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Davoser Afghane hat Angst: «Bitte schaut nicht weg»

Davoser Afghane hat Angst: «Bitte schaut nicht weg»

In Afghanistan haben die Taliban die Regierung gestürzt und wollen die Scharia einführen. Ein nach Graubünden geflohener Afghane erzählt von der tragischen Situation.

Südostschweiz
vor 2 Monaten in
Aus dem Leben
Hakimzada Mohammad Sadig lebt mit seiner Familie seit mehr als anderthalb Jahren in Davos. Seine Mutter und Geschwister sind in Afghanistan.
Bild: Hakimzada Mohammad Sadig

Hakimzada Mohammad Sadig ist seit einem Jahr und acht Monaten in der Schweiz. Ursprünglich stammt er aus Afghanistan. Zusammen mit seinen zwei Söhnen und seiner Frau kam er nach Davos. «Wegen den vielen Problemen mit den Taliban sind wir in die Schweiz geflüchtet», erzählt Sadig im Interview mit Radio Südostschweiz. «Wenn die Taliban regieren, haben wir keine Freiheit mehr.» Sadig hat mit dem US-Militär gearbeitet in Afghanistan. Die Taliban hätten ihm immer wieder geschrieben, dass sein Leben in Gefahr sei.

«Die USA haben Mitschuld an der aktuellen Situation»

«Die aktuelle Situation in Afghanistan ist sehr schlimm», sagt Sadig. Er und seine Familie hören jeden Tag Nachrichten. Seine Mutter und seine Geschwister leben noch immer in Afghanistan. «Die Situation vor Ort ist sehr schlimm, alle haben grosse Angst vor den Taliban.» Noch vor zwei Wochen habe sich Sadig nicht vorstellen können, dass die Taliban die Macht übernehmen und die Regierung Afghanistans fallen würde. «Die USA sind mitschuldig. Sie haben Verträge mit den Taliban. Die Taliban sind quasi ein Projekt der USA», ist sich Sadig sicher. Pakistan und Iran seien in diesem Projekt genauso involviert. Auch führende afghanische Politiker sollen ihren Teil zum Projekt beigetragen haben. «Etwa die Hälfte der Politiker in Afghanistan stehen auf der Seite der Taliban», glaubt Sadig. Auch dass der Präsident einfach das Land verlassen habe, sei nicht gut. Jetzt stehe das Land ohne Präsident da. «Bevor die USA eingegriffen haben, waren die Taliban einfach eine Terroristengruppe. Nun sind sie eine starke Opposition», erzählt Sadig.

Schwester darf nicht mehr an die Uni

Zu seinen Verwandten in Afghanistan hat Sadig viel Kontakt. Seine Schwester studiere eigentlich an einer Universität. Allerdings konnte sie seit zwei Tagen nicht mehr hingehen. Es ist nun verboten. «Die Freiheit ist weg. Für die Männer ist es einigermassen erträglich. Aber Frauen und Mädchen haben keine Chance. Für sie gibt es nur noch Probleme.» Es gibt aktuell keine Regierung in Afghanistan. Und auch die Taliban hätten Angst – vor dem Rest der Welt, so Sadig. Trotzdem haben sie sich nicht verändert, sagte er. «Sie sind sehr gewaltbereit und verwehren den Frauen und Mädchen Bildung und Berufe in der Regierung.» Sadig macht sich grosse Sorgen um seine Familie. «Ich habe keine Chance, sie in die Schweiz zu holen», sagt er traurig. Aktuell könne er nichts tun. Er könne auch nicht zurück nach Afghanistan gehen. «Die Vereinten Nationen sollten eingreifen», findet er. Auch die Gespräche mit Iran, Pakistan und Saudi-Arabien sollten aufgenommen werden, weil diese Länder die Taliban unterstützen würden, so Said.

Wie finanzieren sich die Taliban?
Nebst Menschenhandel und dem Anbau und Schmuggel von Opium, Heroin und Haschisch finanzieren sich die Taliban vor allem mit Spenden aus dem Ausland. Gemäss Informationen im Internet kam zwischen 2005 und 2015 die meiste finanzielle Unterstützung aus den Staaten Pakistan, Saudi-Arabien, Iran, China, Katar sowie von privaten Spendern aus Saudi-Arabien. Auch El Qaida und der Islamische Staat haben die Taliban finanziell unterstützt.

Sadig hat nur einen Wunsch: «Ich hoffe, die Welt schaut nicht weg. Afghanistan ist alleine. Wir wurden allein gelassen. Die Taliban sind Terroristen, keine Regierung. Gebt den Frauen und den Kindern wieder ihre Freiheit zurück.»

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