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«Sozial» und der Sinn dahinter

Nicole
Nett
23.03.22 - 16:48 Uhr
Bild Unsplash

«OK Boomer» versus «Wa hesch denn du scho erlebt du huere Banane?» Im Blog «Zillennials» beleuchten die Vertreterin der Generation Z, Nicole Nett, und der Millennial David Eichler in loser Folge aktuelle Themen. Im Idealfall sorgen die beiden damit für mehr Verständnis zwischen den Generationen. Minimal hoffen sie, für etwas Unterhaltung, Denkanstösse und den einen oder anderen Lacher zu sorgen.

Überall bekommt man es zu hören. «Sei sozial.» Oder bei den Jüngeren hört man vielleicht oftmals das modernere Wort, welches das Gegenteil bedeutet: «Du bist ein Asi.» Also asozial. Sicher ist, wer im Leben etwas erreichen möchte, sollte sozial mit sich selbst und den Mitmenschen umgehen – sowohl privat als auch beruflich. Doch gehen wir diesem Wort «sozial» einmal auf den Grund. 

«Sozial» bedeutet gemäss Duden das geregelte Zusammenleben der Menschen. Der Begriff «Soziale Medien» hingegen heisst: Gesamtheit der digitalen Technologien und Medien, über die Nutzer miteinander kommunizieren und Inhalte austauschen. Ich schliesse daraus, dass die sozialen Medien nichts mit dem «geregelten» Zusammenleben von «sozial» zu tun haben. Wenn ich das genauer betrachte, weiss ich auch, weshalb. 

Nehmen wir zum Beispiel einmal eine Zugfahrt der Pendler am frühen Morgen. Wer mag da schon mit seinem Gegenüber ins Gespräch kommen? Früher versteckte man sich gerne hinter der Zeitung. Heute starrt man auf das Smartphone, legt die Kopfhörer an und ist nicht selten auf den sozialen Medien aktiv. Es muss also spannender sein, zu wissen, was die Kollegin vom Kollegen der Schwester momentan macht, als mit dem Gegenüber zu plaudern. Doch wäre so ein Gespräch nicht sozialer? Was, wenn das Gegenüber die Liebe des Lebens gewesen wäre? Na ja, man wird es nie erfahren, da wir in diesem Moment anderweitig beschäftigt waren.

Drehen wir die Zeit ein paar Jährchen zurück: Schon als Kind in der Schule haben wir gelernt, dass man «sozial» mit den Mitschülern umgehen soll. Vor allem im Turnunterricht hat sich das oftmals gezeigt und auch bewährt. So mussten wir sozial «Burgavölki», Brennball oder «Sitzball mit haigoh» spielen. Hätten wir das nicht so gemacht, hätte es bestimmt die eine oder andere Beule mehr gegeben. In gewissem Masse ist das bis heute gleich geblieben. Man hilft sich und ist füreinander da. Das ist eben sozial. 

Die sozialen Medien sind ja eigentlich auch sozial, oder? Ja, zumindest vom Namen her schon. Wir kommunizieren und tauschen Inhalte miteinander aus. In gewisser Hinsicht ist das schon sozial. Es kommt darauf an, ob es uns die Inhalte und Zeit wert sind. Denn die Zeit geht dabei nicht selten vergessen und wir verbringen im Durchschnitt bis zu vier Stunden pro Tag am Smartphone und in den sozialen Medien. Was könnte man in dieser Zeit anderes machen? Ich denke sehr vieles. Zum Beispiel mehr Zeit in sich selbst investieren, anstatt sich mit Lebensinhalten von anderen zu beschäftigen. Wie wäre es mal wieder mit einem Bad oder einem guten Buch? Das wären sicherlich zwei Möglichkeiten abseits der sozialen Medien. Es gibt sogar Leute, die einen «Digital Detox» machen. Das bedeutet «digitales Fasten» – also über eine Zeit lang ganz auf das Handy und alle elektronischen Geräte zu verzichten. Das wäre bestimmt ein Ansatz, um die tägliche Nutzungsdauer zu verringern.

Und dennoch: Auf alle elektronischen Geräte zu verzichten, ist in der heutigen Zeit kaum möglich. Für mich zumindest. Ich bin der Meinung, dass sie einfach in das heutige digitalisierte Zeitalter gehören. Obwohl die sozialen Medien nicht immer 1:1 mit «sozial und fair» in Zusammenhang gebracht werden können, sind sie ein fester Bestandteil unseres Lebens geworden. Ich denke, schlussendlich sollten wir alles mit Mass machen. Es macht durchaus Sinn, das Smartphone bewusst über eine Zeit lang wegzulegen. Aber wenn man danach dafür anstatt einer halben Stunde eine Stunde braucht, um Nachrichten zu beantworten, wäre das auch nicht wirklich förderlich. Es ist gleichzeitig aber auch nicht gut, täglich zu viele Stunden auf den sozialen Medien abzuhängen. Denn oftmals schauen wir uns dann doch nur an, was für ein scheinbar perfektes Leben andere führen. Vor allem Influencer können uns massiv in den Bann ziehen.

Stattdessen, so bin ich der Meinung, sollte man das eigene Leben so «perfekt» wie möglich leben. Oder eben vielleicht einmal ein Gespräch mit einem «echten» Menschen anfangen, anstatt in den Screen zu starren. Ihr werdet sehen, was sich daraus Spannendes ergibt. Entweder winkt euch die Person eiskalt ab. Oder es ergibt sich ein interessantes Gespräch und man stellt fest, dass das Gegenüber dieselben Interessen hat. In beiden Fällen ergeben sich auf jeden Fall lustige Anekdoten.

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