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Die dunkle Seite der Bündner Geschichte

Mehrere tausend Kinder und Jugendliche wurden im 19. und 18. Jahrhundert in Graubünden fremdplatziert. Eine neue Studie zeigt den schockierenden Befund über fürsorgerische Zwangsmassnahmen im Kanton.

Südostschweiz
Donnerstag, 18. Mai 2017, 18:22 Uhr Fürsorgerische Zwangsmassnahmen
Eine neue Studie untersucht die sogenannten fürsorgerischen Zwangsmassnahmen in Graubünden.
PRESSEBILD

Die Berner Historikerin Tanja Rietmann hat in ihrem Buch verschiedene Aspekte eines sehr dunklen Kapitels der jüngeren Bündner Geschichte beleuchtet, nämlich die administrative Versorgung und angeordnete Fremdplatzierungen von Kindern in Heimen und Pflegefamilien. 
Die Studie ist im Auftrag der Bündner Regierung entstanden.

Laut dieser Studie wurden seit der Gründung der "Korrektionsanstalt Realta" gegen 2500 Personen vormundschafts- oder fürsorgerechtlich versorgt. Vorwiegend wurden Männer integriert.

Realta war ein Sonderfall unter den Schweizer Zwangsarbeitsanstalten, da praktisch von Beginn an auch «Irre» und weitere Kategorien von randständigen Menschen aufgenommen, beziehungsweise eingewiesen wurden. Die Anstalt wurde als «ein kaum definierbarer Versorgungskomplex von Geisteskranken einerseits, Kriminellen und Verwahrlosen anderseits» kritisiert.

Genaue Angaben zu der Zahl der fremdplatzierten Kinder kann die Studie nicht liefern. Schätzungsweise geht man davon aus, dass im 20. Jahrhundert bis zu fünf Prozent aller unter 14-jährigen Kinder ausserhalb der eigenen Familie aufwuchsen.

Finanzielle Entschädigung

Seit dem 1. April dieses Jahres ist es für die Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen möglich, ein Gesuch um finanzielle Entschädigung zu stellen. Anlaufstelle ist dabei die kantonale Operhilfestelle.

Die Studie kann in gedruckter Form als Buch bestellt  oder direkt hier als PDF heruntergeladen werden.

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