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Warum nicht, Mama?

Warum nicht, Mama?

Kristina
Schmid
vor 5 Monaten in
LUISELLA PLANETA LEONI / PIXABAY

Beginnt das Chaos jeden Tag von vorn, sagen wir: Herzlich Willkommen im Familienleben. Unser Alltag reiht verrückte, bunte, profane und ab und zu unfassbar perfekte Momente aneinander. Das Leben als Mama oder Papa ist eine aufregende Reise, auf die wir Euch nun mitnehmen. Ganz nach dem Motto: Unser Alltag ist ihre Kindheit.

Wenn ich mit dem Grossen einkaufen gehe, spreche ich in Dauerrotation: Brauchen wir nicht, haben wir schon, leg das bitte zurück, nimm das nicht in den Mund. Und als hätte man nichts gesagt, landen Kinderschokolade, Gummibärchen, Fruchtquarks und Milchschnitten im Einkaufswagen. Und nehme ich die Zuckerbombe zu Teilen wieder heraus, folgt die obligate Frage: «Warum nicht, Mama?»

Ja, warum eigentlich nicht?

Ich sags euch: Kindererziehung ist doch irgendwie ein bisschen wie Politik. Der Ansatz ist meist gut (weniger Süssigkeiten), doch dann scheitert es an der Umsetzung aller Beteiligten (Mama braucht Bestechungsmittel). «Nein», das Wort der Stunde. Kompromisse eingehen ja, aber nur einseitig. Und die Konsequenz? Gute Frage.

Neuerdings habe ich den Bub dabei ertappt, wie er Sugus-Bonbons aus der Schublade «klaute». Als er merkte, dass ich ihn beobachte, rannte er wie vom Donner gerührt in das Badezimmer und anschliessend wieder zurück zu mir. «Luag Mama, i han nüt in da Händ. I essa sie, wenn Du mi nid gsesch. Versprocha.» Ich wollte was Gescheites sagen, aber aus meinem Mund kam nur lautes Lachen.

Oh, wie ich diese Phase liebe. Diese Ich-will-alles-selber-machen und Ich-will-absolut-alles-wissen-Phase. Nicht, weil ich gerne 700 mal am Tag eine Warum-Frage beantworte. Denn ich sags euch: Warum-Fragen sind mein Alltag.

«Warum haben Regenwürmer keine Beine?»

«Warum braucht es eine Antenne?»

«Warum heisst die Automarke VW?»

Wer auch immer gesagt hat, man solle den natürlichen Wissensdurst eines Kindes stillen, musste noch nie einen Lockdown mit einem bald Dreijährigen durchstehen, der etwa 700 Mal nacheinander fragen kann, weshalb denn nun Bäume aus Holz gemacht sind. «Ich weiss es nicht, frag Siri.»

Ich gebs zu: Manchmal, da wünschte ich mir ein Blasrohr mit Betäubungspfeil. Nur, um in Ruhe einen Kaffee trinken zu können, ohne dabei erklären zu müssen, aus was denn nun diese Bohnen gemacht sind.

Aber ja: Die meiste Zeit, da liebe ich es. Diese ehrliche, kindliche Neugier, die Welt verstehen zu wollen. Diesen Drang, noch mehr zu wissen. Und diese Lust, alles zu entdecken und zu erforschen. Und ich liebe die Kreativität, mit der sie mich ungewollt und gewollt immer wieder zum Lachen bringen.

Und wenn mein Grosser eines schafft, dann ist es genau das. Mich mindestens – mindestens – einmal am Tag laut zum Lachen zu bringen.

 «Darf i no es Schöggeli wili so guat gessa han?», fragte er, nachdem er notabene  eine Portion Chips verdrückt hatte.

Ganz ehrlich? Was hättet Ihr da gesagt?

Der Grosse: «Mama, kannst Du mich tragen?»
Ich: «Nein, Du bist inzwischen zu schwer, mein Schatz. Ich kann dich nicht mehr so viel herumtragen.»
Zwei Minuten später…
Der Grosse: «Mama, ich kann nicht mehr laufen. Ich bin einfach zu schwer geworden für meine Füsse.»

Konkludente Argumentationsketten, so wichtig!

Einen hab ich noch: «Mama, kannst du eigentlich einen Rückwärtssalto?»

Allein diese Frage und die ehrliche Annahme, es läge im Bereich des Möglichen, war es Wert, Mutter zu werden! Und jetzt muss ich los. Mein Grosser fragt bereits, warum ich noch immer am «Tasta-Drückerli» sitze.

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