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«Das Kabelnetz ist leider seit Jahren defizitär»

Markus Schnyder, Gemeinderat Glarus und für Versorgung und Sicherheit zuständig, beantwortet fünf Fragen zum Thema Kabelnetz in Glarus.

Südostschweiz
Donnerstag, 15. Oktober 2020, 04:30 Uhr Fünf Fragen an Markus Schnyder
ARCHIV/SO

1. Wer seine Kommunikation über ein stadteigenes Netz abonnieren kann, bekommt die Leistungen klar günstiger als bei den Grossen, sagt die Konsumentenzeitschrift «K-Tipp». Warum will Glarus also kurzfristig Geld verdienen, das die Einwohner dann einer privaten Gesellschaft mehrfach zurückzahlen? Das Kabelnetz, das den Technischen Betrieben gehört, ist leider seit Jahren defizitär. Trotz massivster Anstrengungen der TB, Kunden zu halten und zu gewinnen, springen weiterhin Kunden ab. Das heisst: Würden die TB das Netz behalten, dann müssten auch sie die Preise umgehend und markant erhöhen, und noch mehr Kunden würden den Anbieter wechseln. Denn heute werden die Preise der TB für die Kommunikation von allen Kunden quersubventioniert. Das ist unter anderem darum problematisch, weil nicht alle Einwohner gleichmässig profitieren, sondern nur jene, die bei den TB respektive der UPC Kabelnetz-Kunden sind.

2. Gemeinden, die ihr Netz besitzen, können mit dem Anbieter ihrer Wahl zusammenarbeiten, einmal verkauft ist dagegen für immer verkauft. Wie will Glarus sich diese Wahlfreiheit zurückholen? Zumindest die Kunden haben die Wahlfreiheit zwischen dem Netz, das an die UPC verkauft werden soll, und jenem der Swisscom, und es wird keine Versorgungslücke für Kommunikationsleistungen entstehen. Damit gibt es kein Netz-Monopol. Faktisch ist das Koaxial-Kabelnetz für die TB heute eher ein Risiko als ein Trumpf, es verliert heute Kunden und könnte bald einmal den Wert verlieren. Die UPC hat für die Übernahme des Netzes dennoch eine sehr gute Offerte gemacht, der Verwaltungsrat der TB und der Gemeinderat sind einstimmig dafür. Ein Verkauf ist nicht vergleichbar mit dem Netz von Wasser oder Strom, mit dem man ein privates Monopol schaffen würde. Soweit sinnvoll, werden die TB aber das Glasfasernetz ausbauen, das sie bereits betreiben, und an Geschäftskunden vermieten und so den Technologiewandel vorantreiben. Auch Privatkunden soll dieses Glasfasernetz künftig offenstehen.

3. Wenn die TB Glarus ein Glasfasernetz bauen wollen, warum tun sie dies nicht als Weiterentwicklung des bestehenden Koaxial-Netzes, anstatt dieses zu verkaufen? Damit würden die TB sich selber kannibalisieren. Noch mehr Kunden würden vom Koax-Netz abspringen und die Verluste würden steigen. Ob die TB ihr Glasfasernetz weiter ausbauen sollen, ist noch nicht definitiv entschieden, denn die Feinverteilung (FTTH) ist eine sehr teure Sache. Das aus dem Verkauf gelöste Geld könnte zur Anschubfinanzierung des FTTH dienen, somit würde das Geld quasi dem gleichen Zweck, einfach mit neuer Technologie zugutekommen. Der Ausbau braucht aber einen Kreditbeschluss der Gemeindeversammlung sowie einen Strategieentscheid der TB Glarus.

4. Die Grossen übten immer mehr Druck auf die Kabelnetzbesitzer aus, schreibt der Gemeinderat. Werden die TB oder die Gemeinde von der UPC erpresst? Nein, sicher nicht, eher locken sie mit guten Bedingungen. Der Verkauf ist nicht das Resultat eines Drucks, er ist eine Win-win-Situation. Er ist ein freier Entscheid des Verwaltungsrats, den der Gemeinderat einstimmig mitträgt. Wäre ein einziger Gemeinderat dagegen, dann könnte er nicht als Kästlibeschluss beschlossen werden. Die Alternative ist der Weiterbetrieb durch die TB mit mittelfristig doppelt so hohen Preisen. Damit würden weitere Kunden abspringen, was auch nicht im Sinn der UPC ist, die ja bereits heute die Signale für das Koax-Netz liefert. Und es ist so, dass Glarus allein ein zu kleiner Kunde ist, um im Markt zu bestehen. Selbst das ganze Glarnerland wäre noch zu klein.

5. Hat die Gemeinde Konkurrenzofferten eingeholt – und wenn nein, darf sie den Verkauf an die UPC überhaupt vornehmen? Man hat Alternativen geprüft, doch die UPC ist die einzige mögliche Käuferin, die überhaupt Koax-Netze betreibt. So kamen Verhandlungen nur mit ihr zustande. Des Weiteren gilt die Submission mit mehreren Offerten primär bei Beschaffungen, bei Verkäufen gilt es einfach gut zu verhandeln, was uns gelungen ist. (fra)

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