Erfahrung ist das A und O bei Lawinensprengungen
Viel Neuschnee ist schön, aber auch gefährlich: Immer wieder müssen aus Sicherheitsgründen Lawinen gesprengt werden. Kleinere Schäden am Wald werden dabei in Kauf genommen. Könnten Liegenschaften betroffen sein, wird nicht gesprengt. Das Tiefbauamt klärt auf.
Viel Neuschnee ist schön, aber auch gefährlich: Immer wieder müssen aus Sicherheitsgründen Lawinen gesprengt werden. Kleinere Schäden am Wald werden dabei in Kauf genommen. Könnten Liegenschaften betroffen sein, wird nicht gesprengt. Das Tiefbauamt klärt auf.
Das Video der Lawine, die Anfang letzter Woche im Unterengadin gesprengt wurde, ist eindrücklich:
Das Video wirft aber auch Fragen auf: «Wie sieht es unter dieser riesigen Schneewolke aus? Sind gar Tiere oder Bäume zu Schaden gekommen?» Mit kleineren Schäden am Wald müsse bei einer Lawinensprengung durchaus einmal gerechnet werden, erklärt das Tiefbauamt Graubünden. Erhebliche Sachschäden oder gar Personenschäden würden aber sehr selten bis nie vorkommen.
Und die Wildtiere? Im Falle der Lawinensprengung im Unterengadin sichtete der Sprengexperte – selbst Jäger – das Gebiet vom Helikopter aus. Aufgeschreckt vom Lärm, flieht das Wild gemäss dem Tiefbauamt üblicherweise in sichere Regionen. Zudem folge es von Natur aus seinem Instinkt und halte sich nicht in lawinengefährdeten Gebieten auf.
Es gebe durchaus Situationen, in denen eine Sprengung zwar nötig wäre, aber nicht gesprengt werden darf. Das ist dann der Fall, wenn eine Liegenschaft betroffen sein könnte.
Viel Erfahrung ist Gold wert
Bevor gesprengt wird, muss das Schweizerische Institut für Schnee- und Lawinenforschung ein Gutachten zur Lawinensicherung erstellen, wie das Tiefbauamt ausführt. So will man verhindern, dass die Lawine später im Wald nicht zu gross wird. Vorauszusagen, wie gross die gelöste Schneemenge letztendlich ist und wie weit sie tatsächlich ins Tal hinunterrutscht sei «keine exakte Wissenschaft», so die Experten vom Tiefbauamt. «Die Erfahrungen der Abschussdienste sowie solide Vorabklärungen sind bei Sprengungen das Wichtigste.» Ein gefährdeter Bereich werde aber immer abgesperrt. Selbst wenn man nicht damit rechne, dass die Lawine soweit hinunterkomme.
Bis zu 15 Sprengungen pro Lawinenzug
Derzeit werden gemäss Tiefbauamt im Bezirk Davos rund 15 Lawinenzüge gesprengt. Im Bezirk Scuol sind es rund 20 Lawinenzüge, die je nach Lawinen- und Gefahrensituation aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Zusätzlich gibt es auch Sprengungen von anderer Seite wie von Gemeinden, Bergbahnen oder der IG Pro Lucmagn.
In einem strengen Winter seien auch mal bis zu zwölf Sprengungen pro Lawinenzug möglich, heisst es weiter. Im Bezirk Scuol können im Lawinenzug Gonda an der Engadinerstrasse mittels Sprengmastanlage bis zu 15 Sprengeinsätze pro Winter durchgeführt werden.
Lawine in Davos war Sache der Bergbahnen und der Kantonspolizei
Auch in Davos sorgte eine Lawinensprengung vergangene Woche für Aufsehen. Sie rollte soweit ins Tal hinunter, dass sie die Soldaten neben der Salezergalerie beim Davosersee überraschte. «Diese Sprengungen betrafen das WEF», sagt das Tiefbauamt dazu. «Sie erfolgten durch die Bergbahnen im Auftrag der Kantonspolizei zur Sicherung des Helilandeplatzes.» Das Tiefbauamt habe damit nichts zu tun.
Simone Zwinggi ist Redaktorin bei Zeitung und Online. Nach einem Sportstudium wendete sie sich dem Journalismus zu. Sie ist hauptberuflich Mutter, arbeitet in einem Teilzeitpensum bei der «Südostschweiz» und hält Anekdoten aus ihrem Familienleben in regelmässigen Abständen im Blog Breistift fest. Mehr Infos
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