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Unter dem Wasserfall hindurch

Unter dem Wasserfall hindurch

Der Sommer steht vor der Tür, es wird wieder heiss. Wem kühlere Temperaturen mehr entsprechen, der ist bei diesem Ausflugstipp genau richtig: Auf zur Rofflaschlucht.

Philomena
Koch
12.05.22 - 04:30 Uhr
Aus dem Leben

Es ist ruhig auf dem Parkplatz beim Gasthaus zur Rofflaschlucht. Beinahe würde man meinen, hier gäbe es nichts Spannendes. 400 Jahre alt sollen die Mauern sein und boten schon früher Reisenden auf der Durchfahrt einen Rastplatz. Das tut es immer noch. Doch hinter dem Gasthaus versteckt sich ein weiteres Ausflugsziel: der Wasserfall in der Rofflaschlucht.

Hotel und Restaurant: Das Gasthaus Rofflaschlucht hat von Mai bis Oktober täglich geöffnet.
Hotel und Restaurant: Das Gasthaus Rofflaschlucht hat von Mai bis Oktober täglich geöffnet.
Bild Philomena Koch

Durch Höhlen und Steinbögen

Auch heute ist das Ausflugsziel von Mai bis Oktober problemlos mit dem Auto oder mit dem Postauto erreichbar und hat in dieser Zeitspanne täglich geöffnet. Die Postautohaltestelle befindet sich direkt vor dem Gasthaus und wird im Sommer stündlich befahren. Der Weg zur Rofflaschlucht startet an der Theke im Restaurant und führt in rund 15 Minuten bis zum Wasserfall – über einen felsigen und teils feuchten Pfad. Wobei das Geräusch von tosendem Wasser immer lauter wird. Durch Höhlen und Steinbögen erreicht man am Ende den Wasserfall. Und wer mag, kann einfach unter dem Hinterrhein hindurch gehen – mehr oder weniger trocken.

Video Philomena Koch

Von den Niagara-Fällen nach Andeer

Erbaut haben diesen Pfad damals Christian Melchior und seine Familie, die Besitzer des Gasthauses, welche es bis heute betreiben. Als im Jahr 1882 die Gotthard-Eisenbahn eröffnet wurde, blieb der Transitverkehr fast vollständig aus, und immer weniger Gäste hätten das Restaurant in der Rofflaschlucht besucht. Also beschloss die Familie Melchior, von dem Dorf Andeer nach Amerika auszuwandern. Zu dieser Zeit wurde die Überfahrt zu dem neuen Kontinent nämlich bezahlt. Dort habe Christian als Diener gearbeitet und sei als solcher bei einer Amerikareise an den Niagara-Fällen vorbeigekommen. So habe er zum ersten Mal gesehen, wie man mit Naturschönheiten Geld verdienen konnte. Daraufhin entschieden sich die Auswanderer dazu, in die Rofflaschlucht nach Andeer zurückzukehren und den Wasserfall als Sehenswürdigkeit für Touristen anzuschliessen. Dabei war Christian selbst der Ruf als «Spinner vom Dorf» gleichgültig. Sieben Jahre Arbeit und 800 Sprengladungen später war das Haus der Familie Melchior mit dem Wasserfall im Jahr 1914 erschlossen. 

Die ganze Geschichte kann man sich vor Ort durchlesen. Doch der Preis für die Besichtigung ist auch heute noch eher ein Anstandspreis und sicherlich nicht mit dem der Niagara-Fälle zu vergleichen: Erwachsene können für 4 und Kinder für 2.50 Franken zu der Attraktion.

Die Geschichte vom Wasserfall: Im Kinderbuch erfährt man mithilfe von Illustrationen mehr über die Vergangenheit der Rofflaschlucht.
Die Geschichte vom Wasserfall: Im Kinderbuch erfährt man mithilfe von Illustrationen mehr über die Vergangenheit der Rofflaschlucht.
Bild Philomena Koch

Das Restaurant und die Umgebung

Nebst dem Schluchtbesuch lohnt sich ein Aufenthalt im Restaurant selber. Dort wird man mit Spezialitäten des Hauses wie frischen Forellen, Rösti oder einer Rösti-Pizza verwöhnt. Auch Hotelzimmer können in der Rofflaschlucht gebucht werden. Wer etwas mehr Zeit hat, sollte sich auf jeden Fall noch etwas in der Umgebung umschauen. Eine weitere sehenswerte Schlucht befindet sich nämlich ganz in der Nähe: die Viamala-Schlucht. Zudem kommt man in ungefähr zehn Autominuten zu dem Sufnersee, der besonders mit seiner Farbe beeindruckt. Direkt neben dem Stausee befindet sich das Festungsmuseum Crestawald, ein weiteres mögliches Ausflugsziel. Zum ersten Mal seit 60 Jahren wird es ab dem Juni seine Türen öffnen und Besuchenden eine Führung durch das Artilleriewerk ermöglichen. (kop)

Philomena Koch ist freie Mitarbeiterin bei der «Südostschweiz» und schreibt für «suedostschweiz.ch». Sie studiert aktuell im sechsten Semester Multimedia Production an der Fachhochschule Graubünden und schliesst im September 2022 ihr Bachelorstudium ab. Mehr Infos

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