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In Braunwald etwas über Flechten lernen

Am Sonntag wird in Braunwald ein Flechten-Lehrpfad eröffnet. Die unscheinbaren Lebewesen haben ihre faszinierenden Seiten.

Südostschweiz
05.10.22 - 04:30 Uhr
Aus dem Leben
Sie gedeiht auf alten Laubbäumen: Den Namen verdankt die Echte Lungenflechte (
Sie gedeiht auf alten Laubbäumen: Den Namen verdankt die Echte Lungenflechte (
Bild Christoph Scheidegger

Sie blühen nicht und ihr Aussehen scheint flüchtig betrachtet wenig spektakulär: Manche Flechten an Zaunpfosten erinnern an abblätternde Farbe, andere auf Steinen an plattgewalzte Kaugummis. Diesen Lebewesen einen Lehrpfad zu widmen, braucht Mut. Zumindest auf den ersten Blick. «Flechten sind faszinierende Doppelwesen», rühmt Tobias Kalt, Fachspezialist Waldbiodiversität bei der kantonalen Abteilung Wald und Naturgefahren, die weitverbreitete, aber kaum bekannte Artengruppe.

Tatsächlich handelt es sich bei Flechten um eine Lebensgemeinschaft zwischen Pilzen und Algen, seltener einem Bakterium. Die unterschiedlichen Partner sind so eng ineinander verflochten, dass sie als ein einziger Organismus funktionieren. Rund 2000 Flechtenarten sind in der Schweiz bekannt. Noch immer werden neue entdeckt. Im feuchten Klima des Kantons Glarus gedeihen besonders viele. Das wurde 2021 durch eine Untersuchung in Glarus Nord erneut bestätigt. Auch viele seltene Flechten kommen bei uns vor, darunter 20 baumbewohnende Arten, deren Schutz nationale Priorität hat. Dies sei mit ein Grund, warum die Abteilung Wald und Naturgefahren Flechten ins Scheinwerferlicht rücke, erklärt Kalt. «Sie haben eine grosse Bedeutung für die Naturvielfalt im Wald.» Dafür wolle man sensibilisieren.

Gefährdete Spezialisten

Viele Flechten sind auf eine naturnahe Bewirtschaftung der Wälder angewiesen. Einige gedeihen nur auf sehr alten Bäumen. Ihr Vorkommen hilft Förstern, solche ökologisch wertvollen Biotopbäume zu erkennen und zu fördern. Obwohl Flechten oft an Extremstandorten gedeihen, gilt: Je spezialisierter eine Art ist, desto eher ist sie durch negative Umwelteinflüsse gefährdet. So freut es, dass die Echte Lungenflechte Lobaria pulmonaria, eine Zeigerart für gute Luftqualität, in Braunwald vorkommt. Sie ist eine der Arten, deren Besonderheiten der neue Lehrpfad offenbart.

Der Flechten-Lehrpfad ist das jüngste Kind der App «Glarner Waldperlen». Mit dieser stellt der Kanton der Bevölkerung seine Waldreservate und besondere Artengruppen vor. Der neue Lehrpfad besteht aus acht Stationen zwischen der Bergstation der Braunwaldbahn und dem Restaurant «Nussbühl».

Nur der Anfang und das Ende des Lehrpfades sind mit Tafeln markiert. Unterwegs meldet sich die App über das Smartphone akustisch, wenn man sich in der Nähe einer Infostation befindet. An diesen enthüllen Beiträge in Glarner Mundart Kindern und Erwachsenen Erstaunliches über Flechten von ihrer speziellen Fortpflanzung bis zu ihrer Verwendung in der Parfümindustrie. «Der Kanton will mit dem Lehrpfad auf das spannende Universum der Flechten aufmerksam machen», sagt Tobias Kalt.

* Monica Marti ist Co-Leiterin des Naturzentrums Glarnerland.

Eröffnung Flechten-Lehrpfad

Am Sonntag, 9. Oktober, wird der Flechten-Lehrpfad in Braunwald eröffnet. Er startet bei der Bergstation der Braunwaldbahn und wird selbstständig absolviert. Dafür benötigt man ein Smartphone und die App «Glarner Waldperlen», die auf der Webseite des Kantons oder von den App-Stores heruntergeladen werden kann. Am Eröffnungstag betreuen Mitarbeitende der Abteilung Wald und Naturgefahren von 13 bis 17 Uhr mehrere Posten. Sie helfen Kindern bei den Rätseln, zeigen Experimente und beantworten Interessierten Fragen. Auch die «Bruuwalder Spiillüt» sind mit von der Partie und sorgen für Unterhaltung. Im Restaurant «Nussbühl» wartet auf alle eine süsse Überraschung. Der Weg hin und zurück dauert rund zwei Stunden. Wer kann, bringt eine Lupe und eine Trinkflasche mit. Fragen zur Eröffnung beantwortet die Abteilung Wald und Naturgefahren unter: wald@gl.ch (mm)

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