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«Gischmer, wenns di het?»

Nicole
Nett
23.02.22 - 16:30 Uhr
Bild Pexels

«OK Boomer» versus «Wa hesch denn du scho erlebt du huere Banane?» Im Blog «Zillennials» beleuchten die Vertreterin der Generation Z, Nicole Nett, und der Millennial David Eichler in loser Folge aktuelle Themen. Im Idealfall sorgen die beiden damit für mehr Verständnis zwischen den Generationen. Minimal hoffen sie, für etwas Unterhaltung, Denkanstösse und den einen oder anderen Lacher zu sorgen.

Er musste einfach mit. Immer. Überall. Der gute alte Game Boy Color aus dem Jahr 1998 durfte im Gepäck der Familie Nett nicht fehlen. Für meine beiden Schwestern und mich war dieser Klotz fast schon heilig. Wer ihn in der Hand hatte, fühlte sich stolz und wunderbar. Wie oft haben wir uns wegen diesem Ding schon gestritten? Das lässt sich nicht in einer, auch nicht in zwei Händen abzählen. Er war halt das einzig «coole» Gerät, welches wir damals hatten. Mehr gab es auch nicht wirklich auf dem Markt. Am tollsten fand ich es jeweils in den Sommerferien auf unserem Maiensäss im Prättigau, wo wir auf fast 1200 Meter über Meer «zocken» konnten. Natürlich immer ausgerüstet mit einem grossen Batterien-Paket. «Super Mario» war damals das Spiel aller Spiele.

Es gab aber eine Regel, an die wir uns immer halten mussten, damit der Tag nicht im Desaster endete: «Gischmer, wenns di het?». Heisst: Immer, wenn der kleine, verpixelte Mario respektive Luigi ins Wasser, Feuer oder ins «Nichts» fiel, musste der Game Boy der nächsten Person weitergegeben werden. «Multiplayer-Mode» kannte man damals noch nicht. So verbrachten wir drei Mädchen Stunden auf der Hängematte im Stallhof, während der märchenhafte Sonnenuntergang ans uns vorbeizog.

Nicht selten wurde dieser Game-Spass aber von unseren Eltern unterbrochen. Wir sollten doch «realistischere» Dinge tun, als den ganzen Tag vor diesem Game Boy zu sitzen. Vor allem, wenn man doch so ein hübsches Maiensäss hat, wie der Vater meinte. «Sonst bekommt ihr viereckige Augen, wenn ihr alt seid», mahnte uns die Mutter. So legten wir widerwillig unser geliebtes Gerät auf die Seite und rappelten uns auf. Auch wenn das damals für uns völlig unverständlich war, hatte die Eltern absolut recht. An diese «realistischen» Zeiten erinnere ich mich heute viel lieber, als an den Game Boy: Die Highlights waren das «Hüttenbauen» im Wald, das «Heuhüpfen» in der Scheune oder ein Wettrennen über die saftigen Wiesen.

Aber zurück zur Gegenwart. Heute ist der über 20-jährige Game Boy Color nur noch ein Kultobjekt. Gamer aus den 90ern besitzen ihn (vielleicht) noch. Die jüngeren Generationen kennen ihn schon gar nicht mehr. Dennoch hat sich etwas bis heute nicht verändert: «Super Mario» ist nach wie vor total im Trend. Heute einfach über die neusten Nintendo-Konsolen und in 4K-Auflösung. Da sieht man wieder einmal, wie stark sich die Technik in den letzten Jahren entwickelt hat. Das macht einem nur noch sprachlos, oder? Heute gibt es nicht nur einen Game Boy in miserabler Auflösung, den man sich teilen muss. Mit den heutigen Geräten kann ein Spiel problemlos mit mehreren Spielern gleichzeitig gespielt werden. Diese müssen nicht einmal zwingend auf derselben Couch sitzen. Mit der ganzen Welt kann man spielen, von Chur bis nach China, ohne Problem. Manchmal finde ich das fast schon erschreckend. Es braucht einfach nur Internet und zack – ist man mit der ganzen Welt «connected». Ohne dass wir wissen, mit wem wir es auf der anderen Seite zu tun haben. Aber es ist uns irgendwie völlig egal, da es einfach selbstverständlich und normal ist. Die anderen machen es ja auch.

Und dennoch habe ich gestaunt, als ich letzthin in einem Spielwarengeschäft gelandet bin: Es gibt so kleine Gamekonsolen, welche aussehen wie der legendäre Game Boy von damals. Auf diesen können mehrere Minispiele wie zum Beispiel Tetris gespielt werden. «Nicht schlecht», dachte ich mir. Immerhin ist noch ein bisschen Gamekultur im Retrodesign für die älteren Generationen übrig geblieben. 

Schlussendlich muss ich gestehen: Ja, ich zocke auch heute noch gerne. Das Gamen auf der Nintendo Switch macht einfach grossen Spass und ist für eine gesellige Runde ein richtiger Stimmungsmacher. Und dennoch: Vom alten Game Boy Color konnte ich mich bis heute nicht trennen, auch wenn er im Keller verstaut ist. Dieser Klotz bringt so viele schöne Erinnerungen mit sich, auch wenn es nur die hitzigen Diskussionen rund um «Gischmer, wenns di het?» sind. Einfach unvergesslich war diese Zeit. Und so soll es auch sein.

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