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Die stillen Schaffer mit Bärenkräften

Mit lautem Knattern und Rattern machen Schneefräsen und -pflüge derzeit ihre Arbeit. Es gibt aber auch die stillen Schaffer im Hintergrund, die das Leben im Winter sicherer machen: die Lawinenverbauungen. Trotz des starken Schneefalls der letzten Tage hätten diese noch Kapazität, sagt ein Experte vom SLF. Schliesslich stecken Bärenkräfte in ihnen.

Simone
Zwinggi
Mittwoch, 09. Januar 2019, 04:30 Uhr Lawinenverbauungen noch nicht ausgelastet

Auch in Innsbruck, rund 210 Autokilometer von Chur entfernt, hat es in den letzten Tagen viel geschneit. So viel, dass nur noch die Spitzen der Lawinenverbauungen aus dem Schnee ragen, wie das Bild von Daniel Schrott zeigt.

Die Innsbrucker sorgen sich derzeit also um ihre Sicherheit. Vor allem, weil es in den nächsten Tagen im Tirol noch bis zu vier Meter Neuschnee geben soll. Was, wenn die Lawinenverbauungen zugeschneit werden?

Erst zu einem Drittel gefüllt

In Graubünden sieht die Situation entspannter aus, wie Stefan Margreth vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos sagt. «Die Lawinenverbauungen sind derzeit meist nur etwa zu einem Drittel gefüllt.» Ob das so bleibe, hänge natürlich vom weiteren Verlauf des Winters ab. Würden noch sehr grosse Neuschneemengen fallen, müsse die Situation wieder neu beurteilt werden, so der Experte für Lawinenschutz.

Auch vor einem Jahr gab es sehr viel Neuschnee. «Mehr als zum jetzigen Zeitpunkt», weiss Margreth. Im Januar 2018 hätten sich die Schutzbautenspezialisten des Amtes für Wald und Naturgefahren getroffen – vor allem Forstingenieure, die für die Lawinenverbauungen zuständig sind –, um über allfällige Massnahmen bei noch mehr Neuschnee und bei grossflächiger Überschneiung der Lawinenverbauungen zu sprechen. «Es ist dann aber im weiteren Verlauf des Winters nicht mehr viel Schnee gefallen», so Margreth. Entsprechend musste – zum Glück – keines der Notfallkonzepte angewendet werden. Selbst im Lawinenwinter 1999, als viele Lawinenverbauungen fast komplett eingeschneit waren, habe es keine gefährlichen Folgen gegeben, so Margreth. «Denn auch damals blieb weiterer grosser Schneefall aus.»

Gefährlicher Wind

Wie viel Schnee fasst denn eine Schutzbaute? «Eine Lawinenverbauung ist für eine Schneehöhe von typischerweise vier bis fünf Metern gebaut, erklärt Margreth. Dass es an einzelnen Stellen zu grösseren Schneehöhen komme, sei nicht ungewöhnlich. «Starker Wind kann lokal zu grossen Schneeverfrachtungen führen», sagt Experte für Schutzmassnahmen. Dies führe normalerweise aber nicht zu Problemen.

Bärenstark

Wer schon einmal Schnee geschaufelt hat, weiss: Schnee ist schwer, obwohl er luftig-leicht vom Himmel fällt. Wie stark also muss eine Lawinenverbauung sein, um die Schneemassen eines ganzen Winters zurückzuhalten? «Eine Lawinenverbauung kann eine ganze RhB-Lokomotive tragen», sagt Margreth. Bärenkräfte also, die uns vor Lawinenanrissen schützen.

In zwei Situationen kommt die Schutzwirkung einer Lawinenverbauung nicht (mehr) zum Zug, wie Margreth ausführt. Zum einen, wenn die Lawinenverbauung im Winter aufgrund sehr starker Belastung zerstört werde. «Dann muss sie im Sommer sorgfältig repariert werden.» Zum anderen, wenn sie überschneit wird, das heisst die ganze Verbauung im Schnee versinkt. «Dann kann sie einen Lawinenanriss über der Verbauung nicht mehr verhindern, falls es weiter schneit», so Margreth.

In Graubünden gibt es gemäss Margreth rund 850 Verbauungen, die vor Lawinen, Steinschlag oder Hochwasser schützen. Mehr als 200 Kilometer permanente Stahlwerke und Holzschneerechen schützen vor Lawinenanrissen. Schweizweit sind es gar 600 Kilometer.

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