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Im Oberengadin hat Vaia verheerende Schäden angerichtet

Auf dem Trassee der Muottas-Muragl-Bahn liegen rund 100 umgeknickte Bäume. Im Wald oberhalb von La Punt sogar bis zu 1500 Stück. Die genauen Schäden, von Sturm Vaia im Oberengadin werden erst langsam sichtbar.

Südostschweiz
Mittwoch, 31. Oktober 2018, 13:01 Uhr Muottas Muragl und Albula

In der Nacht von Montag auf Dienstag hat in der Schweiz Sturm Vaia gewütet. Inzwischen sieht man langsam, wie stark das Ausmass der Schäden ist, die der Wind angerichtet hat. So hat er etwa auf dem Albula das Dach des Passhospizes komplett weggeblasen. Im Oberengadin hat der Sturm auf beiden Talseiten Hunderte Bäume umgeknickt, so etwa auf der Südseite des Albulapasses oder auf Muottas Muragl, wo umgestürzte Bäume auf das Trassee der Bergbahn und auf die Schlittelbahn gestürzt sind.

Adrian Jordan von Engadin St. Moritz Mountains schildert gegenüber RSO-Reporterin Nadja Guetg die Lage: «Wir haben auf einem Erkundungsflug gesehen, dass wohl rund 100 Bäume entlang des Trassees der Muottas-Muragl-Bahn umgestürzt sind.» Dass es bei starkem Wind da und dort einmal einen Baum nimmt, sei normal, aber in diesem Ausmass aussergewöhnlich. Neben der Bergbahn sei vor allem auch die Schlittelbahn stark betroffen, so Jordan, dort habe es «Absturzsicherungen, die man bereits eingerichtet hat, wieder zerschlagen.» Jetzt müsse man aber direkt vor Ort die Schäden genau beurteilen.

Nun beginnen die die Aufräumarbeiten. Die Bäume werden laut Jordan mit Helikoptern aus dem Gelände geflogen, was sicher zwei bis drei Wochen dauern wird. «Wenn die Bäume weg sind, werden wir dann nach und nach sehen, wie die Schäden an den Gleisen tatsächlich aussehen.»

Quasi Glück im Unglück hat man bei den Muottas-Muragl-Bahnen. Die Sommersaison ging vor anderthalb Wochen zu Ende und der Winterbetrieb startet erst kurz vor Weihnachten. «Das Zeitfenster ist gross genug, dass wir die Bahn ohne Probleme wieder instand bekommen, bevor es los geht. Es waren ohnehin Revisionsarbeiten geplant, so haben wir die Fachleute ohnehin schon hier», erklärt Jordan.

1000 bis 1500 umgestürzte Bäume

Auf der anderen Talseite bietet sich vor allem in gewissen Waldstücken ein Bild der Zerstörung. Revierförster Ralf Fluor erläutert gegenüber RSO: «Wir haben in dieser Region sicher 1000, vielleicht sogar 1500, umgestürzte Bäume zu verzeichnen.» Genau beziffern könne man das derzeit noch nicht, weil man nicht ins Gebiet hinein komme wegen des Schnees. Besonders bitter sei diese Zerstörung auch, weil es sich um ein «Vorbild-Waldstück» handle, das jedes Jahr von den Forstwirtschafts-Studenten besucht werde.

Derart schwere Schäden hat Fluor in seiner ganzen Zeit in La Punt noch nie erlebt: «Ich bin seit 31 Jahren im Amt, aber dass ein Sturm so stark ist, dass er ein Haus abdeckt und Strommasten umknickt, wie auf dem Albulapass, das hat es noch nie gegeben.» Wie stark der Wind auf dem Albula geblasen hat, wisse er nicht, sagt Fluor, denn es gebe dort keine Messstation. Aber ein Spezialist habe ihm gesagt, für solche Schäden brauche es Windstärken von rund 250 Stundenkilometern.

Nun sei es im Wald wichtig, die Bäume aufzuräumen, um nicht dem schädlichen Borkenkäfer einen Lebensraum zu bieten, so Fluor weiter. Allerdings habe man dafür zum Glück bis im Frühling Zeit. «Wir würden aber natürlich gerne den Herbst noch nutzen, um so viele Bäume wie möglich schon rauszuholen. Wenn es nicht noch mehr Schnee gibt, können wir schon bald mit dem Räumen anfangen.» Wie auf Muottas Muragl kann man auch in La Punt sagen, man habe Glück im Unglück gehabt, denn betroffen sei nicht der Schutzwald, sondern die Gebiete links und rechts davon. «Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen. In Sachen Naturgefahren, sollte da nichts passieren.» (ofi)

 

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