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Schiers zur schulischen Kündigung entschlossen

Die Gemeinde Schiers will den Mittelprättigauer Schulverband verlassen. Grund sind auch die Finanzen.

Béla
Zier
17.02.22 - 17:14 Uhr
Aus dem Leben
Schulischer Alleingang: Bei einem Austritt aus dem Schulverband müsste die Gemeinde Schiers in Zukunft ihren Schulbetrieb in Eigenregie organisieren.
Schulischer Alleingang: Bei einem Austritt aus dem Schulverband müsste die Gemeinde Schiers in Zukunft ihren Schulbetrieb in Eigenregie organisieren.
Bild: Melanie Duchene / Keystone

Ein gemeinsamer Schulverband sei in erster Linie deswegen von Vorteil, weil er den Gemeinden pädagogische Entwicklungsmöglichkeiten schaffe, zu denen sie alleine nicht imstande wären. Das hielt die 2012 zur Prüfung eines Schulverbands mit der Beteiligung von Fideris, Furna, Jenaz und Schiers eingesetzte Projektgruppe fest. Die vier Gemeinden befürworteten das Zusammengehen, 2013 wurde der Verband (FFJS) gegründet. Die in dieser Organisation geführten Kindergärten, Primarschulen sowie die in Schiers ansässige Oberstufe werden im laufenden Schuljahr 2021/22 von insgesamt rund 510 Mädchen und Buben besucht. Bald könnten es wesentlich weniger sein, denn Schiers will den Verband verlassen.

Man habe entschieden, dem Stimmvolk den Austritt aus dem Schulverband zu beantragen, heisst es in einer Medienmitteilung des Schierser Gemeindevorstands. Bereits am 18. März wird dazu eine vorberatende Gemeindeversammlung abgehalten, die entscheidende Urnenabstimmung ist auf den 15. Mai angesetzt. Zur angestrebten Trennung geführt haben organisatorische und finanzielle Fragen, für die aus Schierser Optik kein Konsens gefunden werden konnte. 

Weniger Kosten mit Alleingang

Im Verlauf des Verbandsbestehens hätten sich einige Strukturfehler und Schwächen gezeigt, heisst es in der Mitteilung. Darum seien 2020 auf Initiative der Gemeinde Schiers mit den weiteren Gemeinden die «kritischen Punkte» besprochen worden, die mittels einer Statutenrevision hätten angepasst werden sollen. Zu einer Übereinstimmung sei es jedoch nicht gekommen, deshalb erachte man die «Nachteile für einen Verbleib mit den heutigen Rahmenbedingungen als nicht gerechtfertigt», insbesondere was die Einflussmöglichkeiten der Gemeinde, aber auch die Kostenverteilung betreffe, so die Schierser Exekutive.

Die Kosten für den Betrieb des Verbands werden gemäss dessen Statuten im Verhältnis zur Schülerzahl (70 Prozent) und zur Einwohnerzahl (30 Prozent) der Gemeinden aufgeteilt. Schiers fällt aufgrund dieser Faktoren jeweils der Hauptteil zu. Vom für 2021/22 budgetierten FFJS-Nettoaufwand von rund 6,98 Millionen Franken wird Schiers mit 4,16 Millionen Franken belastet. Der Verteilschlüssel entspreche nicht dem Schierser Stimmkraftanteil im fünfköpfigen FFJS-Schulrat, kritisiert Joe Nüesch. Er ist Schierser Bildungsvorsteher und vertritt die Gemeinde nebst Lukas Bardill im FFJS-Schulrat. Dies ist aber nur einer der Kritikpunkte. Wie Nüesch ausführt, hat die Gemeinde vermutet, dass sie aufgrund der Verbandsstrukturen für den Kindergarten- und Primarschulbetrieb zu viel bezahlt. Man habe eine Gegenrechnung erstellt, und diese habe aufgezeigt, dass wenn Schiers die Kindergärten und Primarklassen in Eigenregie führte, dies «mit hoher Wahrscheinlichkeit weniger Kosten verursachen würde». Ein weiterer der «kritischen Punkte» betrifft das der Gemeinde Schiers gehörende Oberstufenschulhaus. Dieses hat der Schulverband gemietet, doch die im Mietzins inkludierten Nebenkosten würden den Aufwand der Gemeinde nicht decken, bemängelt Nüesch.

«Wären auf gutem Weg gewesen»

Die Fideriser Gemeindepräsidentin Marianne Flury, ebenfalls Mitglied im FFJS-Schulrat, sagt zum im Raum stehenden Austritt von Schiers: «Das ist ein bisschen irritierend und enttäuschend.» Man verstehe die Anliegen von Schiers und sei aufeinander zugegangen. Sie sei der Meinung, dass man auf einem guten Weg gewesen wäre, aber der Gemeinde Schiers sei dieser Prozess «vielleicht zu wenig schnell gegangen». Man habe in den letzten Jahren nie gegen Schiers entschieden, nun sei sehr viel Vertrauen kaputt gegangen, so Flury.

Sollte das Schierser Stimmvolk den Austritt beschliessen, müsste eine zweijährige Kündigungsfrist eingehalten werden. «Diese kann für weitere Verhandlungen und für das Umsetzen allfällig neuer Strukturen genutzt werden», hält die Gemeinde Schiers fest. Will man mit der Ankündigung zum Ausstieg Druck auf den Schulverband ausüben? Der Schierser Bildungsvorsteher Nüesch sagt: «Es ist schwierig. Wir befinden uns in einer verfahrenen Situation, in der es vielleicht einfach mal andere Mittel braucht.» Als sinnvolle Option bezeichnet er die Fortführung der Oberstufe in einem gemeinsamen Schulverband.

Béla Zier ist Redaktor der gemeinsamen Redaktion Online/Zeitung «Südostschweiz» und «suedostschweiz.ch» und berichtet über die Region Davos und das Prättigau. Er ist seit 1993 für die Medienfamilie Südostschweiz tätig und arbeitet dort, wo er auch wohnt. In Davos. Mehr Infos

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