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Aus der Prüfungsphase

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SYMBOL/ PIXABAY
Bernhard
Aebersold

An der Fachhochschule Graubünden in Chur wird ausgebildet und geforscht. Gut 2000 Studierende besuchen Bachelor-, Master- und Weiterbildungsstudiengänge. In diesem Blog schreiben Studierende aus ihrem Alltag als Lernende, als junge Menschen und als Teil der Onlineredaktion von «suedostschweiz.ch».

Ich gebs zu. Ich schlief gestern bis 11 Uhr aus, kochte mir nachmittags um drei Spaghetti mit einer Fertigsauce und blickte dabei zwischen der überquellenden Kartonsammlung auf den Putzplan. Der runde Magnetpfeil neben dem Ämtliplan, der normalerweise im Zwei-Wochen-Takt eine Zeile nach unten verschoben wird, blieb irgendwo im Mai kleben. Mein WG-Mitbewohner trat in seinen versifften Trainerhosen in die Küche und bei seinem Anblick dachte ich an den hängengebliebenen Magnetpfeil.

«Und chunnsch voraa?», fragt er in seinem nicht-hiesigen Dialekt. Zwischen zwei verschiedenen Sorten Fertigsauce und Sirup entwickelte sich ein Gespräch, wie es wohl in manch einer Studenten-WG wenige Tage vor Beginn der Prüfungen stattfindet. Auf welche Inhalte soll ein Schwergewicht gelegt werden, was sollte keinesfalls vergessen werden, wie wird die Prüfung aufgebaut sein, was wird garantiert abgefragt. Der Putzplan findet nicht Eingang in unser Gespräch.

Wenns nur die Prüfungen wären

Im Gegensatz zu Universitäten, liegen die Schwerpunkte bei Hochschulen wie der HTW Chur – zumindest aus studentischer Sicht – meist nicht (nur) auf den Prüfungen. Die Erarbeitung und Umsetzung eigener Projekte wird in meinem Studiengang (Multimedia Production) gross geschrieben. Das vertiefte Lesen von Fachliteratur, wie es an Universitäten üblich ist, hat Seltenheitswert.

Am Vorabend unseres nachmittäglichen Spaghetti-Plauschs war die Deadline eines Grossteils unserer Projektarbeiten. Wie die meisten, gehöre ich nicht zu der Sorte Student, die drei Wochen vor dem Abgabetermin bereits zig verschiedene Versionen eines Projekts pfannenfertig vorliegen hat, sondern lege den Fokus eher auf andere Dinge, wie dem ein oder anderen Nebenjob nachzugehen. Wenn die Zeit plötzlich drängt, werden soziale Kontakte, der Ämtliplan und die Eltern, die gelegentlich doch noch wissen möchten, was man an dieser Hochschule eigentlich treibt, vernachlässigt. Tagesstrukturen werden über den Haufen geworfen, die Nacht wird zum Tag und der Vorratsschrank mit Fertigsauce ausgestattet.

Mit tiefen Augenringen auf die entscheidende «Senden»- oder «Upload»-Taste zu drücken und ein Projekt nach lehrreichen Nächten abzugeben und dabei dieses Gefühl der Erleichterung zu verspüren, ist jedes Semester etwas vom Schönsten.

Ich muss los

Aber jetzt nicht länger Zeit verlieren. Fünf Stunden nach Erstellung dieses Studentenblogs muss noch ein Poetry-Slam abgegeben werden. Man liest sich nach der Prüfungsphase wieder!

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