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Der Abschaum der Menschheit?

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Journalisten sind nicht immer beliebt.
PIXABAY
Pieder
Caminada

...beschreiben Journalistinnen und Journalisten ihren Alltag und den - manchmal beschwerlich - langen Weg von einer Idee zu einem Text, einem Beitrag oder Foto.

Donald Trump tut es fast täglich: Der Präsident der Vereinigten Staaten beschimpft Journalistinnen und Journalisten, wo immer es geht – und auf übelste Weise. Für ihn verbreiten die Medienschaffenden nur «Fake News» und gehören deshalb zum Abschaum der Menschheit – es sei denn, sie loben ihn in den Himmel.

Doch Trump ist bei Weitem nicht der Einzige, der Journalisten nicht mag. Auch hierzulande tut man es. Und das durchaus mit Wirkung. Vor vielen Jahren habe ich einmal gelesen, dass die Journalisten vor den Metzgern die unbeliebteste Berufsgruppe seien. Dieses Ergebnis bestätigt auch eine in der Schweiz durchgeführte Umfrage aus dem Jahre 2016. Nur 36 Prozent der Befragten erachteten Journalisten als vertrauenswürdig. Das reichte gerade noch für den viertletzten Platz. Schlechter schnitten nur noch die Werbefachleute (26 Prozent), die Versicherungsvertreter (24 Prozent) und – sic! – die Politiker (19 Prozent) ab.

Dass die Journalisten so unbeliebt sind, ist also nicht erst seit Trumps Amtsantritt so. Und deshalb verstehe ich die Empörung meiner Berufszunft über Trumps Journalisten-Bashing nicht. Erstens kann man Trumps Schimpftiraden nicht ernst nehmen, und zweitens wurde man als Journalist auch schon vor 30 Jahren verbal niedergemacht, wenn man etwa das Ergebnis einer Abstimmung anders als erwartet interpretierte. So wie ich es im April 1987 tat, nachdem die Surselva sich in einer Konsultativabstimmung mit 56 Prozent nur knapp für eine Schnellstrasse mitten durch das Naturmonument Ruinaulta ausgesprochen hatte. In einem Kommentar schrieb ich, dass eine Konsultativabstimmung sich nur als politisches Druckmittel eigne, wenn das Resultat von erdrückender Klarheit sei. Und deshalb hätten die Schnellstrassen-Befürworter zwar wohl gewonnen, aber dennoch verloren. Die Schnellstrasse sei mit dem nur knappen Ja politisch gestorben.

Diese Einschätzung löste einen Sturm der Entrüstung aus; so nach dem Motto: «Typisch Journalist – aus einer Mehrheit macht er eine Minderheit.» Am derbsten drückte es damals ein Zahnarzt aus dem Kanton Zürich in einem Brief an unseren Verlagsleiter aus. Er schrieb wörtlich: «Sorgen Sie dafür, dass Caminada liquidiert wird!» Liquidiert? Ist das nicht ein Begriff, der von 1939 bis 1945 …

Seis drum: Die Schnellstrasse durch die Rheinschlucht wurde nie gebaut. Und ich wurde bis heute auch nicht «liquidiert».