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Die Radiostimme der Lakers hofft auf eine Zugabe daheim

Die Radiostimme der Lakers hofft auf eine Zugabe daheim

Seit 28 Jahren begleitet Istvan Nagy die Spiele der SC Rapperswil-Jona Lakers als Radioreporter. Die aktuelle Saison ist auch für ihn eine ganz spezielle.

Pascal
Büsser
vor 6 Tagen in
Aus dem Leben
Mit Herz und Seele dabei: Istvan Nagy ist seit 28 Jahren die Radiostimme der Lakers in der Region.
ZVG

Jawohl!», tönt es aus dem Äther. «Und da isch de Siegestreffer gfalle fürd Rapperswil- Jona Lakers.» Istvan Nagy macht nach dem sensationellen Triumph der Rapperswil-Jona Lakers in den Play-off-Viertelfinals über Favorit Lugano keinen Hehl aus seiner Freude. «In so einem Moment sind Emotionen da, da darf man auch mal laut werden.» Der Halbfinaleinzug, der erste seit 2006 und der zweite in der Geschichte des Klubs, war auch für Nagy ein spezieller Moment.

Doch müsste er als Radioreporter nicht neutral sein? «Nein», sagt er lachend. Das sei das Schöne an seinem Job. Seit 28 Jahren berichtet er für Radio Central über die Lakers, verfolgte weit über 1000 Spiele. Beim Regionalradio müsse er kein Geheimnis daraus machen, wo seine Sympathien liegen. Das sei auch der Grund, wieso er mehrmals Angebote des SRF abgelehnt habe, sagt Nagy. So habe ihn etwa der legendäre SRF-Sportreporter Bernhard Schär nach einem Kurs in Magglingen zum nationalen Sender locken wollen. «Doch dort hätte ich neutraler und auch von Spielen anderer Klubs berichten müssen», sagt Nagy. «Das interessierte mich nicht.»

Vollblut-Reporter im Nebenamt

Angefangen hat Nagys Medienkarriere 1988 bei der damaligen Zeitung «Die Linth». Dem Lokaljournalismus blieb er über all die Jahre treu – stets als Nebenjob. Schon 1989, mit 22 Jahren, gründete er seine eigene Firma. Nagy (Aussprache: Natsch) bietet Kurierdienste an und vermietet Kleinbusse.

Anfang der Neunziger stellte ihn der damalige SCRJ-Boss Bruno Hug als Pressechef beim Klub ein. Anderthalb Jahre später stieg Nagy als Radioreporter bei Radio Central ein. Längst ist er in der Region als die Radiostimme der Lakers bekannt. Viele meinten, er sei vollamtlicher Sportreporter, erzählt Nagy. Als Lakers-Trainer Jeff Tomlinson ihn auf einmal am Expo-Stand seiner Firma angetroffen habe, sei dieser ebenso überrascht gewesen wie Goalie Melvin Nyffeler, der eines Tages wegen einer Büssli-Miete in Nagys Büro auf dem Zeughausareal stand.

Tomlinson und Nyffeler sind für Nagy, neben dem Teamspirit, zwei tragende Säulen des aktuellen Erfolgs der Lakers. «Was der Trainer aus der Mannschaft herausgeholt hat, ist sensationell.» Aufstieg, Cupsieg, Play-off-Halbfinals – ein Ehrenplatz in der Lakers-Geschichte sei Tomlinson sicher. «Ich bedaure sehr, dass er nicht Trainer bleibt», sagt Nagy.

Ob es weitere Spiele der Lakers mit Tomlinson an der Bande gibt, entscheidet sich heute Abend in Zug. Der EVZ führt in der Halbfinalserie mit 2:0-Siegen und kann heute den Finaleinzug in der Best-of-5-Serie besiegeln. Trotz deutlicher Leistungssteigerung reichte es am Dienstag nicht für einen Erfolg der Lakers. «Das erste Drittel war hammergut, das beste, das ich diese Saison gesehen habe», schwärmt Nagy. Doch habe Zug danach individuelle Fehler gnadenlos ausgenutzt.

Hans-Dampf-in-vielen-Gassen

Die Szenerie im Stadion findet Nagy aktuell trostlos. Obwohl die jüngst zugelassenen 50 Fans in der Arena toll Stimmung gemacht hätten. Für die Spieler seien die fehlenden Fans ein klarer Faktor, das sehe man an den vielen Auswärtssiegen dieser Saison.

Nagy ist einer der wenigen, die fast alle Partien der Lakers dieser Spielzeit im Stadion gesehen haben. «Das ist schon ein Privileg», ist er sich bewusst. «Letztlich mache ich aber einen Job, es ist ein Arbeitsplatz», sagt er. Und schiebt nach: «Ein u lässiger Arbeitsplatz. So wie Hockeyspieler kann ich sagen, dass ich mein Hobby zum Beruf machen durfte.»

Apropos Hobbys: Der ledige Nagy ist äusserst engagiert, ein Hansdampf in allen Gassen. Angefangen hatte er als Junioren-Hockeyspieler beim SCRJ. Unter anderem spielte er mit Patrizio Morger, der später beim ZSC Karriere machte. Nagy pfiff derweil zehn Jahre als Hockey-Juniorenschiedsrichter. Und war im Funktionärenverein. Zehn Jahre wirkte er im OK des Blues’n’Jazz. Seit vielen Jahren ist er nun im OK des Seenachtfests tätig. Jahrelang engagierte er sich in der Cevi. Zwölf Jahre betreute er Junioren bei den Lakers. Fast seit Beginn macht er den Speaker am Ironman Rapperswil-Jona. Und auch bei diversen Lakers-Anlässen wirkt der heute 53-Jährige als Moderator.

Dass der Klub, lange als graue Maus der Liga verrufen, sich auf der nationalen Bühne wieder Respekt verschaffen konnte, erfüllt Nagy mit Freude. «Der Abstieg war heilend», meint er. «Man wurde demütiger und hat den Klub von Grund auf wieder mit Leidenschaft und Herz aufgebaut.»

Und reicht diese Leidenschaft, um die Serie gegen Zug noch zu drehen? «Es wird schwierig», ist Nagy realistisch. «Ich hätte natürlich riesige Freude, nochmals ein Spiel in der heimischen Arena zu kommentieren.»

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