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Vom geheimen Sexleben der Tiere

Bei den Tieren dreht sich alles um Sex. Wir Menschen gehen lieber in eine Ausstellung des Bündner Naturmuseums in Chur, wo es darum geht, wie Tiere Sex haben.

Simone
Janz
Mittwoch, 04. November 2020, 04:30 Uhr Ausstellung im Bündner Naturmuseum

Klein, aber fein ist sie geworden, die neue Sonderausstellung im Bündner Naturmuseum mit dem plakativen Namen «SEXperten – Flotte Bienen und tolle Hechte». Es geht um den Motor der Evolution – den Sex.

«Die Ausstellung ist jugendfrei», sagt Museumsdirektor Ueli Rehsteiner ganz am Anfang. Und «Sex sells» sei also nicht das Motto hier. Falls er schmunzelt, sieht man es nicht hinter seiner Maske. Hinter ihm kämpfen derweil zwei Hirsche, ihre Geweihe ineinander verhakt. Auf dem Sockel dahinter machen zwei Hirschkäfer dasselbe. Irgendwo oberhalb rammelnder Hasen fliegt ein Storch. Er bringt keine Kinder. Aber er steht sinnbildlich dafür, worum es in der neuen Ausstellung des Bündner Naturmuseums gehen soll. Darum, wie die Tierbabys auf die Welt kommen. Ganz so einfach ist das nämlich nicht.

Brutale Sexpraktiken

Rehsteiner und Museumspädagoge Flurin Camenisch sind ganz in ihrem Element. Ihre Geschichten zum Balzverhalten und den Sexpraktiken in der Tierwelt sind faszinierend, oft auch richtig brutal. Der Grat ist schmal. Da gibt es zum Beispiel die gemeine Skorpionsfliege, deren Männchen gerne auch mal das Weibchen vergewaltigt, wenn es sich auch durch nette, kleine Geschenke in Form von toten Insekten nicht rumkriegen lässt. Bei den Pfauenspinnen ist es anders rum: Ist das Weibchen von der Tanzeinlage und dem farbig, scheinbar fluoreszierend gemusterten Schild des Männchens nicht beeindruckt, landet es auf ihrem Teller. Da macht sie kurzen Prozess.

Konkurrenz und Damenwahl

Diesen beiden Geschichten ist eines gemeinsam, so hart es für manche klingen mag: Ohne Frauen ginge gar nichts, Männer sind verzichtbar. So steht es auch im Booklet zur Ausstellung. In der Biologie würden männliche Tiere nur dem Austausch von Eigenschaften dienen, während die weiblichen Tiere den Nachwuchs bekommen, heisst es darin. «Frauen» kamen fast drei Milliarden Jahre ohne «Männer» aus – durch ungeschlechtliche Vermehrung mittels Zellteilung. Erst vor rund 600 Millionen Jahren ist das zweite Geschlecht bei Vorfahren der heutigen Quallen entstanden.

Dass es Männchen überhaupt gibt, müsse also einen biologischen Sinn haben, heisst es weiter. Dieser bestehe darin, die eigenen Eigenschaften weiterzugeben und damit die Gene der Nachfahren neu zu kombinieren. Und weil die Männchen eben nicht ihre Zeit, sondern quasi «nur» ihre Eigenschaften zum Nachwuchs beisteuern, sind sie die aktiven Parts bei der Paarungssuche – und müssen halt, dem Fortbestand ihrer Art Willen, mit Artgenossen kämpfen. Oder sich fressen lassen.

«SEXperten – Flotte Bienen und tolle Hechte», eine Ausstellung des Liechtensteinischen Landesmuseums und des Amts für Umwelt Lichtenstein im Bündner Naturmuseum. Vom 5. November bis 21. März 2021.

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