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Was ist jenisch?

Auf Augenhöhe mit dem bekannten und dennoch unbekannten Volk: Die Jenischen laden Mitte Juni in der Oberen Au in Chur zur «Feckerchilbi» ein.   

Sarina
von Weissenfluh
16.06.22 - 11:11 Uhr
Aus dem Leben
Ein Stück jenische Geschichte: Daniel Huber, Präsident der Radgenossenschaft der Landstrasse, steht auf dem Campingplatz Rania in Zillis vor dem historischen jenischen Wohnwagen (2017). 
Ein Stück jenische Geschichte: Daniel Huber, Präsident der Radgenossenschaft der Landstrasse, steht auf dem Campingplatz Rania in Zillis vor dem historischen jenischen Wohnwagen (2017). 
Bild Archiv

Die Feckerchilbi sei eine alte Tradition, sagt Daniel Huber, Präsident der Radgenossenschaft der Landstrasse. In der Schweiz gebe es 35’000 Jenische. «Die meisten davon stammen aus den Kantonen Graubünden und Schwyz.» Deshalb finde die Chilbi dieses Mal in Chur statt – von Freitag, 17. Juni, bis Sonntag, 19. Juni.

Die Idee der Veranstaltung sei, die Leute zu den Jenischen einzuladen und die Vorurteile gegenüber dem jenischen Volk zu beseitigen. «Es geht darum, einander auf Augenhöhe kennenzulernen, miteinander zu sprechen und zusammen zu feiern», erklärt Huber. In einem grossen Festzelt wird für musikalische Unterhaltung gesorgt. Auf dem Gelände wird gezaubert, mit dem Feuer getanzt und Akrobatik vorgeführt. Für Kinder wird ein Puppentheater aufgeführt. An Marktständen bekommt man jenische Spezialitäten, Getränke und Antiquitäten angeboten.

Eine jahrhundertealte Tradition

Während der Veranstaltung gibt es auch eine Kulturausstellung, bei der das Leben des jenischen Volks von heute gezeigt wird. Die Radgenossenschaft wolle zeigen, was es heisse, jenisch zu sein. Daniel Huber selbst wird die Ausstellung präsentieren. «Jenische gibt es schon seit Jahrhunderten», erklärt er. Es gibt auch eine jenische Sprache. Anhand eines Wohnwagens von 1930 aus Holz wird gezeigt, wie die Jenischen früher gelebt haben und wie sie überall in der Schweiz gereist sind. Den Besucherinnen und Besuchern soll die Kultur des jenischen Volks nähergebracht werden.

Huber ist zuversichtlich, dass bei schönem Wetter auch viele Besucher kommen werden. Bisher hätten sie bei gutem Wetter eine hohe Besucherzahl gehabt.      

Landstreicher und Kessler

Fecker bedeutet eigentlich Landstreicher, ein eher abwertender Begriff. Der Name für die Chilbi werde irgendwann mal geändert, meint Huber deshalb. Mit solchen Begriffen würde die Genossenschaft nach und nach aufräumen. Das Volk wird verschiedentlich genannt: Kessler, Fahrende, Reisende und so weiter. «Die Betroffenen wollen als das bezeichnet werden, was sie sind, nämlich als Jenische.»

Sarina von Weissenfluh Seit dem 1. April 2022 arbeite ich für die Medienfamilie Südostschweiz als Volontärin in der gemeinsamen Redaktion von Zeitung/Online. Berufsbegleitend absolvierte ich den IMK-Lehrgang Medien an der FHGR. Mehr Infos

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