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Pferd, Ross, Biene und Wäspi

Es ist eine wilde Woche auf dem Biohof Hilarien in Chur gewesen. Eine Reportage über das Programm «Deutsch für die Schule» in den Sommerferien.

Bündner Woche
09.08.22 - 04:30 Uhr
Aus dem Leben
Sprache erleben: Auf dem Biohof Hilarien wird Schweizerdeutsch gelernt und erlebt.
Sprache erleben: Auf dem Biohof Hilarien wird Schweizerdeutsch gelernt und erlebt.
Lorena Tino

von Lorena Tino

Die lange Treppe überwunden. Nun noch ein kurzer Aufstieg und da sind wir. Auf dem Biohof Hilarien über den Dächern der Stadt Chur. Hier wurde erstmals die Sommerferienwoche, organisiert vom Programm «Deutsch für die Schule» der Stadt Chur, umgesetzt. In der Einfahrt sind zahlreiche Bobby-Cars neben einem Steckenpferd und einem Traktor parkiert. Die Kinder sitzen hinter dem Haus im Schutze des grünen Sonnensegels beim «Znüni». Doch lange dauert die Pause nicht. Schon bald verteilen sich die Kinder wieder auf ihre Gefährte und sausen den Hügel hinunter. Aber nicht alle. Einige haben noch ein «Ämtli» zu erledigen. Mit Schaufel und Karrette sammeln sie selbstständig den Mist auf der Pferdeweide ein. Doch worum ging es hier noch mal? Deutsch lernen. Genau.

Sprechen, hören, fühlen

Das Programm «Deutsch für die Schule» möchte fremdsprachige Kinder im Spielgruppenalter auf die Einschulung in den Kindergarten vorbereiten. Während des spielerischen Programms auf dem Biohof Hilarien wird stets Schweizerdeutsch gesprochen. Lieder gesungen, die Natur erkundet und einander unterstützt. All das gehört zum Alltag während der Tage auf dem Hof. Es handelt sich also nicht um einen Sprachkurs, sondern um ein lehrreiches Erlebnis. Das Programm ermöglichte vorgängig den fremdsprachigen Kindern, im Jahr vor ihrem Kindergarteneintritt an zwei Halbtagen pro Woche Deutsch zu lernen. Denn viele dieser Kinder haben in ihrem Alltag keine Berührungspunkte mit der Landessprache. Die Eltern wie auch das Umfeld sind meist fremdsprachig. Um das Gelernte zu festigen, konnten sie nun während einer Woche morgens auf dem Hof mithelfen, spielen und viel lernen. Nebst ausmisten, Eier einsammeln und Bobby-Car-Rennen wurde also fleissig Schweizerdeutsch gesprochen. Dabei wurden neue Wörter gelernt, wiederholt und gefestigt. Ganz einfach. Nebenbei. Geleitet wurde die Erlebniswoche von den drei Spielgruppenleiterinnen Natalie Prevost, Sarah Müller und Flavia Brüesch. Letztere ist auch die Gastgeberin hier auf dem Hof. «Viele Kinder waren noch gar nie richtig in der Natur oder im Dreck. Das war eine ganz neue Erfahrung, aber sie haben sich schnell angepasst und auch grossen Spass daran», lässt sie uns wissen. Die Kinder würden so die neuen Worte oder Ausdrücke, die sie lernen, mit Erlebnissen verbinden. Doch zurück zum Geschehen auf dem Hof.

«Ämtli»: Die Kinder packen auf dem Hof mit an und helfen sogar beim Ausmisten.
«Ämtli»: Die Kinder packen auf dem Hof mit an und helfen sogar beim Ausmisten.
Lorena Tino

Plaudern und Kichern

Vor dem Haus waschen einige der Kinder fleissig ihre Bobby-Cars, Trampel-Traktor und Mini-Lastwagen, um danach wieder schnell damit um den Garten zu kurven. Andere malen mit Kreide auf den Asphalt und wieder andere rennen mit dem Stecken-Pferd in der Gegend umher. All das begleitet von fröhlichem Plaudern und Kichern. Ein Mädchen und ein Junge bücken sich über einen Kessel voll Wasser. Bei genauerem Betrachten ist zu erkennen, dass sie Eierschalen auswaschen. «Wenn sie sauber und trocken sind, werden sie gemahlen und den Hühnern wieder verfüttert, gell?», lässt sich Leiterin Natalie Prevost von den fleissigen Helferlein bestätigen. 

«Pancakes und Nicecream»

Eine Runde ums Haus lässt entdecken, wie einige Jungs die beiden Pferde Rumba und Duquesa betrachten und ihnen Grasbüschel als Futter entgegenstrecken. Keine Spur von den anfänglichen Berührungsängsten auf dem Hof. Ein Türknallen lenkt die Aufmerksamkeit auf den rostroten Bauwagen, der hinter dem grünen Sonnensegel steht. Wir treten ein und erblicken zwei Mädchen, an einem langen, tiefen Tisch. Sie sind konzentriert beim Stempeln und Malen, während Leiterin Flavia Brüesch Pfannkuchenteig anrührt. «Heute gibt es ‹Pancakes mit Nicecream›, ein gesundes Glacé, zum Zmittag», verrät sie den Grund für das Gerühre. Die Eier wurden zuvor von den beiden Mädchen gesammelt und sorgfältig aufgeschlagen. Nach und nach schliesst sich wieder ein Kind der Stempelgruppe an. Sie basteln an kleinen Wimpeln, die sie dann mit nach Hause nehmen dürfen. Den Stempelabdrücken ihrer Finger fügen sie das eine oder andere an, sodass daraus Tiere entstehen.

Stets bewegt: Egal ob auf dem Bobby-Car, dem Steckenpferd oder einfach zu Fuss.
Stets bewegt: Egal ob auf dem Bobby-Car, dem Steckenpferd oder einfach zu Fuss.
Lorena Tino

Eine wilde Woche

Der Duft der Pfannkuchen, die sich in der Pfanne bräunen, macht sich im Bauwagen breit. Mit dem Duft auch der Hunger. So häufen sich Aussagen wie: «Hunger», «Wann essen wir?», «Juhu Pancakes!». Stets auf Schweizerdeutsch versteht sich. Flavia Brüesch und ihre Kolleginnen blicken auf eine erfolgreiche Woche zurück. «Es war so schön zu sehen, wie toll sich die Kinder gegenseitig helfen. Sie haben grosse Fortschritte gemacht und auch die Eltern sind sehr dankbar. Ich denke, die Kinder können viel aus dieser Woche mitnehmen», so die Gastgeberin, während sie die Pfannkuchen wendet. Dieses Mittagessen wird der Abschluss einer wilden Woche. Es wurde vieles gelernt, entdeckt und erkundet. Wild wird bestimmt auch der Kampf um die leckeren Pfannkuchen. So verabschieden wir uns, bevor dieser losgeht und verlassen den Hof in der Mittagssonne mit grossem Appetit auf «Pancakes mit Nicecream».

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