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«Irgendwann ist es für uns alle mal fertig»

«Irgendwann ist es für uns alle mal fertig»

Am 11. September ist der Nationale Tag der Gewebe- und Organspende. Sascha Jaeger hat eine Spenderlunge erhalten und plädiert für aktive Entscheidungen statt langes Abwarten.

Südostschweiz
vor 1 Woche in
Aus dem Leben
Sascha Jaeger hatte Glück: Er lebt seit zwei Jahren komplikationsfrei mit seiner neuen Lunge.
Bild TV Südostschweiz

Seit seiner Geburt leidet Sascha Jaeger an Zystischer Fibrose, einer Stoffwechselkrankheit, die nicht heilbar ist. Die Ursache für Mukoviszidose, wie die Krankheit auch genannt wird, sind Mutationen in den Genen. Dabei entsteht ein zäher Schleim in den Zellen und verstopft lebenswichtige Organe nach und nach. Oft sind dabei die Atemwege betroffen, wie auch bei Jaeger. «Früher oder später quittiert die Lunge ihren Dienst. Sie verschleimt. Die letzte Option ist dann eine Lungentransplantation.» Und diese Option konnte Jaeger nutzen: Er war 2019 eine von 39 Personen in der Schweiz, die eine neue Lunge erhielten. 70 Tage habe er auf das Spenderorgan warten müssen. «Ich hatte sehr viel Glück. Andere warten zwei oder drei Jahre. Oft klappt es auch gar nicht.»

Statistiken zeigen, dass nur jeder dritte bis sechste Patient eine Spenderlunge erhält. Die meisten Anwärterinnen sterben während der Wartefrist, denn es gibt schlicht zu wenige Organspenderinnen und Organspender. In der Schweiz sind nur 1,5 Prozent der Bevölkerung im zentralen Organspenderegister erfasst.

Tabuthema Tod

Den Grund dafür sieht Jaeger in der Tabuisierung des Todes. Er ist Botschafter der Stiftung Swisstransplant. In dieser Funktion mache er viel Aufklärungsarbeit: Bei Aktionen wie «I schänke dir mis Härz» von Swisstransplant und bei Vorträgen in Schulklassen oder bei Weiterbildungen zum Beispiel. In Gesprächen habe er oft das Gefühl, dass viele der Organspende nicht abgeneigt seien. Aber sie würden das nicht festhalten. «Wir müssen uns über unser irdisches Dasein Gedanken machen. Früher oder später ist es für uns alle mal fertig. Das ist einfach ein Fakt.»

Jaeger lebt mittlerweile zwei Jahre mit der neuen Lunge. Komplikationen hatte er seither keine. Seine Lunge fühle sich auch nicht an wie ein Fremdkörper. Im Gegenteil: «Für mich war es wie eine Wiedergeburt.» 

Das ausführliche Interview in der Sendung «Rondo Fokus»:

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