×

Jenny: «Voraussichtlich keine weiteren Tiere betroffen»

Die Wildhut der Bündner Herrschaft erlegte letzte Woche einen Jungwolf. Nach der Untersuchung an der Universität Bern stellte man eine noch unbekannte Hirnentzündung fest. Zu welchem Rudel das Tier gehörte, ist noch unklar. Die Wildhüter gehen aber davon aus, dass keine anderen Tiere mit der Krankheit angesteckt wurden.

Südostschweiz
Donnerstag, 12. Juli 2018, 16:47 Uhr Nach Wolfsabschuss
Calanda Woelfe Fotofalle MK Brosi Jenny Spadin
Hannes Jenny räumt mit Gerüchten auf.
ARCHIV

Die Wildhut der Bündner Herrschaft musste letzte Woche einen männlichen Jungwolf erlegen, wie das Bündner Amt für Jagd und Fischerei am Donnerstagmorgen mitteilte. Man hatte beim Tier Anzeichen einer ernsthaften Erkrankung beobachtet. Der Jungwolf drehte sich fortwährend im Kreis, wirkte apathisch und war bei Tageslicht unterwegs. Alles sehr untypisch für einen Wolf, betont Hannes Jenny vom Amt für Jagd und Fischerei Graubünden auf Nachfrage von Radio- und TV Südostschweiz. Die Symptome liessen den Verdacht entstehen, dass das Tier möglicherweise an Staupe oder sogar Tollwut erkrankte.

Bereits 20 Tiere erlegt

Aufgrund dieses ungewöhnlichen Verhaltens beschlossen die Behörden also das Tier zu erlegen. Einerseits um das Tier von seinem Leiden zu befreien - und andererseits, um andere Tiere vor einer Ansteckung zu schützen. Staupe sowie Tollwut sind ansteckend und die Behörden hätten eine grossflächige Ausbreitung verhindern wollen, so Jenny weiter. Bis jetzt hätten sie alleine im Aufsichtskreis Herrschaft-Seewis mehr als 20 Tiere mit einer Staupenerkrankung erlegen müssen.

Unbekannte Hirnerkrankung

Man brachte den toten Jungwolf in der Folge ins Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin FIWI der Universität Bern. Nach näheren Untersuchungen konnte weder Staupe noch Tollwut nachgewiesen werden. Die Experten in Bern stiessen aber auf eine noch unbekannte Hirnentzündung. Im Moment gehe man aber davon aus, dass keine weiteren Tiere angesteckt wurden. Ferner stellte man einen Befall mit Herzwürmern fest. Diese Erkrankung sei bisher einzigartig bei einem Schweizer Wolf. Ausserdem wiesen Lunge und Darm einen hohen Parasitenbefall auf.

Datenbankabgleich ausstehend

Jenny erklärt zudem, dass es noch unklar ist, aus welchem Rudel der Jungwolf stammt. Die genetischen Untersuchungen dafür würden immer noch andauern. Erst ein Datenbankabgleich gebe Auskunft über die Zuordnung zu einem Rudel.

Drei neue Jungwölfe im Calanda-Rudel

Ein Gerücht räumt Jenny gleich aus. Bisher habe die Wildhut keine Kenntnisse, dass es erneut drei neue Jungwölfe aus dem Calanda-Rudel gebe. Die Behörden seien über solche Feststellungen oder Verdachtsmomente froh und fordert die Bevölkerung auf, diese auch gleich zu melden. (stn)

Kommentar schreiben

Kommentar senden

Entzündungen sind nicht übertragbar, Infektionen werden übertragen. Die Festlegung der Übertragungswege setzt aber voraus, dass man den Erreger kennt. Widbiologen sollten Tierärzten Aussagen in Zusammenhang mit Wilttiererkrankungen überlassen. Marco Giacometti, Stampa