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Wanderer machen Depressiven Mut

Wanderer machen Depressiven Mut

Die Teilnehmer der ersten Mut-Tour in der Schweiz setzen sich dafür ein, dass depressiv Erkrankte entstigmatisiert werden. Gestern haben sie in Uznach Halt gemacht.

Milena
Caderas
13.04.18 - 18:17 Uhr
Ereignisse
Tagesziel Uznach erreicht: In acht Tagen führt die Mut-Tour von St. Gallen bis Wädenswil.
MILENA CADERAS

Die fünf Wanderer und Labrador Lars sind müde aber glücklich, als sie bei der Uzner Stadtkirche ankommen. Sie freuen sich, die schweren Rucksäcke abstellen zu können. Seit bald einer Woche sind die vier Deutschen und die Schweizerin unterwegs. Langsam spüren sie nicht nur den Rücken. Es tun ihnen auch die Füsse weh. Sie geniessen ein paar Augenblicke in der Frühlingssonne auf der Bank.

In Deutschland abgeschaut

Die Mut-Tour wurde 2012 zum ersten Mal in Deutschland durchgeführt. In diesen Tagen wird erstmals durch die Schweiz gewandert. Von vergangenem Samstag bis morgen Samstag wandern fünf Teilnehmer in acht Tagen von St. Gallen bis Wädenswil. Auch die Schweizer Ausgabe steht unter dem Motto «Gemeinsam unterwegs für einen offenen Umgang mit Depressionen». Die sportliche Herausforderung steht dabei nicht im Vordergrund. Alle Teilnehmer schwärmen von der schönen Natur und dem Frühlingswetter, das ihnen bislang wohl gesinnt war.

Initiiert wurde die Schweizer Tour von Esther Tagmann. Sie ist im Rheintal aufgewachsen und hat an einer Mut-Tour in Deutschland teilgenommen und war so begeistert, dass sie in der Heimat unbedingt eine ähnliche Aktion auf die Beine stellen wollte. Hinter der Tour steht die deutsche Organisation Bündnis gegen Depressionen. Unterstützt wird der Anlass in der Schweiz von hiesigen Partnern.

Route führt durchs Linthgebiet

Gestern ist die Gruppe von Eschenbach nach Uznach gelaufen. Gestartet ist sie beim Generationenhaus. Auf all ihren Etappen geniessen die Wanderer möglichst unberührte Natur und halten sich auch nicht immer an die direktesten Wege.

In Uznach haben sie beim katholischen Pfarramt Unterschlupf gefunden. Heute machen sie sich dem Oberen Zürichsee entlang auf den Weg nach Rapperswil. Alle freuen sich auf diese Etappe.

Mitwanderer gesucht

Morgen Samstag ist ein öffentlicher Mitwander-Tag. Wer will, kann die Gruppe von Rapperswil bis Pfäffikon begleiten. Treffpunkt ist um 10.30 Uhr auf dem Hauptplatz beim Rathaus. Über den Holzsteg werden die fünf Kilometer bis zum Dorfplatz in Pfäffikon zurückgelegt. Verpflegung und Ausrüstung müssen selber mitgebracht werden. Eine Gebühr wird nicht erhoben. Mitwandern können alle, die gerne ein Zeichen setzen möchten. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Wer am Samstag nicht kann, bekommt vermutlich 2019 eine neue Chance, denn voraussichtlich wird es im nächsten Jahr wieder eine Mut-Tour in der Schweiz geben.

Die Motivation Betroffener

Die Tour-Teilnehmer möchten Ängste und Vorurteile gegenüber Depression abbauen helfen, Betroffenen und ihrem Umfeld Mut machen. Einige von ihnen haben Erfahrung mit der Krankheit. «Diese Krankheit wird viel zu oft als Schwäche ausgelegt», sagt Josef aus Frankfurt, der die Mut-Tour in der Schweiz geniesst. Depressive würden nicht selten als faul hingestellt. Er betont, dass es sich um eine ernsthafte Erkrankung handle. Josef hat selber erlebt, was es heisst, wenn einem jede Kraft fehlt.

Theoretisch sei ihm schon klar gewesen, dass er Hilfe bräuchte, erklärt Christoph aus Hamburg. «Die Hürde, sich bei einer Beratungsstelle zu melden, war sehr hoch», fährt er fort. Die beiden wollen ihren vollständigen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen. Unbedingt möchten sie allerdings Betroffene und Angehörige auffordern, sich Hilfe zu holen.

www.mut-tour.ch

Morgen Samstag ist ein öffentlicher Mitwander-Tag. Gestartet wird in Rapperswil.

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