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Freud und Leid eines Inselbesitzers

Inselbesitzer! Wer kann das schon von sich sagen. Jakob Luchsinger aus Schwanden gehört dazu. Er hat allerdings Sorgen, wenn die Linth die Insel überschwemmt.

Südostschweiz
13.08.21 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit

von Madeleine Kuhn-Baer

Von seinem Haus im Stalden Schwanden hat Jakob Luchsinger einen wunderbaren Blick auf seine Insel in der Linth. «Ein Bijou», schwärmt er. Schon als Kind hat er mit den Nachbarskindern am Fluss gespielt. Bei niedrigem Wasserstand sind sie auf die Insel hinübergewatet und haben sich die «Gunten mit Fischen drin» angeschaut. «Beim Spickel vorne öffnet sich die Linth und wird sehr weit. Das ist wunderschön. Es gibt dort sogar eine Feuerstelle», schwärmt der Schwandner weiter.

Schicksalsschläge zu verkraften

Hier im Stalden an der Linth ist er aufgewachsen. Wo heute sein Haus steht, befand sich ursprünglich ein Stall für Schafe, Schweine, Hühner und Kaninchen. «Das war der Job meiner Mutter. Mein Vater war für das Grossvieh zuständig.» Er trat in die Fussstapfen seiner Eltern, besuchte nach der Sekundarschule zwei Kurse an der landwirtschaftlichen Winterschule in Glarus und absolvierte vor genau 50 Jahren die bäuerliche Berufsprüfung am Plantahof in Landquart. Es folgte der Betriebsleiterkurs, und 1979 übernahm er den väterlichen Landwirtschaftsbetrieb.

Sein Heim ist ans Elternhaus angebaut. Er bewohnt es zusammen mit seiner zweiten Frau Monika. Kennengelernt haben sich die beiden 2006 in der Reha Braunwald. «Nicht bei Bauer, ledig, sucht...», lacht der 72-Jährige. Vor fünf Jahren haben sie geheiratet.

Seine erste Frau starb 1995 mit erst 55 Jahren an Krebs. Ein schwerer Schicksalsschlag für ihn, der unter anderem dazu führte, dass er das langjährige Präsidium des Männerchors Schwanden abgab. Singen gehört zu seinen Hobbys: Er begann damit, als er 19-jährig war. Heute noch gehört er dem Vorstand des Männerchors Glarus an.

Überhaupt engagierte er sich zeitlebens in vielen verschiedenen Ämtern. 28 waren es zu Spitzenzeiten gleichzeitig! Dazu zählte das Landratsmandat von 1986 bis 2006, wo er die SVP vertrat. Aufgeben musste er es wegen Knie- und Hüftproblemen.

Die Serie zur Linth
Die Linth prägt das Glarnerland und die Linthebene. Und zwar nicht nur geografisch. Auch das Leben der Menschen in unserer Gegend ist in vielen Momenten von diesem Fluss geprägt und gestaltet. In einer achtteiligen Sommerserie folgen wir dem Flusslauf vom Tierfehd zuhinterst im Glarnerland bis zum Zürichsee. Dabei stellen wir Menschen vor, deren Leben ganz besonders von der Linth geprägt wird. (red)

Grüner Fleck in der Linth

Daneben war er stets Bauer mit Herzblut. Die Insel bewirtschaftete er bereits in der dritten Generation. Bis vor 40 Jahren als Pächter, danach als Besitzer: «Da die Familie Luchsinger mit der Familie Dr. Hefti ein freundnachbarschaftliches Verhältnis pflegte, konnte ich die Liegenschaft kaufen.» Sie umfasst 12 000 Quadratmeter, davon 7000 Quadratmeter Wiesland. Heute bewirtschaftet sie «ein ausgezeichneter Pächter».

Die Insel grenzt an die Kantonsstrasse beim Bahnhof Schwanden, wo die Zufahrt zur Insel abzweigt. Zerschnitten wird das Grundstück von der Bahn; der obere Teil gehört einem anderen Besitzer. «Ich bin schon angefragt worden wegen einem Minigolfplatz oder einem Hausbau. Aber das kommt nicht in Frage, ich verkaufe nicht. Die Insel muss ein grüner Fleck bleiben im Sinne des Landschaftsschutzes.»

Nicht nur die Insel, sondern auch die Linth bedeutet ihm viel. «Ich würde sie vermissen, wenn ich an einem anderen Ort wohnen würde», sagt der rüstige Rentner. Oft macht er Spaziergänge entlang des Flusses. «Das Rauschen des Wassers ist so erholsam. Es begleitet mich schon mein ganzes Leben.»

Linth als Gefahr

Bei unserem Besuch rauscht und zieht die Linth stark. Das Wasser ist graubraun. «Das ist normal wegen des vielen Regens», beruhigt Jakob Luchsinger. Er hat schon ganz andere Wassermassen erlebt – und seine Insel liegt in der Hochwasserzone. Schon in seinen Bubenjahren habe es «schlimme und weniger schlimme» Hochwasser gegeben, meint er. «Aber das schlimmste seit 100 Jahren war das Hochwasser vom 20./21. August 2005.»

Er erinnert sich an «eine elende Nacht», als es plötzlich anfing, abnormal zu rauschen. Die Linth riss ganze Baumstämme mit. «Das hat schon etwas Angst gemacht im Dunkeln.» Hätte es am anderen Tag nicht aufgehört zu regnen, wäre sein Haus unterspült worden. «Dann wären wir gegangen.» Zum Glück kam es nicht so weit. Doch das Hochwasser richtete auch so grosse Schäden an. Das Ökonomiegebäude auf der Insel stand im Wasser, überall lag Holz. Etwa fünf Aren Land hatte die Linth mitgeschwemmt. Im Industrieareal Tschachen schwamm alles bei den Silos der Kunststoff Schwanden AG. In der Folge liess er das Wuhr auf einer Seite begradigen und stellte die Uferpartien wieder instand. Im Tschachen wurden 2008 dem Wanderweg entlang Hochwasserschutzbauten erstellt.

Jakob Luchsinger hat Respekt vor Hochwasser. «Angst macht es vor allem, wenn man als Privatanstösser mit Land zu grossen Schäden kommt mit den Instandstellungskosten.» Denn gemäss EG ZGB haben sämtliche Landanstösser an Linth und Sernf Ufer- und Wuhrpflicht. Er habe schon Riesenbeträge in die Wuhranlagen investiert. Der Kanton verfüge über kein eigenes Wasserbaugesetz, aber über ein uraltes Wasserrechtsgesetz: «Das muss angepasst werden. Doch das ist politisch ein heisses Eisen.»

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