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Pokrowsk am Abgrund – warum die Russen vorrücken

Die ostukrainische Stadt Pokrowsk steht vor dem Fall. Die russische Armee verliert zwar an Schlagkraft; dasselbe gilt aber auch für die ukrainische. Der Westen muss seine Strategie überdenken.

Südostschweiz
13.11.25 - 13:47 Uhr
AP POLL FOREIGN CONFLICTS
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Bild: Iryna Rybakowa / Keystone

Unter dem Namen Viktor Schewtschuk schreibt an dieser Stelle ein ukrainischer Offizier, Militärexperte und Politikwissenschaftler über den Verteidigungskrieg gegen Russland. Er drückt dabei seine persönliche Meinung aus, basierend auf allgemein zugänglichen Informationen.

von Viktor Schewtschuk

Die Russen stehen kurz vor der Einnahme des Ballungsraums Pokrowsk-Myrnohrad. Im September/Oktober war ihr Vormarsch zwar nur halb so schnell wie im Sommer. Aber sie ernten nun die Früchte ihrer langwierigen Vorbereitungen für die Belagerung von Pokrowsk.

Vor einem Jahr näherten sich russische Truppen den südwestlichen Vororten von Pokrowsk. Sie liessen sich Zeit und bildeten eine Zangenbewegung, um die Stadt zusammen mit dem benachbarten Myrnohrad zu umzingeln. Sie verfeinerten ihre Taktik. Anstelle massiver, tödlicher Angriffe, wie sie in der Nähe von Bachmut und Awdijiwka stattfanden, infiltrieren sie mit kleinen Gruppen die ukrainischen Linien. Die Russen erreichten im Bereich der Kurzstreckendrohnen Parität mit dem ukrainischen Militär. Sie bildeten gut ausgebildete Drohneneinheiten und lernten, diese in den wichtigsten Bereichen einzusetzen.

Der Herbst behindert normalerweise Offensivoperationen, aber nicht jetzt. Nebel und Regen sind ein Hindernis für ukrainische Aufklärungs-UAVs und kleine Drohnen. Das russische Militär dringt von Süden her vor, während das ukrainische Militär die Kontrolle über einige wichtige Einrichtungen im Süden und an den Flanken des Ballungsraums behält. Aufgrund von Informationen aus offenen Quellen kann davon ausgegangen werden, dass Pokrowsk und Myrnohrad fast vollständig umzingelt sind und unter starkem logistischem Druck durch russische Drohnen stehen. Pokrowsk steht unter gemischter Kontrolle. Die Russen kämpfen um die Aussenbezirke von Myrnohrad.

Das Oberkommando der ukrainischen Streitkräfte unternimmt alles, um Pokrowsk-Myrnohrad unter Kontrolle zu halten. Dies ist aufgrund der Lage und des Geländes wichtig. Ein weiterer Grund ist, dass es in der kalten Jahreszeit einfacher ist, sich in städtischen Gebieten zu stationieren und zu kämpfen, als auf offenes Gelände gedrängt zu werden.

Die grosse Frage bleibt jedoch: Ist es möglich, Pokrowsk und Myrnohrad zu verteidigen? Dazu muss das ukrainische Militär seine Flanken stabilisieren und die Russen dort verdrängen. Der Zustrom feindlicher Infanterie aus dem Süden und anderen Richtungen muss gestoppt werden. Wenn dies erreicht ist, muss sich das ukrainische Militär in schwierigen Stadtkämpfen seinen Weg nach vorne erkämpfen. Stadtkämpfe gleichen die Chancen zwischen Kriegsparteien aus. Der Vorteil liegt bei der Armee mit besserer Kontrolle und Führung, mehr Reserven und Drohnen.

Und genau die Frage der Reserven scheint entscheidend zu sein. Der Ukraine fehlt es an Infanterie. Sonst hätte sie in Pokrowsk keine Elite-Einheiten eingesetzt. Stadtkämpfe sind keine Standardaufgabe für Spezialeinheiten, da dabei hochqualifizierte Kämpfer in Infanteriegefechten verloren werden.

Der Mangel an Truppen scheint auch zum Rückzug der ukrainischen Streitkräfte im Norden der Region Saporischschja beizutragen. Die Russen bewegen sich von Osten nach Westen – parallel zu den wichtigsten ukrainischen Verteidigungsstellungen, die ihnen im Süden im Weg stehen. Die russische Offensive bedroht hier die ukrainische Stadt Huliaipole, die seit 2022 Widerstand gegen den Feind leistet. Wenn sich die ukrainischen Truppen aus Huliaipole zurückziehen, muss das gesamte Konzept zur Verteidigung von Saporischschja überarbeitet werden.

Sowohl Pokrowsk als auch Huliaipole sind aufgrund der Geländebeschaffenheit wichtig. Wenn sie verloren gehen, kann der Feind über flaches Gelände mit dünn besiedelten Gebieten, in denen kleine Siedlungen schwer zu verteidigen sind, vorrücken.

Die politischen und militärischen Behörden der Ukraine müssen alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Mobilisierung zu verbessern. Dies ist entscheidend und längst überfällig.

Wir können zudem nicht auf unbestimmte Zeit Krieg führen, während wir in Bezug auf Luftwaffe, Mittelstrecken- und Langstreckenraketen im Nachteil sind. Es ist dringend notwendig, Ziele innerhalb Russlands mit leistungsstarken Waffen anzugreifen.

Die russische Wirtschaft hat einen beispiellosen Rückgang erlebt. Die Einnahmen des Bundeshaushalts im Oktober dieses Jahres sind um 12 Prozent niedriger als im Oktober letzten Jahres. Nicht nur die zivile, sondern auch die militärische Produktion ist zurückgegangen. Der Ölsektor, der mehr als die Hälfte der Einnahmen des Staates ausmacht, ist in einer schwierigen Lage.

Und Russlands Militär ist müde. Im Herbst führte es zwar mehr Angriffe durch, besetzte aber weniger Territorium. Russland zahlt einen sehr hohen Preis für langsame Fortschritte. Es besteht eine gute Chance, dass es diesen Wettlauf gegen die Zeit verliert. Doch der Westen muss seine Strategie ändern und den Sieg anstreben, statt abzuwarten. In diesem «Spiel» wird es kein Unentschieden geben. Ein Unentschieden wäre eine Niederlage. Die Ukraine braucht die notwendige Unterstützung. Die Ukraine bezahlt ihren Widerstand mit dem Blut ihrer besten Menschen, und das sollte nicht als selbstverständlich angesehen werden.

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Dass hier 18 Likes stehen, lässt tief blicken punkto politische Bildung und Logik in GR und CH.
Immerhin las ich kürzlich betreffend Pokrowsk in einem anderen Medium als der in diesem Thema "ultra-einseitigen Somedia (Stichwort: Patrick Nigg)", dass sich Ukrainer diebisch freuen über die möglichst hohe Anzahl der von Ukrainern (und weiterer Westen-Personen) verursachten Tötungen und weiterer Schäden gegen Russland, was sie als eigentlichen Zweck der Sache darstellten. Was sich übrigens genau deckt mit einer früheren Aussage von USA-Senator Lindsey Graham.
Ein altes USA-Prinzip (sollte man also längst zu durchschauen fähig sein)! Zitat aus dem Buch "Fremdbestimmt" von Thorsten Schulte anno 2019: Der ehemalige US-Präsident Harry S. Truman bemerkte über Deutschland und Russland im Juni 1941: "Lasst sie sich doch gegenseitig so weit wie möglich ausrotten".
Klar, der Lachende Dritte. Der später was mit "seinen verblendeten vorgeblichen Freunden" tut? Die komplette USA-Historie schreit es einem doch ins Gesicht. Wenn man nicht verblendet wäre, taubstellen sich würde. Eben.
https://globalbridge.ch/wird-stalin-in-russland-rehabilitiert
Ich finde es echt zum Heulen, zukunftsvernichtend, wie sich hier die Mehrheit der Leser den wahren Kriegstreibern an den Hals unterwirft, instrumentalisieren lässt. Mit welchen Folgen ist zumindest mir klar.