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Nives Ruckstuhl-Joos: «Schön, konnten 'Noppa' und Ueli so sterben»

Nives Ruckstuhl-Joos, die Schwester des verstorbenen Bündner Bergsteigers «Noppa» Joos aus Chur, erinnert sich seit dem Tod von Ueli Steck wieder vermehrt an den Tod ihres Bruders. Im Interview sagt sie «Menschen, die so extrem bergsteigen, haben ihr Leben bewusst gelebt.»

Philipp
Wyss
02.05.17 - 17:11 Uhr
Ereignisse
Nives Ruckstuhl-Joos im Bergsportgeschäft in Chur.
Nives Ruckstuhl-Joos im Bergsportgeschäft in Chur.

Wahrscheinlich gibt es nicht viele Bündner, die den am Sonntag im Himalaya tödlich verunglückten Extrembergsteiger Ueli Steck sehr gut kannten. Einer war «Noppa» Joos. Der Bündner erreichte ohne künstlichen Sauerstoff die Gipfel von 13 Achttausender. Am letzten, dem Everest, scheiterte Joos. Der 55-Jährige stürzte im vergangenen Juli am Piz Bernina 160 Meter in den Tod.

Joos‘ Schwester Nives Ruckstuhl-Joos erinnert sich, dass ihr Bruder Ueli Steck sehr gut kannte und auch gemeinsam mit ihm unterwegs war. Sie selbst kannte Ueli Steck von Messen oder Vorträgen, aber nicht sehr gut, wie sie sagt.

«Es war ihr ein und alles.»

Nives Ruckstuhl-Joos

Im Interview sagt Nives Ruckstuhl-Joos, dass bei ihr Erinnerungen an die Unglücksnachricht vom Tod ihres Bruders hochkamen, als sie am Sonntag von Ueli Stecks Tod erfuhr. «Ich denke wieder vermehrt über den Tod nach. Aber Menschen, die so extrem bergsteigen, haben ihr Leben bewusst gelebt. Es war ihr ein und alles.»

Und dann: «Schlussendlich ist es schön, konnten 'Noppa' und Ueli so sterben.»

Nives Ruckstuhl-Joos im Interview mit Philipp Wyss.

Die Bergsteiger Christian Zinsli aus Masein und Peter Gujan aus Trin Mulin kannten Ueli Steck und dessen Frau Nicole Steck zwar ebenfalls, aber nicht sehr gut.

«Die Möglichkeit eines Absturzes habe ich jeweils verdrängt.»

Nives Ruckstuhl-Joos

Zinsli war zwar nie mit Ueli Steck zusammen unterwegs, jedoch schon mehrmals am Mount Everest, wie er auf Anfrage sagte. Er bestieg ihn auch – allerdings von der Nordseite her. Und Gujan traf den am Sonntag Verunglückten zwei-, drei Mal, wie er sagte. Geklettert ist er aber nie mit ihm. Der Everest ist Gujan ein geläufiger Berg, ihn allerdings über die Südwand zu besteigen sei sehr schwierig. Für ihn war Ueli Steck ein Vorreiter, er habe ihn stark inspiriert. Persönlich sei für ihn das Bergsteigen aber etwas in den Hintergrund gerückt, seit er eine eigene Familie habe. «Die Möglichkeit eines Absturzes habe ich jeweils verdrängt. Aber sie besteht. Das ist eine Tatsache.»

Philipp Wyss ist Wirtschaftsredaktor der gemeinsamen Redaktion der Zeitung «Südostschweiz» und der Internetseite «suedostschweiz.ch». Mehr Infos

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