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Vom Ärger und von einer «Ente»

Uhr
Béla
Zier

In loser Folge berichten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Medienfamilie Südostschweiz aus ihrem journalistischen Alltag. Willkommen in unserem Glashaus!

Darf ich mich in dieser Kolumne ärgern? Ja, darfst du, sagt mein direkter Chef Reto Furter, Leiter der «Südostschweiz»-Redaktion Graubünden. Und das brennt mir unter den Nägeln. Als Medienschaffender führt man Gespräche, das ist unser täglich Brot. Eine befragte Person darf ihre Äusserungen zur Autorisierung verlangen. Das ist in den Richtlinien zur «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten» festgehalten. Davon wird in geradezu inflationärer Art und Weise Gebrauch gemacht. Und, das können Sie mir glauben, wegen jedem Pipifax.

In letzter Zeit beschleicht mich des Öfteren das Gefühl, dass es im Grunde genommen nicht darum geht zu kontrollieren, ob ich Gesagtes, etwa eine lapidare Aussage wie «Da braucht es einen absoluten Kenner», korrekt wiedergeben kann. Das kann ich nämlich. Bei mir nährt sich der Verdacht, dass die Autorisierung manchmal gefordert wird, um Medienschaffende zu schikanieren. Denn das Autorisierungsprozedere ist zeitraubend, oft melden sich die Personen dann nicht schnell zurück und man muss nachhaken, ob denn jetzt der Satz «Da braucht es einen absoluten Kenner» publiziert werden kann.

Manchmal übernehmen die Zitierten gleich die Rolle des Journalisten, formulieren Gesagtes um, schwächen gemachte Aussagen ab oder ziehen sie plötzlich ganz zurück. So funktioniert es dann eben nicht und dafür ist die Autorisierung auch nicht gedacht. Ein Beispiel aus der Praxis: Ich führte mal ein Gespräch mit einem der grössten Unternehmer der Schweizer Uhrenbranche. Der weltweit bekannte Manager wollte kein einziges Wort gegenlesen, er stand zu seinen Aussagen.

Und genau das sollte man doch von erwachsenen Menschen erwarten dürfen. Aber ich gestehe ein, bei komplexen Sachverhalten, etwa einem Gespräch mit einem Astrophysiker, ist man als Journalist nicht unfroh, wenn Zitate gegengecheckt werden wollen. Ob es ohne Gegenlesen weniger Zeitungsenten geben würde, weiss ich nicht. Meine letzte «Ente» war übrigens echt. Das Tier watschelte kürzlich im tiefen Schnee vor meinem Büro herum. Ich hoffe, der Ausreisser konnte gesund in seinen warmen Stall zurückgebracht werden.

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