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Die Amphibien in der Region brauchen unsere Hilfe

Der regenlose Frühling und der trockene Sommer hat den lokalen Amphibien das Leben schwer gemacht. Renata Fulcri, Regionalvertreterin für die Amphibien im Kanton Graubünden, erklärt weshalb.

Südostschweiz
05.09.22 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit
Weiher sind wichtig: Amphibien sind darauf angewiesen, dass sie es von Gewässer zu Gewässer nicht allzu weit haben.
Weiher sind wichtig: Amphibien sind darauf angewiesen, dass sie es von Gewässer zu Gewässer nicht allzu weit haben.
Bild Pixabay

von Andrea Sabadi und Mara Schlumpf

Renata Fulcri, wegen des ausgebliebenen Regens im März fanden keine Amphibienwanderungen statt. Hat sich seither etwas geändert?

Renata Fulcri: Anfang April kam es zu ganz kurzen Regenperioden. Blickt man auf die Wanderungsstatistik, kam es zu zwei kleinen Peaks. Das heisst, es gab zwei Nächte, die etwas feuchter waren und in denen ein Teil der Amphibien gewandert ist. Aber dabei handelte es sich nur um einen kleinen Teil und bei Weitem nicht um die Anzahl Amphibien, die üblicherweise zu dieser Jahreszeit auf Fortpflanzungswanderung geht.

Was hat sich seither bis Ende August getan?

Auch der Sommer 2022 war sehr trocken, ganz zum Leid der Tiere und Pflanzen. Durch den fehlenden Regen sind manche Weiher ausgetrocknet. Auch die Umgebung um die Weiher herum wurde dementsprechend sehr trocken. Man stelle sich vor – man ist ein kleiner Babyfrosch, der sich soeben frisch entwickelt hat und aus dem Wasser an Land geht. Dort ist das Gras braun, die ganze Umgebung ist ausgetrocknet. Ich glaube, die diesjährige Wanderung der kleinen Frösche verlief nicht sehr gut. 

Ohne Wanderung keine Paarung, die Frösche finden einander ja nur auf der Wanderung. Welche Folgen hätten die ausbleibenden Paarungen für die Natur?

Nehmen wir den Grasfrosch oder die Erdkröte als Beispiel. Diese Tiere können bis zu 15 Jahre alt werden. Wenn einen Frühling lang schlechte Bedingungen herrschen, fällt das nicht so sehr ins Gewicht. Sie legen ja unglaublich viele Eier, aus denen dann Kaulquappen schlüpfen. Ist der Frühling aber über mehrere Jahre so extrem trocken und die Wanderung mehrmals so schlecht und wenn dann auch noch das Wasser in den Weihern fehlt, dann schrumpft der Froschbestand massiv. Aktuell haben wir nur noch wenige Orte mit vielen Tieren. Irgendwann wird die Vermischung, also der genetische Austausch, dadurch unterbunden. Wenn die Tiere genetisch verarmen, sich also genetisch immer ähnlicher sind, sterben sie irgendwann aus. 

Können wir Menschen dieser Entwicklung entgegenwirken?

Da gibt es mehrere Ebenen, auf denen man darüber diskutieren kann. Das eine Stichwort heisst sicher Klimawandel. Auf dieser Ebene geht von heute auf morgen kaum etwas. Hierbei geht es vor allem darum, sich bewusst zu werden, welche Folgen das eigene Handeln haben kann. Es gibt aber auch Möglichkeiten, die man ziemlich zügig umsetzen könnte – nämlich, die Wanderung der Frösche im Frühling sicherer zu gestalten. Gleise und Strassen beispielsweise sind Hürden für die Amphibien. Kommt dann ein Zug oder ein Auto, ziehen die Tiere den Kürzeren. Auf den bekannten Wanderstrecken der Tiere sollten deshalb Tunnel und so weiter für sie gebaut werden, damit sie möglichst sicher ans Ziel kommen. 

Ähnlich wie eine Wildbrücke? 

Genau. Übrigens profitieren nicht nur Amphibien von solchen – wir nennen sie «Kleintierdurchlasse» – denn viele weitere Tiere, die die Strassen oder Schienen überqueren müssen, können sie nutzen. Auch Zäune entlang von Strassen können helfen. Freiwillige leeren dann die im Boden eingelassenen Eimer, in welche die Tierchen fallen, und tragen sie auf die andere Strassenseite. Diese Methode kommt besonders im Frühling zum Zuge. Aber wie gesagt: Amphibien wandern eigentlich das ganze Jahr über. 

Können Sie eine Prognose für die nächsten Jahre abgeben?

Hier komme ich wieder auf die beiden angesprochenen Ebenen zurück – beim Klimawandel haben wir alle es  in der Hand, etwas zu verändern. Wenn ich konkret an die Sicherheit der Wanderungen denke, glaube ich stark an die konkreten Projekte. Hier sind wir beispielsweise im Austausch mit dem kantonalen Tiefbauamt und der RhB. Auch das Anlegen von Weihern kann beispielsweise helfen, die Wanderungen zu verkürzen.

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