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Ein lehrreicher Blick zurück

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Gian Andrea
Accola

...beschreiben Journalistinnen und Journalisten ihren Alltag und den - manchmal beschwerlich - langen Weg von einer Idee zu einem Text, einem Beitrag oder Foto.

Ganz selten mache ich mir mein eigenes Alter bewusst. Konfrontiere ich mich mit dem Älterwerden, so löst das auch mit 28 Lenzen auf dem Buckel bereits etwas Wehmut aus. Wehmut nach den ungezwungenen Tagen der Jugend. Das Älterwerden macht keine Freude. Es bedeutet, sich der eigenen Sterblichkeit bewusst zu werden. Und es ist gewissermassen eine Erscheinung unserer Zeit, sich der eigenen Sterblichkeit so lange wie möglich – manchmal gar zwanghaft – entziehen zu wollen.

Wer sich aber nicht mit dem Altern beschäftigt, der beschäftigt sich auch nicht damit, was ältere Leute bewegt. Und er hat auch weniger Verständnis für ältere Menschen. Da kann ein Blick in die Geschichte hilfreich sein. Während der vergangenen rund anderthalb Monate durfte ich unsere Leser in Zusammenarbeit mit meinem Kollegen Patrick Kuoni auf eine Zeitreise mitnehmen. 50 Jahre zurück. In ein Graubünden zur Zeit der Hippies, des Vietnam- und des Kalten Krieges. In eine Zeit, zu der ich vor unserer Sommerserie nur dank meiner Eltern und eines guten Geschichtslehrers einen gewissen, wenn auch undurchsichtigen, Bezug hatte. In eine Zeit auch, die ich im Nachhinein gewisser- massen als Morgenröte unserer heutigen Welt wahrnehme. Langsam kam Farbe in die Flimmerkiste; erste internationale Flugrouten wurden mehrmals wöchentlich bedient. Pioniergeist für Dinge, die heute selbstverständlich sind.

Beim Gang durchs Archiv wurde mir klar, welch starken Einfluss die damaligen Entwicklungen auf unser heutiges Leben haben. In guter wie in schlechter Hinsicht. Vor 50 Jahren bereiteten uns unsere Vorfahren den Weg in eine hoch entwickelte Zeit, die sie heute häufig selber nicht mehr verstehen. Klar, die Dinge entwickeln sich heute rasend schnell. Es ist auch für mich herausfordernd, Schritt zu halten.

Die Konfrontation mit der Vergangenheit hat mir in den letzten Wochen aufgezeigt, was die Menschen von damals bewegte, wie sie dachten, was sie fühlten und wovor sie sich fürchteten. Ich nehme diese Erkenntnisse für mich mit. Ich hoffe, die älteren Generationen etwas besser verstehen zu können. Wenn es mir so gelingt, die eine oder andere Brücke zu den Menschen von gestern zu schlagen, war es längst schon alle Mühe wert.