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Und es gibt sie doch!

Es gibt keine Buchen in Davos», behauptete die DZ in ihrer letzten Ausgabe. Mitnichten, kaum war die Zeitung erschienen, sandte Förster Andreas Kessler das untenstehende Bild. Es war am 22. Oktober aufgenommen worden und zeigt die einzige Davoser Buche im schönsten Herbstkleid. Ihr Standort befindet sich auf einem Privatgrundstück ganz oben an der Börtjistrasse.

Barbara
Gassler
26.11.22 - 06:39 Uhr
Aus dem Leben
Die einzige Buche in Davos: Inzwischen ein Baum von wohl stolzen 200 Jahren.
Die einzige Buche in Davos: Inzwischen ein Baum von wohl stolzen 200 Jahren.
zVg

Der Baum war schon dem Davoser Landschaftsarzt und Botaniker Wilhelm Schibler (1861 bis 1931), bekannt. Er kartierte die Bergflora rund um Davos und widmete ihr in seiner 1937 erschienenen «Flora von Davos» einen speziellen Eintrag: «Ob Davos-Dorf, nahe am Schiatobel bei 1670 m ein einziger circa 4 m hoher Baum im Schutze eines mächtigen Felsblockes und denselben kaum überragend.» Diese Beschreibung passt aber kaum mehr zu dem stattlichen Baum auf dem Bild. In den vergangenen fast 100 Jahren entwickelte sie sich prächtig und dürfte inzwischen wohl an die 200 Jahre zählen. Denn sie wurde schon 1882 von Otto Geissler in seiner «Flora von Davos» als Baum erwähnt. Damals muss sie wohl schon an die 50 Jahre gezählt haben. So lange dauert es, bis Buchen, die gut und gerne bis zu 300 Jahre alt werden können, überhaupt als Baum wahrgenommen werden.

Doch wie ist sie dahin gekommen? Denn eigentlich gibt es keine Buchen im Landwassertal. In «Flora von Graubünden» von J. Braun-Blanquet, und Eduard Rübel von 1932 wird der «Buchenbezirk» wie folgt angegeben: «Verbreitet aus der Herrschaft bis Klosters-Monbiel». Der höchste Standort wird in dieser Publikation «ob Klosters Dörfli Schwanzmähder, oberste Buche 1620 m» angegeben. Damit dürfte die Davoser Buche wohl die am höchsten stehende im Kanton sein. Höhere Fundorte sind nur noch aus dem Wallis bekannt.

Was ist mit dem Davoser Exemplar? Wurde sie einst von einem hoffnungsvollen Liebhaber gepflanzt oder ist sie ist vielleicht das Resultat eines weit gereisten Eichelhähers? Wie auch immer. «Die Buche spiegelt im Raum Davos den Klimawandel augenscheinlich. Entlang der Bahnstrecke Klosters-Davos zeigt sie sich mehr und mehr im Unterholz», ergänzt Botanikerin Veronika Stöckli das Wissen und fragt: «Könnte also sein, dass die ­gute alte Börtji-Buche nicht mehr lange allein dasteht?» Voraussetzung dafür ­wäre allerdings, dass sich die Besitzer des Grundstücks dieses speziellen Baums ­bewusst sind und ihn bei der Planung der bereits vorgesehenen Bebauung berücksichtigen.

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