×

Liebesbetrug im Internet: Frau um 50'000 Euro erleichtert

Liebesbetrug im Internet: Frau um 50'000 Euro erleichtert

Eine Glarnerin musste erleben, dass blinde Liebe ganz schön ins Geld gehen kann.

Martin
Meier
vor 1 Monat in
Aus dem Leben

Unglücklich verheiratet, einsam – dann die grosse Liebe, welche Rosmarie* schwach macht. Der Romeo ist gut aussehend, weit gereist, ein wohlhabender Bauingenieur. Rosmarie geniesst es, von Davide, so nennt er sich selber, mit Schmeicheleinheiten überhäuft zu werden.

Die Chats beginnen vor gut einem Jahr harmlos, mit einer Facebook-Anfrage. Allmählich lernt man sich kennen. Die Sprache wird vertrauter: «Guten Morgen», schreibt Davide Rosmarie. «Ich hoffe, dass es mit unserem ersten Treffen bald klappt.» Bald nennt Davide seine Rosmarie «Liebling» und verspricht, «für immer in ihrem Leben zu bleiben». Die Turteltauben senden sich Fotos.

Davide fordert Geld

Auf einmal verlangt der Lover aber Geld. Schwierigkeiten da, Probleme dort. Rosmarie zahlt. Und Davide fordert weiter: «Bitte helfen Sie mir mit 5000 Euro.» Davide will damit vor Verlassen der Türkei sein Flugticket kaufen und die Hausmiete bezahlen. «Weil der Vermieter mir mit der Polizei gedroht hat.» Davide schwärmt von der gemeinsamen Zukunft: «Du musst wissen, dass ich tief in dich verliebt bin.»

Rosmarie zahlt für alles Mögliche weiter. Und Davide schreibt weiter: «Swift hat meine 400'000 Euro und meine schottischen Unternehmensdokumente beschlagnahmt.» Davide fragt: «Wie erwartest du da, dass ich mich gut um dich kümmern kann, wenn wir als Ehemann und Ehefrau zusammenleben?»

Davide schreibt, dass er derzeit in Griechenland arbeitet. Dort sei wegen Corona der Flughafen geschlossen. Daher müsse er nach Istanbul, wo er hin muss, das Schiff nehmen.

Probleme mit Terroristen

Auf hoher See durchkreuzen dann Isis-Terroristen Davides Pläne. Diese, so Davide, hätten beabsichtigt, das Schiff zu kapern. Der Kapitän habe ihm angeraten, sein Geld in einer Box in Sicherheit zu bringen. Jetzt benötige er Geld, um sein Geld wieder auszulösen. Er wolle es dann auf ihr Konto in die Schweiz überweisen, schreibt Davide Rosmarie.

Die Glarnerin will auch die 15'000 Euro überweisen. Die Glarner Regionalbank winkt jedoch ab. «Ob ich auch schon etwas von Romance Scamming gehört habe», fragten sie Rosmarie. Von Davides Machenschaften wachgeküsst, erstattet Rosmarie dann bei der Glarner Kantonspolizei Anzeige. Allerdings erst, nachdem sie ihm 50'000 Euro überwiesen hatte. Doch Davide spielt sein schmutziges Spiel weiter. Er brauche Geld. «Ich befinde mich momentan im Gefängnis.» Alles erstunken und erlogen. Auffindbar ist Davide bis heute nicht.

Die Polizei warnt

Die Kantonspolizei Glarus hat immer wieder mit Opfern von Heiratsschwindlern zu tun, sie rät zu einer Anzeige, besser noch zu einer Kontaktaufnahme, bevor es zu einer Geldüberweisung gekommen ist. «Wir könnten mit unserer Beratung viele davon abhalten oder noch rechtzeitig warnen, bevor das Bankkonto teils arg in Mitleidenschaft gezogen ist. Durch Belehrungen von Personen – und deren Weitersagen – könnten allenfalls auch weitere potenzielle Opfer gewarnt werden», sagt Kripochef Rolf Gubser.

Verdächtig sei die Kontaktaufnahme mittels Skype, Videochat und über soziale Medien wie Facebook und so weiter, sagt Gubser. «Verdächtig ist aber auch das Vortäuschen einer Liebesbeziehung oder Heirat», fährt er fort. «Andere blenden vor, sie seien im Gefängnis, jemand aus der Familie oder ein Tier sei krank, dass ein Unfall passiert sei oder dass sie entführt worden seien.»

«Stutzig sollte man auch werden», so der Kripo-Chef weiter, «wenn Ankündigungen nicht eingehalten werden. Wenn Ausreden ins Spiel gebracht werden wie, man sei am Flughafen überfallen worden, wenn die Auserwählte gebeten wird, die Kosten von angeblichen Besuchen zu übernehmen.» Verdächtig seien langwierige Korrespondenzen, verbunden mit der betrügerischen Bitte um Geld mit vorerwähnten Gründen. Anzeichen, dass Betrüger am Werk sind, gibt es auch bei der Geldüberweisung. Gubser sagt: «Dubios sind Geldüberweisungen über Online-Zahlungsanbieter wie Western Union oder über Drittkonten, beispielsweise vom angeblichen Anwalt. Dabei ist typisch, dass die Täter, aber auch die Täterinnen psychischen Druck ausüben, damit die Opfer Schuldgefühle bekommen.»

*Name der Redaktion bekannt

Kommentieren

Kommentar senden
E-Paper
Kein Plan für's Wochenende?
Dann gleich den neuen "Südostschweiz"-Freizeit-Newsletter checken!
Nicht mehr fragen