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Immer diese Spickzetteli

Nicole
Nett
20.04.22 - 16:30 Uhr
Verbotene Sache: Während der Prüfung kamen früher gerne mal die kleinen Spickzetteli ins Spiel.
Verbotene Sache: Während der Prüfung kamen früher gerne mal die kleinen Spickzetteli ins Spiel.
Bild Pexels

«OK Boomer» versus «Wa hesch denn du scho erlebt du huere Banane?» Im Blog «Zillennials» beleuchten die Vertreterin der Generation Z, Nicole Nett, und der Millennial David Eichler in loser Folge aktuelle Themen. Im Idealfall sorgen die beiden damit für mehr Verständnis zwischen den Generationen. Minimal hoffen sie, für etwas Unterhaltung, Denkanstösse und den einen oder anderen Lacher zu sorgen.

Unangenehme Situation: Der Lehrer teilt die Prüfungen aus. Die besten Freunde sitzen natürlich nebeneinander. Das aus einem guten Grund, welchen ich später aufführe. Also, die Prüfung beginnt und schon geht das Grübeln los. Es geht nicht lange, bis die ersten Unsicherheiten in mir aufkommen. Ich habe ein totales Blackout. Obwohl ich viel gelernt und mich meiner Meinung nach bestens auf die Klausur vorbereitet habe, bringt der Lehrer ganz andere Fragen, als ich mir vorgestellt habe. Das ging mir zumindest oftmals so. Was für ein Mist! Ich fülle gerade noch diese Fragen aus, welche ich einigermassen beantworten kann. Das Fazit: eine schlechte Note und miese Laune. Na toll, oder? 

Ein paar meiner Mitschülerinnen und Mitschüler haben sich hier das Leben wesentlich leichter gemacht. Sie teilten sich die Prüfungsvorbereitungen einfach auf. Clever! Während der Prüfung gaben sie sich geschickt die Zetteli unter dem Tisch weiter, auf welchen die Lösungen draufstanden. Andere Klassenkameraden waren so raffiniert, dass sie sich zum Beispiel die Mathe-Formeln auf einem kleinen Zettel ins Etui legten. Die Allerbesten waren jene, welche sich die Italo-Wörtli gar auf die Hand oder den Arm schrieben. Obwohl das «Spicken» vom Lehrer ganz klar verboten wurde, machte man es halt trotzdem. Der eine oder andere fand immer irgendwo den Reiz, sich so durch die Prüfung zu schlängeln. Das Schöne daran: Er konnte das vorherige Wochenende bestimmt mehr geniessen als ich, da er nicht so viel lernen musste. Vor allem bei den Wörtli-Prüfungen bot so ein Spickzettel eine wunderbare Gelegenheit, sich durch die Prüfung zu schummeln. Und oftmals bekamen die «Spicker» dann sogar die besseren Noten.

Ich jedenfalls war nie auf diesen «Spickzetteli-Zug» aufgesprungen. Es hat mich einfach nicht gereizt, obwohl ich mir einiges hätte leichter machen können. Ich fand es einfach unnötig und niemals hätte ich es gewagt, ein Zetteli während einer Prüfung weiterzugeben. Meine Angst: Mir wäre bestimmt einen Patzer passiert, dass der Lehrer mich erwischt hätte. Ich denke, das geht den meisten Schülerinnen und Schüler genau gleich wir mir. Was ich allerdings oftmals gemacht habe, ist, während des Schulunterrichts meiner Kollegin ein «Briefli» zu schreiben, dass ich mich beispielsweise auf die Pause oder die Schnitzeljagd freue. Das war auch so halbwegs erlaubt und machte allen viel Spass.

Heute frage ich mich, wie das «Spicken» wohl in Zeiten von Facebook und Co. aussieht. Gibt es die Spickzetteli überhaupt noch oder kommunizieren die Schüler per Whatsapp miteinander? Also quasi mit «digitalen» Spickzetteli? In Universitäten gibt es bereits die «Open-Book-Prüfungen», bei welchen offiziell «gespickt» werden darf. Das wird wohl den Reiz des verbotenen «Spickens» minimieren. Aber gerade in Onlineprüfungen kann man heutzutage einfacher tricksen, als vor Ort im Schulzimmer. Um dieses Risiko zu vermeiden, mussten wir damals im Studium jeweils die Kamera und das Mikrofon des Laptops während einer Klausur angeschaltet lassen. Das war total unangenehm aber ja, die Zeiten sind allerdings strenger geworden.

Ob nun mit Schummeln oder nicht: Ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir nur dann etwas lernen, wenn wir Fehler machen. Meine ungenügenden Noten machten mich nicht schwächer, sondern stärker. Man lernt, auch mal ein schlechtes Feedback einzustecken und Kritik anzunehmen. Aus jeder schlechten Note konnte ich etwas für mich mitnehmen und lernen, obwohl mir damals das noch nicht so bewusst war. Ich hoffe, das geht euch genauso.

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