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Die Bedingungen waren perfekt – trotzdem passierte es

Noch immer ist unklar, weshalb das Kleinflugzeug am Samstag in Arosa beim Start verunglückte. Doch es gibt erste Erklärungsversuche.

Corinne
Raguth Tscharner
Dienstag, 27. März 2018, 04:30 Uhr Absturz Kleinflugzeug
Endstation Stahlseil: Nach dem Aufprall fängt die Maule M-7 sofort Feuer.
KANTONSPOLIZEI

Das Wetter war gut, die Startpiste optimal präpariert und die Piloten gut vorbereitet – und trotzdem kam es am vergangenen Samstagnachmittag im Rahmen eines Flug-Events in Arosa zu einem Unfall. Dabei starben ein 73-jähriger gebürtiger Bündner Pilot und eine 69-jährige Passagierin (Ausgabe vom Montag). Sie nahmen am «Arosa – Lenzerheide Fly-In 2018» teil. Ein Treffen von Piloten und Flugfans, die mit dem Event an die Gründung der Winterluftpost in der Region vor 80 Jahren gedenken. Die Abklärungen zum Unfallhergang und der Unfallursache durch die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) laufen derzeit, es gibt jedoch bereits neue Erkenntnisse.

Technisch oder menschlich

Das Unglück geschah beim Start des Kleinflugzeugs. «Der Flieger ist nie abgehoben», sagte Bruno Scherrer, Regionaldelegierter des Organisators Aeroclub Ostschweiz, am Montag auf Anfrage. Scherrer ist sicher: «Es wurde eine falsche Einstellung am Flieger gemacht.» Scherrer spricht damit die sogenannte Startkonfiguration an. Einstellungen, die vor dem Flug getätigt werden. «Kurz vor dem Start werden die wichtigsten Einstellungen nochmals überprüft», sagt Scherrer.

Dazu gehört die sogenannte Klappenstellung, die laut Fachmann Scherrer wohl Unfallursache ist. Aus einem noch unbekannten Grund waren diese Klappen beim Start der Maschine nicht richtig eingestellt, so Scherrer.

Das werde nun von der Sust genau untersucht. «Es gibt Fotos und Videos – anhand derer man genau sagen kann, was passiert ist», ist Scherrer überzeugt. Das seien vor allem Zuschauerfotos, die den Verantwortlichen zur Verfügung gestellt worden seien. Ein Sust-Experte mochte am Montagabend gegenüber der «Südostschweiz» diese Unfall-These weder bestätigen noch dementieren. Man sei noch mitten in den Untersuchungen.

Das Wetter und die Startpiste in Arosa hatten wahrscheinlich keinen Einfluss auf den Unfall, wie Scherrer weiter sagte. «Die Piste war in einem absolut optimalen Zustand. Und auch die Wetterbedingungen waren ideal.»

Zudem kannte der verunglückte Pilot laut Scherrer die Startstrecke und das Flugzeug gut, eine Maule M-7. Er sei bereits 2008 und 2015 mit demselben Flugzeug und im selben Rahmen in Arosa gestartet.

Sowieso dürfe kein Pilot die Strecke benutzen, der noch nie dort gewesen sei. «Bevor sie die Strecke selbst anfliegen, fahren die Teilnehmer nach Arosa, um sich die Piste anzusehen. Oder sie fliegen einmal mit einem Piloten oder einem Fluglehrer mit», erklärt Scherrer. Bei der Anmeldung zum Anlass müssten die Piloten dann bestätigen, dass sie dies getan haben. «Kontrollieren können wir das natürlich nicht. Die Piloten sind aber gewissenhaft und machen das auch», ist sich Scherrer sicher.

Flugtauglichkeit wird geprüft

Ähnlich wie bei Autounfällen kam nach der Unfallmeldung in den Sozialen Medien rasch die Frage nach der Fahrtauglichkeit auf. Vor allem das Alter des Piloten war dabei ein grosses Thema. Laut Scherrer war dieser jedoch erfahren und wurde vor einigen Jahren sogar dazu auserwählt, den Papst durch die Schweiz zu fliegen. «Jetzt waren wohl einfach seine Schutzengel aufgebraucht», meinte er.

«Und er hatte ein gültiges Medical», fügte Scherrer hinzu. Das heisst, der Pilot hatte erst kürzlich vom Fliegerarzt die Erlaubnis zum Fliegen erhalten. Um eine Fluglizenz zu erhalten oder sie zu behalten, müssen sich Piloten regelmässig ärztlich untersuchen lassen. «Ab dem Alter von etwa 50 Jahren müssen sie den Arzt einmal im Jahr aufsuchen. In jungen Jahren alle zwei Jahre, wenn nichts Spezielles ist», sagt Scherrer. Der Arzt habe die Möglichkeit, einem Piloten die Fluglizenz sofort zu entziehen oder ihn auch früher und öfters als im normalen Rhythmus wieder zur Kontrolle aufzubieten.

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