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Näfelser erfindet eine mobile Dusche

Die Idee von Thomas Landolt ist so simpel wie clever. Damit beim Umbau des Badezimmers nicht auf den Komfort des Duschens verzichtet werden muss, entwickelte der Näfelser eine mobile Dusche.

Marco
Lüthi
15.11.22 - 04:30 Uhr
Aus dem Leben
Eine geniale Idee: Thomas Landolt aus Näfels hat eine mobile Dusche aus rostfreien Materialien entwickelt.
Eine geniale Idee: Thomas Landolt aus Näfels hat eine mobile Dusche aus rostfreien Materialien entwickelt.
Bild Sasi Subramaniam

Die vier am Metallrahmen aufliegenden Vierkantrohre klappt Thomas Landolt senkrecht nach oben, und er arretiert sie am Scharnier mit je einer Schraube. Landolt zieht an den Rohren. «Klick», «klick»: Die Noppen der jeweils drei ineinander geschobenen Rohre rasten in die beiden Löcher ein. Das nun zwei Meter hohe Gestell dreht Landolt um, und er hebt es über den Kopf stemmend auf die vier langen Zapfen in den Ecken der Duschwanne. Mit zwei Schrauben befestigt er anschliessend das Aluminiumblech mit der Armatur und dem Shampoo-Körbchen, um danach auf das nackte Gestell über drei Seiten die blaue Blache zu spannen und sie mit Druckknöpfen zu befestigen. Mit den letzten Handgriffen werden noch die Handbrause samt Schlauch montiert und der Duschvorhang aufgehängt.

Thomas Landolt zeigt im Video, wie die mobile Dusche aufgebaut wird.

Nach gut fünf Minuten steht die Dusche. Zweifelsohne sitzt bei Thomas Landolt jeder der wenigen Handgriffe. Eine Anleitung dafür hat er noch nie gebraucht, schliesslich entstammt der Bauplan seinem Kopf. Seit 2018 vermietet der 35-jährige Näfelser die von ihm entwickelte mobile Dusche, die bei Badezimmer-Umbauten in Wohnhäusern eingesetzt wird.

Eine sperrige Box als Chance

Thomas Landolt wollte schon immer sein eigenes Geschäft aufbauen. 2015 bot sich ihm diese Gelegenheit. Von einem Vermieter von Bad-Anhängern aus dem Zürcher Unterland konnte er zwei Anhänger übernehmen – einen kleinen und einen grossen. «Relativ schnell musste ich aber feststellen, dass es gar nicht das ist, was die Kunden bei einem Umbau ihres Bads wollen», sagt Landolt. Statt einem Badezimmer auf Rädern vor dem Haus hätten die meisten viel lieber eine Ersatzdusche im Haus gehabt. «Zudem fehlte oft auch der Platz für einen Anhänger», sagt Landolt. Deshalb war für ihn klar: Eine platzsparende und einfache Lösung fürs Haus muss her. Aber wie umsetzen?

«Die improvisierte Ersatzdusche funktionierte nach kleinen Anpassungen – das Wasser lief anfangs nicht gut ab – erstaunlich gut.»

Thomas Landolt, Jungunternehmer aus Näfels

Zu dieser Zeit arbeitete der gelernte Schlosser als Sanitär. Mit mehreren Berufsleuten sprach er über seine Idee. «Sie alle meinten aber nur: ‘Wenns umsetzbar wäre, hätte das schon längst jemand entwickelt.’» Doch Landolt war immer noch fest davon überzeugt: «Irgendwie muss es doch funktionieren!»

Schliesslich spielte ihm der Zufall in die Hände. Bei einem Umbau sollte eine sperrige festinstallierte Duschbox im Keller aufgestellt werden, doch sie passte nicht durch die Türen des alten Hauses. Diese waren allesamt schmaler als die 90 Zentimeter breite Box.

Aus Blechen baute Landolt eine Unterkonstruktion für die handelsübliche Duschwanne sowie drei Seitenwände für die Kabine obendrauf. «Die improvisierte Ersatzdusche funktionierte nach kleinen Anpassungen – das Wasser lief anfangs nicht gut ab – erstaunlich gut», erinnert sich Landolt. Doch er musste feststellen, dass sie trotz mehrfachem Lackieren immer wieder zu rosten begann. Heute verwendet er nur noch rostfreie Materialien.

Ein Sieb gegen Fäkalien

Seit sechs Jahren tüftelt Thomas Landolt an der Ersatz-Dusche herum, und er optimiert sie fortlaufend. «Mein Ziel ist es, ein professionelles Sortiment anbieten zu können und kein Gebastel.» Qualitätskontrollen gehören da selbstverständlich mit dazu. «In fast jeder Version habe ich probegeduscht», sagt Landolt lachend. Bei der zehnten, die bald folgen soll, sei das aber nicht nötig, da nur das Material ändert. Die Duschwanne ist neu aus Metall und nicht mehr aus Kunststoff. Ausserdem bekommt der Abfluss ein Sieb. Aus gutem Grund: «In diesem Jahr kam es schon zweimal vor, dass Fäkalien die Abwasserpumpe der Dusche verstopft haben», erzählt Landolt. Die leistungsfähige Pumpe kann das Duschwasser im Normalfall durch den gelben, 2,5 Zentimeter dicken Schlauch bis zu 20 Meter weit pumpen.

Thomas Landolt vermietet unterdessen zwölf mobile Duschen. Zehn davon stehen zurzeit in Häusern, in denen das Bad saniert wird. Etwa in Baden, Uster, Winterthur oder Reinach. Vom Lager im Schneisingen in Näfels gelangen die Duschen auf einer Euro-Palette per Lastwagen zu Landolts Kunden in der ganzen Deutschschweiz. «Zusätzlich zu den Duschen werden oft auch WCs gemietet», sagt Landolt. Eine normale weisse Keramikschüssel, bei der aber das Abwasser elektrisch abgesaugt und über eine Fäkalienpumpe mit integriertem Häcksler ins bestehende Abwassersystem geleitet wird.

Die Anleitung und der Handwerker-Stolz

Aufgebaut wird die mobile Dusche von den Kunden meist selbst. Eine mitgelieferte Anleitung hilft ihnen dabei. Mit dieser sei es keine Hexerei, ist Landolt überzeugt. «Bei unerfahrenen Heimwerkern habe ich manchmal ein besseres Gefühl als beispielsweise bei Fachleuten aus dem Sanitärbereich», sagt der 35-Jährige. «Der eine geht Punkt für Punkt durch, der andere hingegen wirft die Anleitung in die Ecke, da er sich sagt: ‚Ich bin doch Handwerker, ich schaff das sicher ohne’.» Landolt lacht.

Durchschnittlich sind Landolts kompakte Ersatz-Badezimmer bei Sanierungen in Einfamilienhäusern vier Wochen im Einsatz. Bei Mehrfamilienhäusern liegt die Einsatzdauer zwischen zwei und drei Monaten. Auch vereinzelte grössere Projekte realisiert Landolt im Jahr. Im «Raum-in-Raum-System» werden mit Messebauelementen beispielsweise in Velokellern ganze Badezimmer eingebaut – mit WC, Waschtisch und Spiegel, Dusche, Steckdosen und Licht.

«Zusätzlich zu den Duschen werden oft auch WCs gemietet.»

Thomas Landolt, hat eine mobile Dusche entwickelt

Hauptberuflich arbeitet Thomas Landolt als Lastwagenchauffeur im elterlichen Transportunternehmen in Näfels. Ab nächstem Jahr möchte er dort das Pensum weiter reduzieren und das Engagement für seine Firma Dein-Ersatzbad.ch auf 40 Prozent erhöhen. Denn an Zukunftsvisionen fehlt es ihm nicht. Unter anderem schwebt ihm eine Ersatz-Dusche für ältere und pflegebedürftige Personen vor, die er entwickeln möchte.

An der Pumpe lauschen

Werden die temporären Badezimmer in den Heizkellern oder den Waschküchen nicht mehr gebraucht, werden sie auseinandergebaut und wieder auf die Holzpalette gepackt. Zurück im Schneisingen in Näfels kontrolliert Thomas Landolt sämtliche Bauteile. Für die Pumpen hat er eigens eine Teststation entwickelt. «Beim simulierten Wasserdurchlauf lässt sich durch das Geräusch sagen, ob die Pumpe in Ordnung ist oder revidiert werden muss.» Anschliessend gibt es eine erste Reinigung. Kurz bevor die Dusche dann wieder versandt wird, folgt das hygienische Finish. Die beauftragte Reinigungsfachfrau mache dies äusserst gründlich und gewissenhaft, sagt Landolt stolz. «Oft benutzt sie dafür sogar eine Zahnbürste.»

Marco Lüthi ist Redaktor und Produzent bei den «Glarner Nachrichten» in Ennenda. Mehr Infos

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