit dem Förster vor Ort war, war der Boden gefroren, die Maschinen sanken nicht ein.» Wegen des darauffolgenden Wärmeeinbruchs sei es dann zu den beschriebenen Spuren in Wald gekommen. «Als es warm wurde, hätte man die Arbeiten unterbrechen und die tiefen Spuren im Wald verhindern können», sagt Wieland weiter. «Das wäre wohl die richtige Entscheidung gewesen.» So sei an einem Tag der Boden am Morgen gefroren gewesen, dann aber schnell aufgetaut. Weil aber eine Maschine beschädigte war, hätten die Arbeiten nicht im geplanten Zeitfenster durchgeführt werden können. «Dass es so warm wurde, konnte man aber nicht voraussehen», ergänzt Wieland.

Beurteilung erst im Frühling

Derzeit herrscht Ruhe im Taminser Wald. Aufgrund des nassen Bodens habe man die Aufräumarbeiten unterbrochen, sagt Wieland. Und: Ob tatsächlich Schäden am Wald entstanden sind, sei im Moment nicht einschätzbar. «Die Bestandsaufnahme wird vom Gemeindeförster zusammen mit dem Amt für Wald und Naturgefahren im Frühling gemacht, wenn das Pflanzenwachstum wieder einsetzt.» Üblicherweise reagiere die Natur sehr positiv und schnell auf die Waldbewirtschaftung.

Wieland ist sogar überzeugt davon, dass der Holzschlag für mehr Licht im bodennahen Teil des Waldes sorgt und somit auch die Artenvielfalt fördert. Dass die Holzschlag-Arbeiten nicht bei optimalen Bedingungen durchgeführt wurden, sei aber sicherlich zu bemängeln. «Wir werden das an der nächsten Sitzung des Gemeindevorstandes besprechen und unsere Schlüsse daraus ziehen», verspricht der Gemeindepräsident.

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