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Wie junge Tüftler Wölfe im Glarnerland durch ihr Geheul aufspüren

Im Glarnerland wurden 30 Mikrofone getestet, die das Geheul von Wölfen aufnahmen. Damit sollen in Zukunft Wölfe und andere Tiere einfacher geortet werden können.

01.11.22 - 04:30 Uhr
Aus dem Leben

Einen Wolf mit einem Mikrofon orten? Genau das soll das Smart Mic (deutsch: das schlaue Mikrofon) des Start-up-Unternehmens Synature tun. Das junge Unternehmen besteht aus vier Studenten. Von August bis Ende Oktober testeten sie das Mikrofon in Wald und Gebirge des Glarnerlands. Dafür befestigten sie 30 Smart Mics an Bäumen, auf drei Metern Höhe, wie das Schweizer Radio und Fernsehen SRF berichtet.

In der Nacht zeichnet das Mikrofon dann von dort aus die Geräuschkulisse auf – je nachdem auch Wolfsgeheul. Ist Letzteres der Fall, kann man den entsprechenden Wolf auf 500 Meter genau orten, heisst es in einem Bericht des SRF.

Schlau und billig

Die vom Mikrofon aufgezeichneten Geräusche werden durch das Mobilfunknetz vom Mikrofon an einen Server weitergeleitet. Die verwendete künstliche Intelligenz wertet die Tonfrequenzen aus und bestimmt, ob es sich bei der Audioaufnahme um Wolfsgeheul oder um ein anderes Geräusch handelt. Die Geräusche, die nicht von einem Wolf stammen, löscht der Computer automatisch. Stammt das Geräusch tatsächlich von einem, so unterscheidet die künstliche Intelligenz zwischen dem Geheul eines Jungwolfs oder eines  ausgewachsenen Tieres.

Die Produktion des Smart Mic hat laut SRF 450 Franken pro Stück gekostet. Man könne aber davon ausgehen, dass der Preis noch sinken werde, wenn man die Mikrofone industriell herstelle, teilte Oliver Stähli, der Geschäftsführer von Synature, mit. Den genauen Preis kenne man noch nicht – aber im Vergleich zu jetzigen Ortungsmethoden werde dieser vergleichsweise billig sein, so Stähli weiter. 

«Würde Ressourcen sparen»

Wie Wildhüter Marco Banzer den «Glarner Nachrichten» gegenüber sagt, würden die Smart Mics einen «immensen» Fortschritt für die Wildhut bedeuten. «Mit den Smart Mics würde man viele Ressourcen sparen.» Damit meint er, dass das Smart Mic viele Informationen mit wenig Zeit- und Materialaufwand liefern könnte. 

«Mit den Smart Mics kann man nicht nur Wölfe orten, sondern auch Luchse und andere Tierarten.»

Marco Banzer, Glarner Wildhüter

Zwar würden Wildhüter und Wildhüterinnen heute schon mit Tonaufnahmen arbeiten, aber man müsse zusätzlich noch Fotofallen aufstellen, um ein Tier orten zu können, so Banzer. Teilweise spiele da auch Glück mit, sagt er. Auch betont er: «Mit den Smart Mics kann man nicht nur Wölfe orten, sondern auch Luchse und andere Tierarten.»

Mikrofone wieder heruntergenommen

Seit Sonntag hängen die Mikrofone aber nicht mehr an Glarner Bäumen, wie Oliver Stähli erklärt. «Der sogenannte Feldtest wurde am Sonntag abgeschlossen.» Der Test habe hauptsächlich dazu gedient, durch Tonaufnahmen von Wolfsgeheul und anderen Geräuschen Daten und Informationen zu sammeln. So könne man auch den Algorithmus verbessern, den die künstliche Intelligenz für die Geräuscherkennung braucht. 

«Der Feldtest wurde am Sonntag abgeschlossen.»

Oliver Stähli, Geschäftsführer Synature

Anhand dieser Informationen könnten sie beispielsweise herausfinden, wie Windverhältnisse oder Aussentemperaturen die Messungen beeinflussen, erklärt er weiter. Das Ziel sei, das schlaue Mikrofon bis 2024 auf den Markt zu bringen. «Wenn wir aber mehr finanzielle Mittel hätten, würde es schneller gehen», sagt Stähli. 

Loris Piva hat im Sommer 2022 die Kantonsschule in Glarus mit Maturität abgeschlossen - und noch kein konkretes Berufsziel. Er mag das Leben im Kanton Glarus und geht in seiner Freizeit gerne aufs Velo. Mehr Infos

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