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Dutzende Fische ersticken in Weiher in Eschenbach

Weil wegen Wassermangels der Zufluss versiegt ist, geht im Rietstuckweiher der Sauerstoff aus. Ob die Sofort- Massnahmen von Kanton und Feuerwehr noch etwas bringen, ist offen. In Bergbächen der Region spielt sich laut Fischern parallel dazu «ein stilles Drama» ab. Zunehmend kritisch zeigt sich die Lage auch in der Jona.

Pascal
Büsser
25.07.18 - 04:30 Uhr
Ereignisse

Es ist ein makabres Tierdrama, das sich beim idyllischen Rietstuckweiher in Eschenbach abspielt. Zig tote Fische treiben im Wasser – von ganz kleinen bis zu stattlichen Karpfen. Auch Aale, Egli und Krebse gibt es im Weiher. «Wir wurden am Montag auf tote Fische aufmerksam gemacht», sagt der Eschenbacher Vize-Präsident Cornel Aerne auf Anfrage. Der einberufene Fischereiaufseher stellte fest, dass der Sauerstoffgehalt im Weiher, auf dem im Winter Kinder Schlittschuh laufen, extrem tief ist. Grund: Der Zufluss ist wegen der Trockenheit praktisch versiegt.

«Wir hoffen, es hat einen Effekt»

Als erste Sofortmassnahme haben Fischereiaufseher und Feuerwehr am Montag laut Aerne begonnen, mit Pumpen dass Wasser wieder zirkulieren zu lassen, um für eine gewisse Sauerstoffzufuhr zu sorgen. Seit gestern versuche man zudem, Luft über ein Röhrchensystem in den Teich zu leiten. «Es ist eine hemdsärmelige Übung», gesteht Aerne. «Aber wir hoffen, dass sie einen gewissen Effekt hat.»

Frischwasser in den Teich zu pumpen, komme wegen des sich zuspitzenden Wassermangels nicht infrage, so Aerne. Abfischen ist im trüben Tempel nicht praktikabel. «Wir haben getan, was wir können.» Wie viele Fische überleben, ist offen. Laut Aerne füllten die verendeten Tiere bereits mehrere Kübel, er schätzt das Gewicht, Stand gestern Vormittag, auf rund 120 Kilo. Inzwischen dürften es weit mehr sein.

Für Fischer Teil des Klimawandels

Laut Christian Rudel, Präsident des Fischereivereins See-Gaster, ist der Riet- stuckweiher das erste grössere Gewässer in der Region, das vor dem Kippen steht. «Ein stilles Drama» spiele sich aber parallel dazu in kleineren Bergbächen ab. Er sei mit Vereinskollegen seit zwei Wochen jeden Tag unterwegs, so Rudel. Bei vielen Bergbächen habe es nur noch in einzelnen isolierten Tümpeln, sogenannten Kolks, Wasser und eine grössere Anzahl Fische. Gestern habe er erstmals überhaupt Teile des Bürgbachs bei Eschenbach abgefischt. Der Maseltrangnerbach dürfte als nächster folgen. Das Abfischen ist umstritten, weil dabei Fische sterben. Insbesondere jetzt, da sie bereits stark geschwächt sind. «Wir machen das nur im Notfall. Aber tatenlos zusehen, wie die Fische verenden, tut weh», sagt Rudel. Insbesondere bei der Bachforelle, die ohnehin um ihre Lebensräume kämpfe. Nach Möglichkeit versuche man die Fische im selben Bach umzuplatzieren. Aktuell bleibe aber häufig nur der Linthnebenkanal. Dort habe es noch genug Wasser und Sauerstoff. Allerdings sei dies eine Notlösung, da man die Fische in einen fremden Lebensraum bringe.

Für Rudel ist die jetzige Trockenheit kein Einzelereignis, sondern offensichtlich Folge der Klimaerwärmung. «Wir stellen fest, dass Bäche regelmässiger als früher versiegen», sagt er.

Klagen über Algen in der Jona

Dramatisch für den Menschen scheint derweil die Situation an der Jona. Zumindest wenn man den Reaktionen einiger Personen auf Facebook glaubt. Sie beklagen sich über stinkende Algen, die sich wegen der hohen Temperaturen und des wenigen Wassers grossflächig ausgebreitet haben.

Bei einem Augenschein gestern Mittag im Joner Zentrum hält sich der Geruch in engen Grenzen. Andri Pfister sorgt sich deshalb mehr um die Fische und Krebse im Bach als um von angeblichem Gestank geplagte Menschen. Er ist Obmann der Bachbewirtschaftungsgruppe im Fischerverein Rapperswil-Jona. Wie gross die Verluste im Fischbestand wegen des tiefen Wasserstandes sind, kann er aktuell nicht abschätzen. Weil die Algen grosse Teile des Baches verdecken. «Viele tote Fische verheddern sich darin.»

Die Algen zu entfernen sei aber kein Thema. «Sie würden schnell wieder kommen, wenn die Bedingungen gleich bleiben.» Zudem würde dies noch mehr Stress für die Tiere bedeuten, erklärt Pfister. Deshalb hält er auch wenig vom Abfischen der Jona. «Die Verluste wären gross, zudem fehlen uns die Gewässer zum Umsiedeln.» Bei einer Umsiedlung in einen anderen Bach verbreite man zudem im schlimmsten Fall Krankheiten.

Aktuell könne man nur zuwarten und auf Regen hoffen. Mittelfristig würde eine Beschattung der Bachläufe helfen. «Das machen wir dort, wo es möglich ist, bereits», sagt Pfister. Sinnvoll aus Fischersicht wäre zudem, das Gerinne der Jona in der Bachmitte zu verschmälern, damit die Jona auch bei wenig Wasser besser fliesst.

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