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«Das ist ein Meilenstein für die rätoromanische Sprache»

Was es für viele Sprachen bereits gibt, ist nun auch für das Rätoromanische erstellt worden: eine automatisierte Übersetzung. RTR-Direktor Nicolas Pernet freut sich auf ein grösseres Publikum.

Südostschweiz
21.06.22 - 15:05 Uhr
Aus dem Leben
Automatisch: Dank dem neuen Übersetzungstool sind beispielsweise romanische Sendungsbeiträge einem breiteren Publikum zugänglich.
Automatisch: Dank dem neuen Übersetzungstool sind beispielsweise romanische Sendungsbeiträge einem breiteren Publikum zugänglich.
Pressebild

Ob deutsch, französisch oder italienisch: Texte mittels künstlicher Intelligenz übersetzen zu lassen, ist in diesen drei Landessprachen der Schweiz gang und gäbe. Nun gibt es auch eine automatisierte Übersetzung für die vierte Landessprache, das Rätoromanisch. Initiiert worden ist das Übersetzungsprogramm von Radio Televisiun Svizra Rumantscha (RTR). «Es waren in erster Linie interne Gründe, weshalb wir dieses Tool in Zusammenarbeit mit dem Spin-off der Universität Zürich entwickelten», erklärt RTR-Direktor Nicolas Pernet gegenüber Radio Südostschweiz. Texte von deutschen Nachrichtenagenturen etwa könnten so schneller ins Romanische übersetzt werden – bislang ein grosser Aufwand für die Journalistinnen und Journalisten. Und worauf sich Pernet besonders freut: «Die Visibilität des Romanischen kann mit der automatisierten Übersetzung erhöht werden.» Fernsehbeiträge beispielsweise könnten so einfacher untertitelt und damit einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Pernet spricht von einem «grossen Meilenstein» für die rätoromanische Sprache.

Finanzierungsfrage

Bis Ende Juli kann das Übersetzungsprogramm von allen interessierten Personen ausprobiert werden. «Denn dessen Nutzung ist auch für Privatpersonen oder zum Beispiel für Gemeinden interessant», ist Pernet überzeugt. Texte für Websites oder Protokolle von Gemeindeversammlungen könnten auf diese Weise schneller übersetzt werden. Ab August allerdings ist die Nutzung der automatisierten Übersetzung ausschliesslich RTR-Mitarbeitenden vorbehalten. Der Grund: die Kosten. «Für RTR wäre es zu teuer, das Programm längerfristig der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen», so Pernet. Aus diesem Grund kläre RTR derzeit ab, wie die Finanzierung auf eine andere Weise gestaltet werden könnte.

Übersetzungen in vier Sprachen

Als Ausgangssprache erkennt das Übersetzungstool alle fünf Idiome sowie Rumantsch Grischun. Bei Rätoromanisch als Zielsprache wird gemäss einer Mitteilung von RTR in Rumantsch Grischun übersetzt. Es sei durchaus denkbar, dass in Zukunft auch einzelne Idiome berücksichtig werden könnten. Das System kann Texte ins Deutsche, Französische, Italienische und Englische übersetzen und umgekehrt. Die automatisierte Übersetzung ist für einzelne Wörter, ganze Texte oder Word-Dokumente in der Weboberfläche anwendbar.

Mithilfe erwünscht

Die Übersetzung wird gemäss Mitteilung mittels neuronalen Netzen (künstlicher Intelligenz) erstellt. Auf Basis von vorhandenen Daten erlernt das Sprachmodell während eines mehrwöchigen Trainings die Übersetzungsmechanismen. Die Entwicklung wird laufend durch aktuelle Technologien verbessert. Benutzer und Benutzerinnen können diesen Prozess unterstützen, indem sie die Ergebnisse evaluieren und Rückmeldungen zur Verbesserung geben.

Wer das Übersetzungstool bis am 31. Juli testen möchte, kann das hier tun.

(jac/sz)

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