Physik statt Technik
DZ: Die Nachhaltigkeit wurde im Projektausschrieb ausdrücklich gefordert. Wann kam Ihnen das erste Mal die Idee, die Aufgabe genau so zu lösen, wie sie es tun?
Marc Ritz: Grundsätzlich wurde ein nachhaltiges Konzept gefordert – immerhin macht in der Schweiz der Gebäudesektor durch Abriss und Neubau rund ein Viertel der totalen CO₂-Emissionen aus – und ein Gebäude bestand schon. So war von Anfang an ein Grundthema, ob der Bestand gewahrt und nutzerspezifisch erweitert werden kann. Das war der erste Impuls. Nachdem klar war, dass es passt, ergab sich die Frage, wie weitere nachhaltige Massnahmen getroffen werden können, um diesen Bestand zu erweitern.
Welche Herausforderungen ergeben sich aus dieser Herangehensweise?
Beim Bauen mit Bestand ist immer der Kontext sehr wichtig. Es gibt einen Schulbetrieb. Man muss schauen, wie man das zusammenbringt. Jedoch wäre diese Betrachtung auch bei einem Neubau der Fall. Das andere grundsätzliche Thema ist, wie der Bestand wirklich gebaut ist. Man muss sich die Bauteile anschauen, die Deckenstärken, die Wände. Wir schauten es uns heute noch einmal mit einem Statiker an, und es sieht gut aus. Die Herausforderung ist nun herauszufinden, wie die Eingriffe gemacht und wie sie sich in den Bestand einfügen werden. Diese Schnittpunkte werden die Herausforderung sein.
Und welche Vorteile ergeben sich?
Es wurden Konzepte mit Einsparung von Grauer Energie gefordert, und so ist der Hauptvorteil die Einsparung von CO₂. Denn in dem Gebäude ist bereits viel Energie gespeichert. Wenn wir es abreissen und neu bauen würden, würde es einfach als Bauschutt irgendwo enden, und wir müssten alles neu erzeugen. Somit haben wir die Möglichkeit, bei einem Gebäude, das von der Struktur her eigentlich intakt ist, diese zu nutzen. Das kann und sollte man machen, wen man Ambitionen bezüglich der Einsparung von CO₂-Emissionen hat. Wie viel das sein wird, wird man allerdings erst wissen, wenn die Bauteile geöffnet und genau angeschaut sind. Grob geschätzt kann man sagen, dass rund 40 Prozent des Gebäudes bereits bestehen und nur noch 60 Prozent neu gebaut werden müssen.